Direkt zum Inhaltsbereich

Dermatologie

Viele Melanome sind auch von Experten nicht zu erkennen

Selbst geübte Dermatologen haben Probleme, Melanome von melanozytären Nävi sicher zu unterscheiden. Das geht aus einer Studie hervor. Daher sollten auch Male mit weniger atypischem Aussehen konsequent überwacht werden.

Dr. Robert BublakVon Dr. Robert Bublak Veröffentlicht:

WIEN. Das Konzept des dysplastischen Nävus impliziert, dass atypische Hautmale ein höheres Risiko aufweisen, sich schließlich zum Melanom zu entwickeln. Für Patienten mit multiplen Nävi würde das bedeuten, dass Läsionen, die sich im Lauf des dermatologischen Follow-up zu Melanomen entwickeln, schon bei der Eingangsuntersuchung verdächtiger aussehen als benigne Nävi. Eine Studie, an der österreichische und deutsche Dermatologen beteiligt waren, stellt dieses Konzept infrage.

Die Forschergruppe um Philipp Tschandl von der Medizinischen Universität Wien hat 26 Dermatologen digitale dermatoskopische Aufnahmen von 59 Patienten mit hohem Risiko für ein Melanom vorgelegt (J Eur Acad Dermatol Venereol 2017; online 10. Januar). Je Patient waren vier Fotos der Erstuntersuchung zu beurteilen, drei davon zeigten benigne melanozytäre Nävi, eines ein (späteres) Melanom – ein Umstand, um den die beteiligten Dermatologen wussten.

Die benignen Male hatten sich in der Beobachtungszeit von median 15,4 Monaten nicht verändert, die Melanome waren entfernt und die Diagnose dermatopathologisch gesichert worden. Die Invasionstiefe hatte im Median 0,4 mm betragen (Spanne: 0,2–1,3 mm).

Im Durchschnitt erkannten die Dermatologen 24 der 59 Melanome. In der Dermatoskopie mäßig oder sehr erfahrene Hautärzte (1–5 Jahre beziehungsweise > 5 Jahre Erfahrung) diagnostizierten 28, weniger erfahrene Dermatologen (< 1 Jahr dermatoskopische Erfahrung) 17 Melanome korrekt. Es gab kein Bilderquartett, das von allen Dermatologen korrekt beurteilt worden wäre. Und drei Sätze von Bildern wurden von niemandem richtig bewertet.

Der Atypiegrad auf einer Skala von 0 (keine Atypie) bis 5 (schwere Atypie) erreichte bei den Melanomen einen Wert von 3,0 und bei den benignen Nävi von 2,5 (p < 0,001).

Insgesamt wurden 31 Prozent der Melanome als leicht zu diagnostizieren eingestuft, was bedeutete, dass sie im Mittel von 72 Prozent der Dermatologen aller Erfahrungsgrade richtig erkannt wurden. Bei weiteren 34 Prozent lagen nur die erfahreneren Ärzte besser als das Zufallsergebnis. Bei den übrigen Melanomen hatten auch die Experten nicht mehr richtige Diagnosen als ein Zufallstipper. Ein gutes Drittel der Melanome war also selbst für erfahrene Hautärzte nicht von benignen Nävi zu unterscheiden.

"Schon bei der Eingangsuntersuchung handelt es sich bei einem bestimmten Prozentsatz der atypischen Hautmale um Melanome, ohne dass diese klare dermatoskopische Kriterien dafür aufweisen", so Tschandl und Mitarbeiter. Sie empfehlen, bei solchen verdächtigen Läsionen ein kurzes Nachbeobachtungsintervall von drei Monaten einzuhalten.

Veränderten sie sich während dieser Zeit, sollten sie sofort exzidiert werden. Das gelte für flache Male; erhabene oder knotige Läsionen seien gar nicht erst nachzubeobachten, sondern bei Zeichen dermatoskopischer Atypie umgehend zu entfernen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Krankenkassen-Auswertung

Immer mehr Menschen erkranken an Hautkrebs

Vergleich mit Dermatologen

Melanome: KI-Diagnostik scheint verlässlich

Das könnte Sie auch interessieren
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg

BCMA-gerichtete CAR-T-Zelltherapie rückt nach vorn

Cilta-cel setzt Standards im ersten Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, Neuss, a Johnson & Johnson company
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cannabis

Cannabinoide bei Schmerzen: Wann einsetzen, wie dosieren?

Porträt

Steve Roczen: Darum ist der MFA-Beruf für Männer interessant

Lesetipps
Ein gedeckter Tisch mit Gemüse

© san_ta / Stock.adobe.com

Metaanalyse

Ist eine vegetarische oder vegane Ernährung gut für Kinder?

Alle Diabetes-Patienten gegen  Herpes zoster impfen?

© Porträt: privat | Spritze: Fiedels / stock.adobe.com

Sie fragen – Experten antworten

Alle Diabetes-Patienten gegen Herpes zoster impfen?