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Wie lassen sich Harnwegsinfekte in der Klinik vermeiden?

Jeder zehnte Patient erkrankt während eines Klinikaufenthalts an einer nosokomialen Harnwegsinfektion, wie europaweite Studien ergeben haben. Mit klinikeigenen Programmen zur Infektionskontrolle ließe sich die Zahl solcher Erkrankungen reduzieren.

Von Katharina Arnheim Veröffentlicht:
Saubere Hände sind ein Mindest-Hygienestandard in der Klinik. Dafür hat der Chirurgenverband vergangenes Jahr in einer Kampagne geworben.

Saubere Hände sind ein Mindest-Hygienestandard in der Klinik. Dafür hat der Chirurgenverband vergangenes Jahr in einer Kampagne geworben.

© Foto: dpa

STOCKHOLM. Prävalenz- und Monitoringstudien zu nosokomialen urologischen Infektionen laufen seit 2003 mit Unterstützung der European Society of Infections in Urology (EISU). Dafür wurden mittlerweile Daten von fast 20 000 Patienten erhoben, wie Professor Truls E. Bjerklund Johansen von der Uniklinik in Århus in Dänemark berichtet hat.

Die Infektionsprävalenz betrug 2003/04 in der kombinierten Analyse von Studien in europäischen und asiatischen Ländern 11 Prozent, variierte allerdings je nach Klinik stark zwischen 7 und 21 Prozent. Mittlerweile sei das EISU-Studienprogramm unter dem Namen Global Prevalence Study on Infections in Urology (GPIU) auch auf Amerika ausgeweitet worden, so Johansen auf dem Europäischen Urologiekongress in Stockholm. Asymptomatische Bakteriurien zählen nach den EISU-Daten mit 29 Prozent zu den häufigsten nosokomialen Harnwegsinfekten. An zweiter und dritter Stelle folgen Zystitis und Pyelonephritis mit 26 und 21 Prozent, danach die Urosepsis mit 12 Prozent. Der Anteil an Uroseptitiden stieg bis 2008 deutlich.

Häufigste Ursache für eine nosokomiale Harnwegsinfektion sind nach aktuellen Daten der GPIU-Studie mit 67 Prozent Blasenkatheter. Dauerkatheter sollten daher möglichst zurückhaltend verwendet werden, empfahl Johansen. In der Statistik folgen Harnwegsob-struktionen mit 50 Prozent, Klinikaufenthalte in den letzten sechs Monaten mit 40 Prozent und vorausgegangene Harnwegsinfekte mit 33 Prozent.

Programme zur Infektionskontrolle sind derzeit noch nicht in allen Kliniken Standard. Protokolle etwa zur perioperativen Prophylaxe sind jedoch ausgesprochen wichtig, könnten sie doch die Prävalenz nosokomialer Harnwegsinfekte mehr als halbieren, sagte Johansen. Häufigster Auslöser nosokomialer Harnwegsinfektionen bleibt E. coli; es folgen Pseudomonas-, Enterococcus- und Klebsiella-Spezies.

Häufigste Ursache nosokomialer Harnwegsinfekte sind Blasen- katheter.

Die Häufigkeit vom Keimen mit Resistenzen gegen üblicherweise verwendete Antibiotika hat mit 16 bis 75 Prozent eine große Schwankungsbreite. Im Allgemeinen gut bei der Resistenzsituation schneiden Deutschland, Ungarn und Russland ab. Bedenklich ist die Situation vor allem bei Enterococcus- und Pseudomonas-Spezies, bei denen über 70 Prozent der Isolate resistent sein können. Dagegen wertete Johansen die Resistenzraten bei E. coli im Allgemeinen noch als akzeptabel.

Die neuen GPIU-Studien beinhalten auch Fragen zur antibiotischen Prophylaxe. Häufig verwendet werden Fluorchinolone, Cephalosporine, Penicilline und Aminoglykoside. Wegen der teilweise hohen Resistenzraten ist jedoch anzunehmen, dass die Prophylaxe vielfach ineffektiv ausfallen wird. Johansen bezeichnete es auch als bedenklich, dass in Prophylaxe und Therapie oft dieselben Substanzen zum Einsatz kommen.

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