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HINTERGRUND

Wie der koreanische Stammzellforscher Hwang vom Wissenschafts-Thron gestoßen wurde

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Von Peter Leiner

Noch in dieser Woche will die Nationale Universität von Seoul ihren Abschlußbericht zum Klon- und Stammzellforscher Dr. Woo Suk Hwang vorlegen. Dem Tiermediziner wird, wie berichtet, vorgeworfen, alle in einer Publikation in "Science" im Frühjahr 2005 veröffentlichen Daten im Zusammenhang mit dem Herstellen patienteneigener Stammzellen durch Klonen gefälscht zu haben.

Solche Zellen sollen eines Tages für eine Zelltherapie etwa bei Diabetes mellitus genutzt werden. Wie die US-Fachzeitschrift jetzt zudem bekannt gegeben hat, sind alle 25 Ko-Autoren dieser Publikation (Science 308, 2005, 1777), die am 19. Mai zuerst im Internet veröffentlicht worden war, damit einverstanden, daß sie zurückgezogen wird. Damit hätte einer der größten Forschungsskandale ein vorläufiges Ende.

Erste Zweifel an der Klon- und Stammzellpublikation kamen auf, als Mitte November 2005 in der südkoreanischen Presse berichtet wurde, daß Frauen für die Spende von Oozyten, die für das Klonen benötigt werden, - anders als in der Publikation behauptet - bezahlt worden seien.

Auf dies Unregelmäßigkeit hingewiesen wurde "Science" auch von Professor Gerald Schatten aus Pittsburgh in Pennsylvania, Ko-Autor der Publikation und gewissermaßen ihr westliches Aushängeschild, weil er ihr einziger nichtkoreanischer Autor ist.

Nur scheibchenweise kamen dann Ungereimtheiten der Publikation ans Licht. Anfang Dezember informierte Hwang "Science" darüber, daß unbeabsichtigt vier Abbildungen im Material zur Publikation mehrfach vorhanden seien. Zu diesem Zeitpunkt ging die Zeitschrift aber noch immer davon aus, daß die Unstimmigkeiten die wissenschaftliche Kernaussage der Publikation - die Beschreibung eines Verfahrens zur Herstellung patientenspezifischer embryonaler Stammzellen - nicht berührten.

Inzwischen unterrichtete Schatten die Zeitschrift, nicht mehr mit Hwang zusammenarbeiten zu wollen, und bat darum, seinen Namen von der Publikation zu streichen. Als in Südkorea Hwang und seine Arbeitsgruppe der Fälschung beschuldigt wurde, boten sich Klonforscher wie Dr. Ian Wilmut, der "Vater" des Klonschafs Dolly, in einem offenen Brief an "Science" an, die publizierten Daten zu überprüfen, um den Vorwurf der Fälschung zu entkräften - oder eben zu bestätigen.

Mitte Dezember baten schließlich Hwang und Schatten die Zeitschrift telefonisch, die Publikation zurückzuziehen. "Science" besteht stets darauf, daß alle Autoren der Publikation dem Anliegen zustimmen. Inzwischen hatte die Universität Seoul begonnen, die Arbeit von 2005 sowie eine weitere Publikation von Hwang aus dem Jahr davor genauer unter die Lupe zu nehmen, und entdeckte erste Hinweise auf Manipulationen.

Einen Tag vor Weihnachten 2005 gab schließlich der Seouler Untersuchungsausschuß den Zwischenstand seiner Untersuchung bekannt: Es handele sich nicht um elf humane embryonale Stammzellen, die angeblich durch Klonen erzeugt worden seien, sondern nur um zwei Stammzellen. Ob diese tatsächlich durch Klonen entstanden sind, wird derzeit überprüft.

Hwang, der bei einem Besuch in Berlin im September 2005 noch an Deutschland appellierte, die strengen Restriktionen in dieser Forschung abzuwerfen, ist nun kein Nationalheld mehr. Und aus seinen Plänen, so schnell wie möglich embryonale Stammzellen von 100 Patienten mit jeweils einer von 20 Krankheiten durch Klonen zu erzeugen, wird nun nichts.

Hwang hat nicht, wie erhofft, die Stammzellforschung für die Therapie vorangebracht. Offenbar ist es somit der Arbeitsgruppe um Dr. Miodrag Stojkovic von der Universität Newcastle in Großbritannien bisher als einziger gelungen, überhaupt einen Menschen-Embryo - wie berichtet - durch Klonen herzustellen.

Lesen Sie dazu auch den Gastkommentar: Vertrauensverlust muß verhindert werden!

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