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Adipositas-Chirurgie

Weniger Leckagen durch dicke Bougies?

Die Verwendung von Bougies über 40 French geht bei der Sleeve-Gastrektomie in der Adipositas-Chirurgie möglicherweise mit weniger Leckagen einher.

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Für den Magen wird es ernst.

Für den Magen wird es ernst.

© Waltraud Grubitzsch / dpa

NEW YORK. Leckagen bei einer laparoskopischen Schlauchmagenbildung (Sleeve-Gastrektomie) lassen sich möglicherweise dadurch reduzieren, dass Bougie-Größen über 40 French verwendet werden.

In einer US-Metaanalyse zumindest war das Risiko für Leckagen signifikant niedriger im Vergleich zu Operationen, in denen dünnere Dilatatoren verwendet wurden. Eine Klammernahtverstärkung hatte keinen Einfluss auf die Leckagerate.

Anhand der Auswertung von retrospektiven und prospektiven Studien versuchten die Chirurgen herauszufinden, welche Strategien helfen können, die Rate an Leckagen nach einer Schlauchmagenbildung zu senken (Ann Surg 2013; 257(2): 231).

Von insgesamt mehr als 3000 wissenschaftlichen Publikationen standen ihnen letztlich nur noch 112 Studien mit fast 10.000 Patienten für die Metaanalyse zur Verfügung. Davon waren die meisten - nämlich 73 - retrospektiv angelegt, die übrigen prospektiv.

Da es keine einheitliche Bezeichnung gab, werteten die Ärzte Begriffe wie Abszess, Versagen der Klammernaht, infektiöse perigastrische Hämatome und gastro-gastrische Fistelbildung als Umschreibung für eine Leckage.

Im Mittel waren die Patienten 41 (± 4 Jahre) alt und hatten einen BMI von 48,1 ± 7 kg/m2 (31 bis 68,8). Insgesamt 198 Leckagen bei knapp 9000 Patienten wurden dokumentiert, das entspricht einer Inzidenz von 2,2 Prozent.

Einzig beim Parameter Bougie-Größe gab es aufgrund der statistischen Berechnung mithilfe einer speziellen Modellrechnung einen signifikanten Unterschied im Zusammenhang mit der Rate an Leckagen.

US-Kollegen empfehlen 40-French-Bougies

Die Odds Ratio (OR) lag bei der Verwendung von Bougies-Dilatatoren mit einem Durchmesser von mindestens 40 French - also etwa 13,4 mm - bei 0,53 (95-CI zwischen 0,37 und 0,77; p = 0,0009). Das wird durch Ergebnisse einer Studie aus dem vergangenen Jahr bestätigt.

Ob dünnere oder dickere Dilatatoren verwendet wurden, hatte bei Berücksichtigung des BMI allerdings keinen Effekt auf die erreichte Gewichtsabnahme nach 36 Monaten, auch wenn bei Verwendung dünnerer Bougies die Patienten im ersten halben Jahr nach der Op rascher abnahmen.

Die Ärzte berücksichtigten auch den Parameter Klammernahtverstärkung durch resorbierbare und nicht resorbierbare Materialien, konnten aber keinen statistischen Unterschied bei den Leckageraten erkennen.

Das galt auch für den Aspekt, wie weit vom Pylorus entfernt die Resektion begonnen wurde. Und das wiederum hatte - beim Vergleich der Distanzen über und unter fünf cm - ebenfalls keinen Einfluss darauf, wie stark die Patienten drei Jahre nach dem Eingriff abgenommen hatten.

Auch aufgrund der vielen Parameter, die im Zusammenhang mit der Einschätzung des Leckagerisikos zu berücksichtigen sind, sei eine randomisierte kontrollierte Studie mit ausreichender statistischer Aussagekraft aufwendig, gestehen die Ärzte.

Sie gehen davon aus, dass eine solche Studie mehr als 10.000 Patienten erfordert, die sich einer laparoskopischen Sleeve-Gastrektomie unterziehen, mit knapp 5300 Patienten in jedem Studienarm.

Um erkennen zu können, ob es bei der langfristigen Gewichtsreduktion tatsächlich einen Unterschied zwischen der Anwendung verschiedener Bougie-Größen gibt, seien Langzeitstudien deutlich länger als drei Jahre erforderlich.

Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen geben die Chirurgen um Dr. Manish Parikh von der School of Medicine in New York trotz aller Unwägbarkeiten Empfehlungen ab.

Für sie sei Teil einer idealen Sleeve-Technik die Verwendung von 40-French-Bougies, ein Resektionsbeginn im Abstand vom Pylorus von mindestens fünf cm und die Verwendung von resorbierbarem Klammernahtmaterial. (ple)

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