Chronische Darmentzündungen

Viele Ansatzpunkte für Therapie bei entzündetem Darm

FRANKFURT / MAIN (hbr). Für Patienten mit M. Crohn und Colitis ulcerosa gibt es nach wie vor keine kausale Therapie. Die für diese Kranken verfügbaren Mittel greifen an verschiedenen Stellen des pathophysiologischen Geschehens ein.

Veröffentlicht: 17.02.2006, 08:00 Uhr

Heute geht man davon aus, daß bei der Entstehung einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED) eine erbliche Veranlagung und Umwelteinflüsse zusammenwirken, wie Professor Axel Dignaß von der Charité Berlin bei einer Veranstaltung von Merckle Recordati in Frankfurt/Main gesagt hat.

Für die genetische Prädisposition spreche etwa die hohe Konkordanz der CED bei eineiigen Zwillingen, so Dignaß, der mittlerweile die Medizinische Klinik I des Markus-Krankenhauses in Frankfurt/Main leitet.

In Kombination mit noch unbekannten äußeren Faktoren, etwa Bakterien oder Rauchen, kommt es zur Fehlregulation des Immunsystems. Entzündungsfördernde Botenstoffe werden freigesetzt und bewirken die Schleimhautschädigung bei CED. Für die Therapie ergeben sich damit mehrere Ansatzpunkte:

  • Entzündungshemmend wirken Aminosalizylate wie Mesalazin (etwa Claversal®).
  • Auch Steroide sind effektiv; einer hochdosierten Steroid-Dauertherapie stehen aber Risiken entgegen. Dazu gehören die Abnahme der Knochendichte und bei Kindern Wachstumsstörungen.
  • Mittel wie Azathioprin (etwa Zytrim®) und sein Metabolit 6-Mercaptopurin wirken immunsuppressiv.

Dignaß wies ferner darauf hin, daß sich die Darmflora durch Ernährungstherapie oder Antibiose beeinflussen läßt, bei erhöhter Stuhlfrequenz Loperamid helfen kann, oder daß Vitamine und Spurenelemente bei Bedarf ersetzt werden müssen.

Nach seinen Angaben wenden 75 Prozent der CED-Patienten zudem komplementäre Verfahren an. Dazu gehören Entzündungsmodulatoren wie Fischöl- und Weihrauchpräparate sowie Thalidomid. Der sichere Nachweis der Wirksamkeit stehe für viele der komplementären Verfahren noch aus, so Dignaß.

Kollegen liegen aber auf alle Fälle richtig, wenn sie Patienten mit Morbus Crohn vom Rauchen abraten. Denn Crohn-Kranken bekommt der blaue Dunst überhaupt nicht. "Raucher", sagt Dignaß, "haben viel kompliziertere Krankheitsverläufe als Nichtraucher."

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