Metaanalyse

Viele Diabetiker hören schlecht

Unter Typ-2-Diabetes leidet wohl auch das Gehör: Eine Analyse legt nahe, dass eine leichte Schwerhörigkeit doppelt so häufig auftritt wie bei Nichtdiabetikern. Schuld dafür könnten Hyperglykämien sein.

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Schwerhörig? Diabetiker sind offenbar besonders betroffen.

Schwerhörig? Diabetiker sind offenbar besonders betroffen.

© theissen / imago

MONTREAL. Durchblutungsstörungen und Neuropathien sind bekannte Komplikationen bei Typ-2-Diabetes. Schon lange wird vermutet, dass solche Prozesse auch zu Hörschäden führen. Bisherige Studien liefern jedoch ein recht uneinheitliches Bild, berichten HNO-Ärzte um Olubunmi Akinpelu aus Montreal (Laryngoscope 2013, online 14. August).

Um der Sache auf den Grund zu gehen, haben die Ärzte nun die bisherigen Studien zu dem Thema etwas genauer angeschaut.

Sie fanden zwölf prospektive Kohortenstudien sowie sechs Querschnittstudien, in denen bei Diabetikern und Nichtdiabetikern entweder das Hörvermögen per Reinton-Audiometrie bestimmt oder eine Hirnstammaudiometrie (auditory brainstem response, ABR) veranlasst wurde.

In sechs Studien mit Reinton- Audiometrie hatten die jeweiligen Autoren auch die Inzidenz einer Schwerhörigkeit angegeben. Als solche galt eine Reintonschwelle von mindestens 25 dB bei ausgewählten Frequenzen am schlechter hörenden Ohr.

Eine Schwerhörigkeit lag nach dieser Definition bei 44-70 Prozent der Diabetiker vor, aber nur bei 20-49 Prozent der gleich alten Kontrollpersonen. Im Schnitt war die Prävalenz einer Hörminderung in den Studien bei Diabetikern knapp doppelt so hoch wie bei Nichtdiabetikern.

Offenbar ist die Prävalenz umso ausgeprägter, je länger ein Diabetes besteht. In einer Studie waren die Teilnehmer im Schnitt bereits seit zehn Jahren erkrankt, und hier war eine Schwerhörigkeit bei 70 Prozent der Diabetiker nachweisbar.

Nur geringer Einfluss auf die Lebensqualität?

Am deutlichsten war nach den gepoolten Daten von zwölf Studien der Hörverlust bei Frequenzen zwischen 6000 und 8000 Hz. Hier lag die Reinton-Hörschwelle bei Diabetikern im Schnitt 8 dB höher als bei Nichtdiabetikern.

Im Hirnstamm kommt es zu LeitungsverzögerungenSieben der Studien enthielten Daten zur Hirnstammaudiometrie. Welle-III- und V-Latenzen waren bei Diabetikern signifikant stärker ausgeprägt als bei Nichtdiabetikern, keine Unterschiede gab es bei Welle-I-Latenzen.

Die Welle-V-Latenzen sehen Akinpelu und Mitarbeiter als Hinweis für eine retro-cochleäre Beteiligung an den Hörschäden. Offenbar kommt es im Hirnstamm zu Leitungsverzögerungen - möglicherweise als Ursache neuronaler Schäden infolge von Hyperglykämien.

Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass eine Hörschwelle von 25 dB eher einer geringgradigen Schwerhörigkeit entspricht. Ob auch eine mittel- und hochgradige Schwerhörigkeit bei Diabetikern häufiger auftritt, lässt sich aus den bisherigen Daten nicht ableiten - in den Studien lag die Hörschwelle bei den meisten untersuchten Diabetikern deutlich unter 30 dB und dürfte daher kaum zu einer Minderung der Lebensqualität geführt haben.

Allerdings könnten zusätzliche Risikofaktoren eine ernste Schwerhörigkeit bei Diabetikern beschleunigen, mutmaßen die HNO-Ärzte aus Kanada. (mut)

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