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Wie sinnvoll sind Handdesinfektionsmittel?

Der Rubel rollt: Drogerieketten berichten über eine steigende Nachfrage nach Produkten zur Handdesinfektion. Hygiene-Experten sind indes skeptisch.

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Desinfektionsmittel für die Hände: Für Ärzte notwendig, bei Privatperson jetzt auch immer alltäglicher.

Desinfektionsmittel für die Hände: Für Ärzte notwendig, bei Privatperson jetzt auch immer alltäglicher.

© galitskaya / stock.adobe.com

KARLSRUHE. An der Auswahl an Desinfektionsmitteln fehlt es in deutschen Drogeriefilialen nicht: Desinfektionssprays, Hygienetücher und antibakterielle Gels von mehreren Marken liegen zu Hauf in den Regalen. Viele von ihnen versprechen, "99,9 Prozent" der Bakterien abzutöten. Vor allem bei kleineren Probiergrößen greifen die Kunden gerne zu.

Beim Drogeriemarkt dm aus Karlsruhe hat man das Kaufinteresse nach Handdesinfektionsmitteln registriert. Die Drogeriekette Rossmann mit Sitz in Burgwedel bei Hannover hat ähnlich positive Erfahrungen gemacht.

Einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen zufolge ist der Umsatz von Handdesinfektionsprodukten in Deutschland zuletzt deutlich gestiegen – mit einem deutlichen Plus von 71 Prozent im Vergleich zum Zeitraum Mitte 2014 bis Mitte 2015. Doch wie sinnvoll sind die Hygieneprodukte für den Verbraucher?

"Für den Heimbedarf eines gesunden Menschen sind Desinfektionsmittel weitestgehend überflüssig", sagt der ärztliche Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, Dr. Ernst Tabori. Man werde nicht gesünder, wenn man Desinfektionsmittel benutzt.

Dem Arzt zufolge können sich Verbraucher das Geld sparen: "Das ist für die Hersteller ein gutes Geschäft."

Bundesinstitut kritisch

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht keine Notwendigkeit für die teuren Produkte. Nur in Ausnahmefällen seien sie "im Privathaushalt sinnvoll und notwendig, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu vermeiden". "Nicht das Mittel ist entscheidend, sondern die konsequente und korrekte Durchführung", sagt Tabori.

Im Klartext bedeute das, Seife und Wasser reichten für den Alltagsgebrauch aus. Tabori geht sogar einen Schritt weiter und sieht Desinfektionsmittel in bestimmten Fällen als Gefahr für die Gesundheit. "Vor allem für empfindliche Leute und Menschen mit einer Neigung zu Allergien ist die unbegründete Anwendung von Desinfektionsmitteln nicht ratsam." (dpa)

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Kommentare
Dr. Doria Zierer 18.01.201819:12 Uhr

Viel Unwissenheit über Hände-Desinfektionsmittel in Fachkreisen

In der Regel werden diese „Medizinprodukte“, nämlich Hände-Desinfektionsmittel, von Kosmetikerinnen verkauft, mit rudimentären Kenntnissen über die chemischen Bestandteile, wichtigstes Verkaufsargument: riecht gut. Das ist nun völlig verblödet, weil die vorhandenen Duftstoffe, wie Benzylester, auf der Haut unter Sonneneinstrahlung allergene Radikale bilden, die zu Hautallergien führen können. Eine gründliche Hände-Waschung mit Seife nach dem Ausgang wäscht 99,9% der Bakterien, Pilze und Viren von der Haut der Hände, ein Zusatz von 0,5% Zitronensäure neutralisiert Noro-Viren, Empfehlungen des RKI zur Hände-Desinfektion, und alles ganz preisgünstig. Bei Personen im Haushalt, die gesundheitlich geschwächt sind, ist eine zusätzliche Händedesinfektion mit einem „wirksamen“ Hände-Desinfektionsmittel durchaus sinnvoll, auf der Basis von 80% Ethanol oder einem Gemisch aus Isopropanolen. Mit diesen Desinfektionsstoffen gibt es keine Allergien! Weitere Zusätze in dem Hände-Desinfektionsmittel, wie zB Duftstoffe, Quartäre Ammoniumbasen, Harnstoff, Glyzerin, Panthenol, oder andere langkettige Alkohole sind nicht nur sinnentleert, sondern untergräbt die bakterizide und viruzide Wirksamkeit des Hände-Desinfektionsmittel, und fördert Haut-Allergien und Atemwegserkrankungen (RKI-Empfehlung). Da diese Durft/ Zusatzstoffe – ohne geringste biozide Wirkung – als Rückstand auf der Hände-Haut verbleiben - können Mikroben im Rückstand überleben.

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