Wie gut kann Antidepressivum auch Schmerzen lindern?

BERLIN (gvg). Klagen depressive Patienten auch über Schmerzen, sind sie häufiger arbeitsunfähig und verursachen mehr Kosten als Depressive ohne Schmerzen. Mit einer großen Anwendungsbeobachtung soll nun geklärt werden, wie gut sich mit dem Antidepressivum Duloxetin die Schmerzen lindern lassen und wie sich das auf den Therapieerfolg auswirkt.

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In Studien war die Zahl der Krankheitstage pro Monat bei depressiven Patienten mit Schmerzen im Mittel zwei- bis viermal so hoch wie bei rein depressiven Patienten ohne körperliche Symptome. Darauf hat Professor Jürgen Fritze von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) hingewiesen.

Auch bei den direkten Krankheitskosten durch Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und Medikamente gibt es deutliche Unterschiede. In einer Studie aus den USA bei knapp 6000 Patienten kostete ein depressiver Patient mit starken Schmerzen den Kostenträger 8500 US-Dollar pro Jahr. Bei Patienten mit Depression und leichten Schmerzen waren es 7000 US-Dollar. Lagen gar keine Schmerzen vor, betrugen die Kosten 4100 US-Dollar.

Professor Michael Linden von der Charité Berlin betonte, dass die Häufigkeit von Schmerzen nicht von der Ausprägung der depressiven Symptome abhängt. Dies gehe aus den Daten einer ersten Auswertung der PADRE*-Studie mit dem Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®) hervor, das außer antidepressiv auch schmerzlindernd wirkt.

Von 2751 Patienten mit Duloxetin-Therapie, bei denen die Basisdaten bisher ausgewertet wurden, hatten 89 Prozent nach Auffassung des behandelnden Arztes eine relevante Schmerzsymptomatik. "Diese Quote lag bei Patienten mit leichter und schwerer Depression ähnlich hoch", so Linden auf einer von Lilly und Boehringer Ingelheim unterstützten Veranstaltung in Berlin.

An der PADRE-Studie sollen 4300 Patienten teilnehmen. Sie werden ein halbes Jahr lang begleitet, um zu sehen, wie sich eine frühe Verbesserung der Schmerzsymptome durch Duloxetin auf den langfristigen Therapieerfolg auswirkt. Wissenschaftlich geplante und sorgfältig gemachte Anwendungsbeobachtungen wie die PADRE-Studie seien ein gutes Werkzeug für die Nutzen/Risiko-Bewertung eines Arzneimittels, so Linden. Voraussetzungen seien jedoch, dass ein definiertes Studienziel und ein genauer Studienplan vorliege sowie eine große, repräsentative Zahl von Patienten aufgenommen werde.

PADRE: Painful Physical Symptoms in Depressed Patients: Relation to Treatment and Outcomes

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