Was für die Influenzaimpfung bei Schwangeren spricht

Es gibt etliche gute Gründe für den Grippeschutz von Schwangeren. Erkranken Schwangere an Influenza, verläuft diese schwerer: Sie haben mehr Pneumonien und kardiovaskuläre Ereignisse.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:
Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung für gesunde Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei Grundleiden ab dem 1. Trimenon.

Die STIKO empfiehlt die Influenza-Impfung für gesunde Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei Grundleiden ab dem 1. Trimenon.

© Africa Studio / stock.adobe.com

Berlin. Schwangere vor einer Influenza zu schützen ist besonders wichtig. Denn in der Schwangerschaft kommt es zu physiologischen Veränderungen an Herz und Lunge, erinnert Dr. Michael Wojcinski, niedergelassener Gynäkologe aus Garmisch-Partenkirchen.

So erhöhten sich Herzfrequenz und Förderleistung, der Sauerstoffverbrauch nehme zu, das Lungenvolumen ab. Das verstärke die Symptome bei akuten Atemwegserkrankungen und trage zur Verschlechterung des Allgemeinzustands bei. Erkranken Schwangere an einer Influenza, liege deren Hospitalisierungsrate bei 27 Prozent – bei Nicht-Schwangeren bei 4 Prozent (Epid Bull 31/2010).

Hohe Risiken auch für das Neugeborene

Auch die Rate kardiovaskulärer Ereignissen steige, ebenso das Risiko einer Früh- oder Fehlgeburt, so der Gynäkologe. So liege etwa die Überlebensrate des Embryos im 1. Trimenon um zehn Prozent niedriger. In den USA gelten zwölf Prozent aller Todesfälle in der Schwangerschaft als influenza-bedingt, sagte Wojcinski bei einer von Sanofi Pasteur unterstützten Online-Fortbildung.

Eine Influenza-Impfung während der Schwangerschaft wird seit 2010 empfohlen, um das Neugeborene zu schützen.

Dr. Michael Wojcinski, Garmisch-Partenkirchen

Auch für das Neugeborene birgt eine Influenza hohe Risiken. So muss etwa jedes zweite Neugeborene, das binnen der ersten drei Lebensmonate an Influenza erkrankt, wegen einer schweren generalisierten Erkrankung bis hin zur Enzephalitis in einer Klinik behandelt werden (Pediatr Infect Dis J 2010;29(1):6-9).

Vor jeder Schwangerschaft sollte daher der allgemeine Impfschutz vervollständigt werden, inklusive der Influenza-Impfung, plädierte Wojcinski. Eine Influenza-Impfung während der Schwangerschaft wird seit 2010 empfohlen, um das Neugeborene zu schützen.

Nur jede zweite Schwangere wird geimpft

Die STIKO-Empfehlung zur Influenza-Impfung gilt für gesunde Schwangere ab dem 2. Trimenon, bei Grundleiden ab dem 1. Trimenon. In den USA und 15 anderen europäischen Staaten heiße es, die Influenza-Impfung könne zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft, so Wojcinski. Seit diesem Jahr werde Schwangeren zudem eine Pertussis-Impfung empfohlen – zu Beginn des 3. Trimenons,

Die Antikörper der Mutter werden bekanntlich über die Plazenta auf den Embryo übertragen. So entstehe ein zeitlich begrenzter Nestschutz, erinnerte Wojcinski. Da aktuell aber nur jede zweite Schwangere gegen Influenza geimpft werde, sollten sowohl Verwandte als auch der Freundes- und Bekanntenkreis mit Kontakt zum Neugeborenen geimpft werden. Hierzu liege sogar ein GBA-Beschluss vor.

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