Versorgungsforschung wird noch zu wenig gefördert

MANNHEIM (skh). Therapien, die in der Routineversorgung neu etabliert werden, entfalten häufig nicht die vorhergesagte Wirksamkeit. Die Suche nach den Ursachen dieses Phänomens, das Experten auch "Effectiveness Gap" nennen, ist eine Aufgabe der in Deutschland noch jungen Disziplin der Versorgungsforschung.

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"Beim Transfer von innovativen Erkenntnissen aus der Forschung in die Praxis stehen wir oft vor einem Umsetzungsdilemma", sagte Professor Matthias Schrappe von der Universität Witten/Herdecke beim Kardiologen-Kongress. So werde der Erfolg von neuen Therapien nicht nur durch Gewohnheiten der Patienten beeinflusst, sondern auch durch Fähigkeiten und Lernbereitschaft von Ärzten und Pflegern sowie durch Systemfaktoren wie der Finanzierung. Zur Verbesserung der Versorgungsforschung wurde im Mai 2006 in Berlin das Deutsche Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF) gegründet, so Schrappe.

Dass die Effektivität von neuen Behandlungskonzepten in Deutschland noch zu wenig untersucht wird, betonte auch Professor Holger Pfaff vom Zentrum für Versorgungsforschung Köln. Ein Beispiel für eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Trägern im Gesundheitswesen sei das Programm "Versorgungsnahe Forschung": Daran beteiligen sich das Bundesforschungsministerium, die Deutsche Rentenversicherung sowie gesetzliche und private Krankenversicherungen.

Der Förderschwerpunkt Reha-Wissenschaften etwa wurde vom Bundesforschungsministerium und der deutschen Rentenversicherung mit über 40 Millionen Euro gefördert, wie Professor Bernhard Rauch aus Ludwigshafen berichtete. Darin wurden in 146 Einzelprojekten über einen Zeitraum von zweimal vier Jahren ambulante mit stationären Reha-Maßnahmen verglichen. Durch telefonische Nachsorge bei KHK-Patienten wurden etwa geschlechtsspezifische und psychosoziale Einflüsse auf den Reha-Erfolg untersucht ("Die Rehabilitation" 43, 2004, 260).

Bislang basiere auch die Reha-Forschung in Deutschland hauptsächlich auf Register-Daten, prospektiven Beobachtungsstudien und Fall-Kontroll-Studien. Randomisierte und kontrollierte Studien zur Effektivität von Rehabilitations-Maßnahmen würden jedoch zu wenig unterstützt, so Rauch.



STICHWORT

Forschung zur Versorgung

In einem multidisziplinären Ansatz wird untersucht, wie wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis der Gesundheitsversorgung umgesetzt werden. Dabei werden die Konsequenzen auf Qualität und Effizienz sowohl aus individueller als auch aus sozioökonomischer Perspektive berücksichtigt. (Definition der "AG Profilbildung" der Ständigen Kongresskommission Versorgungsforschung.) (skh)

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