FSME

Vogtland jetzt FSME-Risikogebiet

Und wieder einer mehr: In Deutschland gibt es mittlerweile 142 Kreise, die als Risikogebiet für die FSME gelten. Die Experten raten dort zur Impfung.

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FSME-Vakzine: Vor allem im Süden wird der Schutz empfohlen.

FSME-Vakzine: Vor allem im Süden wird der Schutz empfohlen.

© Tobias Hase / dpa

BERLIN. Der Vogtlandkreis im Süden Sachsens ist ab sofort neues Risikogebiet für die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Damit hat Deutschland derzeit insgesamt 142 Kreise, die als Risikogebiete für FSME-Infektionen ausgewiesen sind, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Montag in Berlin mitteilte (Epid Bull 2014; 15: 121-133).

Endemisch ist die FSME vor allem im Süden der Republik: Aus Bayern und Baden-Württemberg wurden in den vergangenen Jahren mit rund 90 Prozent die meisten Erkrankungsfälle gemeldet. Mit Ausnahme von Bremen und Hamburg hat das RKI seit 2002 aus allen Bundesländern autochthone FSME-Fälle erfasst.

Während in den nördlichen Ländern und Berlin jedoch nur vereinzelte Erkrankungen aufgetreten sind, gilt Süddeutschland als Risikoregion, darunter auch etliche Kreise in Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen, Thüringen und nun auch Sachsen (Deutschlandkarte aller Risikogebiete auf www.rki.de).

Die Deklaration eines Risikogebiets gilt als Indikator für die entsprechende Prophylaxe: Menschen, die dort leben oder arbeiten, sollten sich laut STIKO gegen die FSME impfen lassen. Als beruflich exponierte Personen gelten unter anderem Forstarbeiter.

Die Ausweisung der Risikogebiete soll außerdem der Differenzialdiagnostik dienen: Ärzte sollten bei Patienten aus diesen Gebieten und mit einer entsprechenden Symptomatik auch an die Möglichkeit einer FSME denken.

Für die Ermittlung der Risikogebiete errechnen die Experten beim RKI die mittleren Fünf-Jahres-Inzidenzen auf Kreisebene. Sobald in einer dieser fortlaufend berechneten Perioden eine FSME-Inzidenz ermittelt wird, die signifikant höher ist als ein Fall je 100.000 Einwohner, wird der Kreis zum Risikogebiet.

Status des Kreises bleibt 20 Jahre erhalten

Da durch Säugetiere und Insekten übertragbare Krankheiten sich allerdings nicht an von Menschen gemachte Grenzen halten, errechnen die RKI-Experten außerdem die Inzidenzen über Kreisregionen. Damit können auch solche Kreise Risikogebiet werden, in denen zwar selbst bislang keine erhöhte Inzidenz vorliegt, die aber von ebensolchen Kreisen "umzingelt" sind und die Gefahr besteht, dass die FSME auf kurz oder lang eingeschleppt wird.

Insgesamt 33 der heutigen Risikogebiete sind bislang auf Basis dieser kreisübergreifenden Inzidenzberechnung deklariert worden. Wird ein Landkreis einmal als Risikogebiet definiert, bleibt ihm dieser Status zunächst für 20 Jahre erhalten. Hintergrund dafür ist die Befürchtung, dass die FSME auch in solchen Risikogebieten "versteckt" endemisch bleibt, selbst wenn es Jahre lang nur wenige oder gar keine Erkrankungen gibt.

Und so machen die RKI-Experten auch Ausnahmen von der Regel - etwa im bayerischen Kreis Aichach-Friedberg und im thüringischen Gera, die auch weiterhin als Risikogebiete genannt werden. In beiden Regionen lagen die Inzidenzgrenzen laut RKI über zahlreiche Perioden unter der Risikoschwelle von einer Erkrankung je 100.000 Einwohner.

Die Kreise waren 2005 beziehungsweise 2006 als Risikogebiete ausgewiesen worden und haben seitdem hohe Impfquoten gegen FSME erreicht. Bereits das könnte die gesunkenen Inzidenzen erklären, weswegen die Experten davon ausgehen müssen, dass die FSME trotzdem "unerkannt" endemisch geblieben ist.

Vice versa verzichten die Experten auch in einzelnen Fällen auf die Risikodeklaration, wenn etwa geografische Hürden gegen eine Einwanderung der FSME-tragenden Zecken sprechen. Aus vier Kreisen in Rheinland-Pfalz und der Stadt Speyer - allesamt westlich des Rheins - meldet das RKI allochthone FSME-Fälle. Da der Rhein allerdings eine natürliche Grenze für die Zecken darstellt, sehen die Experten keine Gefahr für eine Ausbreitung der FSME. (nös)

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