Experten-Konsens

Wann Op bei rezidivierender Rhinosinusitis?

Experten aus den USA und Kanada haben Minimalkriterien formuliert, die Erwachsene mit rezidivierender akuter Rhinosinusitis zu Op-Kandidaten machen.

Veröffentlicht: 18.01.2019, 10:22 Uhr

Von einer rezidivierenden akuten Rhinosinusitis ist auszugehen, wenn innerhalb von zwölf Monaten mindestens vier Episoden einer akuten Rhinosinusitis auftreten und die Beschwerden in den Zwischenphasen vollständig abklingen.

Die Standardtherapie besteht laut Leitlinie (HNO 2018; 66: 38–74) in der Behandlung mit nasalen Kortikosteroiden. Eine weitere Option für diese Patienten ist die chirurgische Therapie. Studien legen nahe, dass die endoskopische Nebenhöhlen-Op in der Lage ist, bei ausgewählten Patienten die Häufigkeit von Sinusitisepisoden zu reduzieren, die Lebensqualität zu verbessern und die berufliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen.

Welche erwachsenen Patienten mit rezidivierender Sinusitis für den Eingriff infrage kommen, haben HNO-Ärzte und Internisten aus Kanada und den USA einzugrenzen versucht (Laryngoscope 2018; online 3. Oktober). Die neun Experten von renommierten Universitätskliniken haben diverse Fallszenarien mit Hilfe eines Delphiverfahrens bezüglich der Eignung zur Op bewertet.

Drei Voraussetzungen

Dabei haben sie sich auf drei notwendige Voraussetzungen geeinigt:

» Weil Patienten häufig fälschlicherweise von einer Sinusitis ausgehen, zum Beispiel bei Rhinitis oder Gesichtsschmerzen, muss mindestens eine Sinusitisepisode objektiv nachgewiesen sein, per Computertomografie oder endoskopisch.

» Der zu erwartende Nutzen und die möglichen Risiken einer Intervention (zum Beispiel 0,25 Prozent schwere Komplikationen an Gehirn oder Augen) müssen mit dem Patienten besprochen werden. Letztlich ist die Präferenz des Patienten ausschlaggebend (Shared Decision Making).

» Zusätzlich sollten die Patienten eines von zwei weiteren Kriterien erfüllen: Sie müssen einen erfolglosen Behandlungsversuch mit einem topischen Steroid hinter sich haben oder sie müssen durch die Sinusitisepisoden erheblich in ihrer Produktivität eingeschränkt sein.

Die HNO-Spezialisten betonen allerdings, dass die drei Kriterien lediglich die Mindestvoraussetzungen für eine Operation darstellten. Wer die Bedingungen erfülle, müsse deswegen nicht unbedingt operiert werden.

Die Autoren der deutschen Leitlinie beurteilen die Op-Indikationen ähnlich. Als Voraussetzungen nennen sie bei nichtdringlichen Eingriffen einen adäquaten, aber ineffektiv gebliebenen medikamentösen Therapieversuch und eine umfassende ärztliche Aufklärung und Beratung.

Speziell bei der rezidivierenden akuten Rhinosinusitis stellt demnach ein „durch Bildgebung und/oder Endoskopie zu vermutendes Defizit der regulären Ventilation und Drainage“ eine Indikation zum operativen Eingriff dar. (bs)

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