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Interview

Volumetrische Bildgebung ergänzt Demenz-Diagnostik

Dr. Philipp Thomann sieht die volumetrische Bildgebung als zusätzliches Diagnostikwerkzeug.

Veröffentlicht:

"Wer einen kleinen Riechkolben hat,kann trotzdemsein ganzes Leben lang demenzfrei bleiben." Dr. Philipp Thomann Oberarzt an der Klinik fürAllgemeine Psychiatrie in Heidelberg

Ärzte Zeitung: Sehen Sie aufgrund Ihrer MRT-Ergebnisse schon Auswirkungen auf die diagnostische Praxis?

Dr. Philipp Thomann: Durch die reine Vermessung von Hirnstrukturen kann man mit Sicherheit noch keine Diagnose stellen. Wir haben eine hochsignifikante Häufung von Atrophien bei Demenzkranken und leicht kognitiv beeinträchtigten Personen beobachtet. Das waren aber Gruppeneffekte, die nicht auf den Einzelfall zu beziehen sind. Außerdem existieren noch keine Referenzwerte. Wer einen kleinen Riechkolben hat, kann trotzdem sein ganzes Leben lang demenzfrei bleiben.

Ärzte Zeitung: Ein beeinträchtigter Geruchssinn wird ja auch bei anderen Nervenleiden postuliert.

Thomann: Bei Parkinson ist der beeinträchtigte Geruchssinn schon länger bekannt. Es gibt auch Hinweise darauf, dass bei Schizophrenie-Kranken Verkleinerungen im Bereich des ersten Hirnnervs vorhanden sind. Aber bei diesen Entitäten gibt die Klinik die entscheidenden Hinweise. Ein beeinträchtigter Geruchssinn per se spricht keinesfalls für den Beginn einer Alzheimer Erkrankung. Die Kardinalsymptome, also insbesondere Störungen der Merkfähigkeit und des Gedächtnisses, aber auch andere kognitive Defizite sind diagnostisch leitend.

Ärzte Zeitung: Wo sehen Sie den Stellenwert der bildgebenden Verfahren wie MRT in der Demenzdiagnostik?

Thomann: An erster Stelle steht die Klinik mit Anamnese, ausführlicher körperlicher und psychiatrischer Untersuchung. Blutentnahme und neuropsychologische Tests schließen sich an. Dann kommt die strukturelle Bildgebung - im Idealfall ein MRT. Dies ermöglicht im Klinikalltag vor allem die Abgrenzung hirnorganischer Veränderungen, die sekundär kognitive Defizite verursachen können. Die volumetrische Beurteilung des Temporallappens und des Riechkolbens könnte künftig mit einfließen. Doch dafür brauchen wir noch weitere Evidenz. Wichtige Hinweise bei der diagnostischen Abklärung können zudem hirnfunktionelle Untersuchungen wie PET und SPECT sowie eine Liquoruntersuchung liefern. (bd)

Lesen Sie dazu auch: Alzheimer-Diagnostik am Riechkolben

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