Direkt zum Inhaltsbereich

Viele HIV-infizierte Migranten verleugnen ihre Infektion

BERLIN (te). HIV-infizierte Migranten aus Afrika sind für ihre behandelnden Ärzte außerordentlich schwierige Patienten. Häufig verleugnen sie ihre Infektion, nicht zuletzt deshalb, weil mit der Diagnose HIV ein Verlust an Status und Identität in der Familienhierarchie verbunden ist.

Veröffentlicht:

Nach den Erfahrungen von Solange Nzimegne-Gölz, die in Berlin als Fachärztin eine HIV/AIDS-Schwerpunktpraxis betreibt, wollen schwarzafrikanische Patienten, bei denen die Diagnose HIV gestellt wird, zunächst einmal hören, dies sei eigentlich gar nicht schlimm.

Eine der Ursachen dafür sei, daß Migranten in Deutschland mit einer Fülle existenzieller Probleme konfrontiert seien. Dazu zählten beispielsweise der Gelderwerb, die Wohnverhältnisse, die Versorgung der Kinder, Partnerkonflikte und Behördengänge. "Gemessen an diesen Problemen ist die Tatsache der HIV-Infektion für die Patienten bedeutungslos, solange sie sich gesund fühlen", sagt die gebürtige Kamerunerin.

Hinzu komme der Erwartungsdruck der Familien. Da Europa als Paradies gelte, rechneten die Angehörigen damit, daß alle Bedürfnisse mühelos erfüllt werden könnten. Eine tödliche Erkrankung sei deshalb nicht vorstellbar und werde zwangsläufig verdrängt.

Da in den Familien vornehmlich patriarchalische Strukturen herrschten, bedeute die Diagnose HIV also nicht nur sexuelle Einschränkung, sondern auch den Verlust von Status und Identität. "Eine antiretroviraler Therapie wäre gleichbedeutend mit einer Offenbarung", sagt Nzimegne-Gölz.

Ihren Kollegen rät die Berliner Expertin deshalb, vor Therapiebeginn die Vorstellungen, die sich die jeweiligen Patienten von ihrer Erkrankung machen, herauszufinden. Hält ein Patient die Diagnose für eine Erfindung der Europäer? Schenkt er der Diagnose HIV-Infektion überhaupt Glauben? Ist ihm die Notwendigkeit einer medikamentösen Dauertherapie zu vermitteln? All dies gelte es, herauszufinden.

Angebote zur Beratung und Behandlung müßten unauffällig in die Institutionen der Regelversorgung integriert sein. Ebenso dürfe die Infektion für die Menschen aus Afrika nicht zu einem zentralen Lebensproblem erklärt werden. Es müsse zum Ausdruck kommen, daß die Infektion ein Problem unter mehreren sei. Als Lösungsweg böten sich zunehmend Selbsthilfegruppen an. Obwohl Afrikanern diese Form der Stärkung des Einzelnen fremd sei, gebe es hier erste Erfolge.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts stammen 21 Prozent aller HIV-Infizierten in Deutschland aus Ländern der sogenannten Dritten Welt, die meisten davon aus Afrika südlich der Sahara. Dort liegt die HIV-Prävalenz bei Erwachsenen zwischen zwei und 38 Prozent.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Urologie

Neue Klassifikation von Harnwegsinfektionen räumt mit Missverständnissen auf

Sechs Monate längeres Gesamtüberleben

Daraxonrasib beim Pankreaskarzinom: Besser als die Chemotherapie?

Lesetipps
Ein Säugling liegt auf dem Rücken auf einem Bett. Die Hände der Mutter streichen sachte über den Bauch des Kindes.

© Aurora Aesthetics / Generated with AI / Stock.adobe.com

Funktionelle gastrointestinale Störungen

Säuglingskoliken: Wie viel Schreien ist normal?

Füße mit Lymphödem

© [M]_Dr. P. Marazzi / Science Photo Library

Ödem ist nicht gleich Ödem

Lymphödem versus Lipödem: Tipps für Diagnostik und Therapie