Kalzium-Stoffwechsel

Warum TRPV6 Pankreatitis-Forscher interessiert

In der Forschung zu chronischer Pankreatitis werden jetzt Kalziumkanäle sowie Proteine, die im Kalziumstoffwechsel relevant sind, interessant.

Veröffentlicht: 16.06.2020, 16:55 Uhr
Warum TRPV6 Pankreatitis-Forscher interessiert

Das Pankreas und Entzündungsprozesse in diesem Organ: Vieles ist hier noch nicht erforscht.

© Springer Medizin Verlag GmbH

München. An der Entstehung einer chronischen Pankreatitis sind Mutationen in einem Ionenkanal in der Zellmembran beteiligt, der eine spezifische Durchlässigkeit für Kalziumionen besitzt, meldet die TU München (TUM).

Forscher der TUM zusammen mit weiteren Gruppen aus Deutschland, Japan und Frankreich hätten bei europäischen und japanischen Patienten mit nicht-alkoholischer chronischer Pankreatitis entdeckt, dass Gendefekte, die die Funktion des Kalziumkanals TRPV6 stark beeinträchtigen, eine früh einsetzende chronische Pankreatitis verursachen (Gastroenterology. 2020; online 10. Januar).

Der Hauptfokus der bisherigen Forschung habe auf den Azinuszellen des Pankreas gelegen, die ja die Verdauungsenzyme herstellen, erinnert die TUM. Bei vielen Erkrankten mit erblich bedingter Pankreatitis hätten sich Mutationen in Verdauungsenzymen oder in Molekülen feststellen lassen, welche die Wirkung dieser Enzyme hemmen.

Gangzellen werden jetzt in der Pathogenese berücksichtigt

„Mit der Identifikation von Veränderungen des Kalziumkanals werden nun auch die Gangzellen im Konzept der Krankheitsentstehung berücksichtigt“, wird Heiko Witt zitiert. Witt ist Professor für Pädiatrische Ernährungsmedizin am Else Kröner-Fresenius Zentrum (EKFZ) der TUM und einer der beiden Studienleiter. Gangzellen kleiden die Kanäle aus, welche die Verdauungsenzyme vom Produktionsort in den Darm leiten.

Im Mausmodell konnten die Wissenschaftler zeigen, dass ein Fehlen des betreffenden Gens meist mit einer Entzündung sowie der Entwicklung einer bindegewebigen Umwandlung des Pankreas einhergeht, wie es typisch für chronische Entzündungen ist.

Neuer Ansatz für Therapien

Die Entdeckung, dass die gestörte Funktion eines Kalziumkanals zur Entwicklung einer Pankreatitis beiträgt, biete einen neuen Angriffspunkt für therapeutische Interventionen, so die TUM in ihrer Mitteilung. Die Forschungsergebnisse würden zudem Eingang in die genetische Routinediagnostik der erblichen Pankreatitis finden.

Darüber hinaus eröffne sich ein neues Forschungsfeld in der Ursachenforschung der Pankreatitis – weg von den Azinuszellen und den Verdauungsenzymen hin zu Gangzellen und Kanälen beziehungsweise zum Kalziumstoffwechsel.

Mit der Identifikation von Mutationen eines Kalziumkanals als krankheits(mit)verursachender Faktor rückten andere Kalziumkanäle sowie Proteine, die in dem Kalziumstoffwechsel relevant sind, in den Fokus des wissenschaftlichen Interesses. „Derzeit untersuchen wir diese Gene auf Erbveränderungen in einem großen europäischen Patientenkollektiv von über 1100 Betroffenen“, so Witt in der Mitteilung der TUM. (eb)

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