Zu viel Zink

Wer denkt da an Kupfermangel als Folge?

Bei einer Supplementation von Zink wird häufig die Gefahr einer Überdosierung des Spurenelements unterschätzt. Das kann zu Kupfermangel und dessen Folgen führen, wie eine britische Untersuchung zeigt.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht:
Zink-Tabletten: Viele Präparate enthalten größere Mengen des Spurenelementes, als für die tägliche Aufnahme empfohlen werden.

Zink-Tabletten: Viele Präparate enthalten größere Mengen des Spurenelementes, als für die tägliche Aufnahme empfohlen werden.

© JcJg Photography / fotolia.com

GLASGOW. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt täglich die Aufnahme von 7 mg (Frauen) und 10 mg Zink (Männer). Viele Zinkpräparate enthalten jedoch pro Kapsel oder Tablette bereits größere Mengen des Spurenelementes.

In einer britischen Untersuchung mit den Befunden von 52 Patienten waren sogar zwei Drittel von ihnen wegen Zinkmangels Präparate mit Zinksulfat verschrieben worden, mit denen eine Dosis von mindestens 135 mg täglich erreicht wurde.

Unter anderem Ernährungswissenschaftler um Dr. Andrew Duncan vom Glasgow Royal Infirmary überprüften in ihrer Studie, wie häufig es vorkommt, dass der Zinkmangel Folge etwa einer systemischen Entzündungsreaktion ist, und ob Kupfermangel bei Patienten mit Supplementation von Zink auftritt (J Clin Pathol 2015; online 17. Juni).

Zinkspiegel häufig nicht bestimmt

Für die Untersuchung haben die Wissenschaftler Daten von Patienten analysiert, die zwischen 2000 und 2010 in zwei Kliniken in Glasgow stationär aufgenommen worden waren. Von ursprünglich 88 Patienten ließen sich die Befunde von 70 Patienten für die Studie nutzen.

Allerdings standen nur von 52 Patienten die Angaben zur Dosierung von Zink - fast ausnahmslos als Zinksulfat - zur Verfügung. Bei 29 Patienten war unklar, warum sie Zink verschrieben bekommen hatten. Bei den übrigen waren Zinkmangel (43 Prozent) und dermatologische Indikationen (38 Prozent) wie Druckgeschwüre die häufigsten Gründe.

Der Zinkspiegel war vor der Verschreibung des Präparates nicht bei allen bestimmt worden, sondern nur bei 43 der 70 Studienteilnehmer (61 Prozent).

Als verringert galt der Zinkspiegel bei einem Wert für das C-reaktive Protein von mehr als 20 mg/l als Hinweis auf einen systemischen Entzündungsprozess und bei einem Albuminwert unter 25 g/l. Albumin transportiert etwa 70 Prozent des Zinks.

Tatsächlich war in der Studie der Zinkspiegel nur bei 37 Patienten erniedrigt. Bei 28 von ihnen wurden dafür eher sekundäre Ursachen wie eine systemische Entzündung oder eine Hypoalbuminurie angenommen als ein primärer Zinkmangel.

22 Patienten hatten tatsächlich eine systemische Entzündungsreaktion mit einem durchschnittlichen CRP-Wert von 84 mg/l. Fünf Patienten hatten eine Hypoalbuminämie (25 g/l und weniger). Bei neun Patienten lag weder das eine noch das andere vor.

Dass bei einer Überdosierung von Zink ein Kupfermangel die Folge sein kann, kam den behandelnden Hausärzten offenbar nur selten in den Sinn. Denn nur bei zwei Studienteilnehmern wurden die Kupferspiegel tatsächlich gemessen.

In beiden Fällen waren die Werte mit 3,2 und 7,0 μmol/l erniedrigt. Als untere Referenzwerte geben die Wissenschaftler 10,0 μmol/l bei Männern und 10,7 μmol/l bei Frauen an.

Typischerweise stehen Anämie, Neutropenie und/oder neurologische Symptome im Zusammenhang mit einem Kupfermangel. Bei insgesamt 13 Patienten wurden diese Veränderungen tatsächlich diagnostiziert.

Supplementations-Dauer oft unklar

Duncan und seine Kollegen weisen darauf hin, dass mit 94 Prozent bei fast allen Patienten weitere Angaben zur Zink-Supplementation fehlten, sodass unklar ist, wie lange die Patienten im Einzelnen das Spurenelement eingenommen hatten.

Letztlich wurde in der Studie bei 76 Prozent der Patienten fälschlicherweise von einem Zinkmangel ausgegangen, obwohl es sich um sekundär durch eine Hypoalbuminämie oder eine systemische Entzündungsreaktion entstandene niedrige Zinkspiegel handelte.

Die Wissenschaftler erinnern daran, dass zwar nach einem elektiven chirurgischen Eingriff die Zinkkonzentration im Plasma rapide sinke, sich aber innerhalb von etwa einer Woche wieder erhole, sobald die systemischen Entzündungsreaktionen verschwunden seien.

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