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"Urlaub vom Schmerz" auf dem Pferderücken

GROSSALMERODE. Jens ist ein hartnäckiger Junge. Alle zwei Wochen stand er in der Krebsklinik bei Matthias Vogt "auf der Matte" und fragte: "Wann fahren wir denn?" Jens hatte zu Beginn seiner Therapie im Krankenhaus mitbekommen, dass der Sozialarbeiter jedes Jahr mit einigen jungen Krebspatienten zu einem Ferienaufenthalt auf einen Reiterhof fährt. "Für ihn war es selbstverständlich, dass er zum Ende seiner Therapie mitkommt", erzählt Matthias Vogt. Und Jens hat erreicht, was er sich vorgenommen hatte: Gemeinsam mit 17 weiteren Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren verbringt er eine erlebnisreiche Woche auf dem Reiterhof Hirschberg nahe der nordhessischen Stadt Großalmerode.

Von Heidi Niemann Veröffentlicht:

Die meisten Teilnehmer sind Patienten der onkologischen Unikliniken in Köln und Bonn. Außerdem sind einige Geschwister mit von der Partie. So ist zum Beispiel auch Meike, die Schwester von Jens, mit dabei. Auf dem mitten im Wald gelegenen Reiterhof können die Patienten für einige Tage die anstrengenden Therapien und Krankenhausaufenthalte vergessen und unbeschwert die Natur und die gemeinsamen Aktivitäten genießen. Möglich macht dies das Pharmaunternehmen Grünenthal GmbH aus Aachen. Bereits zum 15. Mal finanziert die Firma eine solche Reiterfreizeit für krebskranke Kinder.

Der Kontakt mit den Pferden wirkt "wahre Wunder"

Der Aufenthalt auf dem Reiterhof ist wie eine Therapie mit Langzeitwirkung: Schon die Vorfreude motiviert die Kinder und hilft ihnen dabei, die Klinikaufenthalte besser zu bewältigen. Der stärkste Motivator aber sind die Tiere auf dem Hof. Um sie dreht sich nahezu alles, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Manche Kinder sind trotz des umfangreichen Tagesprogramms schon morgens um sechs Uhr wieder auf den Beinen. "Die gehen dann schon mal herum und sagen den Pferden guten Morgen", erzählt der Sozialarbeiter.

Auch den Hofhund namens "Konfetti" haben sie sofort in ihr Herz geschlossen. Vor allem aber der Kontakt mit den Pferden wirke wahre Wunder, sagt der Kinderkrankenpfleger und Mitarbeiter des Fördervereins für krebskranke Kinder in Köln, Dirk Zurmühlen. Gemeinsam mit dem Förderkreis für tumor- und leukämiekranke Kinder in Bonn unterstützt der Verein krebskranke Kinder und ihre Familien. Die Krebserkrankung eines Kindes bringe erhebliche Belastungen für die Familie mit sich, sagt Zurmühlen. "Außer der medizinischen Versorgung und Betreuung der jungen Patienten ist es deshalb auch wichtig, das ganze Umfeld miteinzubeziehen."

Die Reiterfreizeit ist dabei eine von vielen Aktivitäten, die den Familien das Leben und den Umgang mit der Krankheit erleichtern und die Eltern entlasten können. Manchen Eltern falle es allerdings nicht leicht, nach einer langen Zeit der intensiven Betreuung auch mal "loszulassen" und ihr Kind für einige Tage ohne elterliche Fürsorge auf dem Reiterhof zu lassen. Dabei brauchen sie sich eigentlich keine Sorgen zu machen, denn das Team aus Krankenschwestern und -pflegern, Erziehern und Sozialpädagogen sogt für eine umfassende und professionelle Betreuung. Die medizinische Versorgung ist ebenfalls gewährleistet.

Kinder lernen das soziale Miteinander

Auch die Kinder müssen sich umgewöhnen. Während ihrer Therapie standen sie ständig im Mittelpunkt, alles drehte sich um sie. "Hier lernen sie wieder das soziale Miteinander", sagt Zurmühlen. Auf dem Reiterhof müssen die Kinder sich jeden Tag um die Pferde kümmern. So gibt es morgens, bevor es auf den Reitplatz oder in die Reithalle geht, erst einmal ein Arbeitsprogramm, bei dem alle begeistert mitmachen.

Die einen machen sich ans Hufeauskratzen, die anderen striegeln die Tiere, bis die Mähne perfekt gestylt ist. Die Pflegeprozedur für die Pferde ist auch für die Kinder ein "Wellness-Programm". Wie wohltuend das weiche Fell und der warme Körper eines Pferdes auf sie wirken, zeigt sich auch beim Voltigieren. Egal, ob die Kinder allein, zu zweit oder zu dritt auf dem Pferderücken sind - immer sind sie mit Spaß bei der Sache.

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