Ernährung

Vegetarisch hält das Herz gesund

Veröffentlicht:

OXFORD. Vegetarier schonen ihr Herz: Ihr Risiko, wegen Herzkrankheiten in die Klinik zu kommen oder daran zu sterben, ist um ein Drittel geringer als bei Menschen, die Fleisch und Fisch essen.

Ausschlaggebend seien die günstigen Effekte dieser Lebensweise auf den Cholesterinspiegel und den Blutdruck, so die Forscher aus Oxford. Sie hatten Daten von 45.000 Personen ausgewertet (Am J Clin Nutr 2013, online 30. Januar). (ars)

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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler 10.02.201322:52 Uhr

Präzisierung

Ein Leser fragte mich nach genaueren Begründungen, weshalb ich die Publikation -
Am J Clin Nutr 2013, online 30. Januar -
http://ajcn.nutrition.org/content/early/2013/01/30/ajcn.112.044073.abstract
so kritisch sehe und für nicht stimmig halte. Dies will ich ÄZ-Leser/-innen nicht vorenthalten.

Wenn es auf 3.138 Patientenjahre nur einen einzigen Todesfall wegen ischämischer Herzerkrankung zu beobachten gibt, weist diese Studie kein realistisches Abbild der durchschnittlichen Inzidenz, Morbidität und Mortalität bei KHK auf. Deswegen sind auch die absoluten Zahlen bei Vegetariern/Carnivoren nicht angegeben. Hochgerechnet sind bei 169 Todesfällen 101 Nicht-Vegetarier und 68 Vegetarier (32% weniger) an IHD verstorben. Bei 44.561 Teilnehmern starben 0,2267 % Fleischesser und 0,1526 % Vegetarier. Die Differenz von 33 Todesfällen entspricht einem Unterschied von 0,074 Prozent. Und das kann reiner Zufall sein! Mf+kG

Dr. Thomas Georg Schätzler 03.02.201315:09 Uhr

"Fragen eines lesenden Arztes?" *

Bei 44.561 Menschen in England und Schottland lag nach durchschnittlich 11,9 Jahren Nachbeobachtungsdauer die Inzidenz ischämischer Herzerkrankungen (IHD) bei 1 Erkrankung auf 429 Patientenjahre ["After an average follow-up of 11.6 y, there were 1235 IHD cases (1066 hospital admissions and 169 deaths)"]. Die Häufigkeit von Krankenhausaufnahmen lag bei 1:497, die Sterbewahrscheinlichkeit wegen ischämischer Herzerkrankung bei 1:3138 Patientenjahren. Spätestens hier hätte dem Autorenteam auffallen müssen, dass mit ihrem Datenmaterial etwas nicht stimmt.

Doch unbeirrt wurden die Studienergebnisse weiter dahingehend interpretiert, dass bei Vegetariern das 32% niedrigere Risiko einer IHD auch beim Adjustieren an den durchschnittlich höheren BMI als Risikofaktor der Nicht-Vegetarier sich nur leicht abschwächen würde ["Vegetarians had a 32% lower risk (HR: 0.68; 95% CI: 0.58, 0.81) of IHD than did nonvegetarians, which was only slightly attenuated after adjustment for BMI and did not differ materially by sex, age, BMI, smoking, or the presence of IHD risk factors"]. Geschlecht , Alter, BMI, Rauchen oder die Anwesenheit von IHD-Risikofaktoren hätten keine substanziellen Abweichungen erbracht?

Das "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC)-Projekt ist eine von der WHO koordinierte und vom "Europe Against Cancer Program of the European Commission" finanzierte Forschungsunternehmung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Zusammenhänge zwischen Diät, Ernährungsstatus, Lebensstil, Umweltfaktoren einerseits und der Inzidenz von Krebs und anderen chronischen Erkrankungen andererseits zu erforschen ["EPIC was designed to investigate the relationships between diet, nutritional status, lifestyle and environmental factors and the incidence of cancer and other chronic diseases"]. Häufig werden in diesem Studienzusammenhang nur statistisch fragwürdige Untersuchungen, vage Vermutungen und Koinzidenzen statt Kausalitäten publiziert:
- Alkoholkonsum und Brustkrebsrisiko
- Vitamine, Mineralstoffe, essenz. Fettsäuren und Kolorektalkarzinom
- Ernährung und Divertikulose-Risiko
- Online-Erfassung von Ernährungsgewohnheiten
- Diät, Vegetarismus und Katarakt-Risiko
- B 12 und Folsäure bei Veganern Vegetariern und Omnivoren in GB
- Vitamin D bei Fleisch-, Fischessern, Vegetariern und Veganern
- Fleisch, Geflügel, Fisch und kolorektales Karzinomrisiko
- Ballaststoffe und Darmkrebsrisiko
- Sexualhormone und Frakturrisiko
- Krebsinzidenz bzw. Sterblichkeit bei britischen Vegetariern
- Körperliche Aktivität und Frakturrisiko etc.

Bunter Strauß von Beliebigkeiten oder konkrete Hypothesenbildung, empirische Überprüfung, Ergebnisdiskussion, -Interpretation und logisch-belegte Schlussfolgerungen?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
* frei nach Bertolt Brecht: "Fragen eines lesenden Arbeiters"

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