Ernährungsreport

Wie und was Deutschland isst

Sie sind für weniger Zucker in Lebensmitteln, essen zu 71 Prozent täglich Obst und Gemüse und nur zu 28 Prozent jeden Tag Fleisch und Wurst – nach ihren eigenen Angaben ist die Ernährung der Deutschen durchaus gesundheitsbewusst.

Veröffentlicht: 09.01.2019, 15:36 Uhr
Wie und was Deutschland isst

Deutsches Essverhalten unter der Lupe: Der Ernährungsreport analysiert, was bei den Bundesbürgern auf den Tisch kommt.

© Markus Bormann / stock.adobe.com

BERLIN. Hauptsache, es schmeckt. Das ist 99 Prozent der Deutschen beim Essen wichtig. Aber gleich darauf folgt, dass die Ernährung auch gesund ist, sagen 91 Prozent der Bevölkerung (siehe nachfolgende Grafik).

Das sind Ergebnisse des Ernährungsreports 2019 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, den Bundesministerin Julia Klöckner am Mittwoch in Berlin vorgestellt hat.

Der Report basiert auf einer Repräsentativumfrage des Meinungsforschungsinstituts forsa unter 1000 Bundesbürgern im Oktober und November 2018. Er gibt eine freiwillige Selbstauskunft der Deutschen über ihre Essgewohnheiten wieder und misst nicht reales Konsumverhalten.

Es sei daher nicht ausgeschlossen, dass die Antworten auch sozial oder unter Gesundheitsaspekten erwünschtes Verbraucherverhalten widerspiegeln und eine Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Realität existiert, konzedierte forsa-Chef Professor Manfreds Güllner.

Laut den Ergebnissen greifen sehr viele Bundesbürger täglich zu Obst und Gemüse (71 Prozent). Milchprodukte stehen ebenfalls für die meisten (64 Prozent) auf dem täglichen Speiseplan (siehe nachfolgende Grafik).

Fleisch und Wurstwaren werden der Umfrage zufolge von 28 Prozent der Befragten täglich verzehrt. 23 Prozent lassen sich Süßigkeiten oder herzhafte Knabbereien nicht entgehen.

Weitere wichtigen Ergebnisse:

» 84 Prozent der Deutschen sind für weniger Zucker in Fertiggerichten, auch wenn sie dann weniger süß schmecken.

» Für nur 32 Prozent ist der Preis bei Lebensmitteln ausschlaggebend, in unteren Einkommensschichten sind es allerdings 50 Prozent, so Güllner.

» 40 Prozent der Deutschen kochen täglich, weitere 37 Prozent zwei bis dreimal pro Woche. Leibgerichte sind Braten Schnitzel und Gulasch (33 Prozent), gefolgt von Spaghetti, Lasagne und Spätzle (17 Prozent). Auf einem hinteren Platz landen Salate und Gemüsegerichte (10 Prozent).

» Vegetarisch ernähren sich nur sechs Prozent der Bevölkerung, der Anteil wächst allerdings.

Lebensmittelsicherheit: Vertrauen verloren

Das Vertrauen in die Sicherheit von Lebensmitteln ist im vergangenen Jahr von 77 auf 72 Prozent signifikant zurückgegangen, fünf Prozent trauen der Lebensmittelsicherheit gar nicht, 22 Prozent eher nicht.

Einen Lebensmittel-Skandal hat es aber im vergangenen Jahr nicht gegeben, der dies erklären könnte. Ursächlich sei allerdings ein genereller Vertrauensverlust in staatliche und gesellschaftliche Institutionen, der auch auf den Bereich der Ernährung abstrahle, so Güllner.

Bei der Information über Lebensmittel spielen immer noch Gespräche und Erfahrungen aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Konsumenten zu 78 Prozent eine dominante Rolle, gefolgt von Angaben der Hersteller (70 Prozent). Informationen des Staates und unabhängiger Institutionen nutzen 44 Prozent.

Vereinbarung für weniger Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten

Landwirtschaftsministerin Klöckner sieht in den Umfrageergebnissen eine Bestätigung der Nationalen Reduktions-und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz. Es komme darauf, gezielt und differenziert den Kaloriengehalt von Lebensmitteln zu reduzieren, ohne dass die geschmackliche Qualität darunter leide.

„Als Staat sollten wir daher keine Produktrezepte vorschreiben, die im Alltag zu Ladenhütern werden. Wir werden den Bürgern auch nicht vorschreiben, was sie zu essen haben“, sagte Klöckner.

Zur Strategie ihres Ministeriums gehöre es, sehr differenziert gemeinsam mit Vertretern aus der Nahrungsmittelindustrie, der Landwirtschaft, der Wissenschaft und den Verbrauchern an gesündern Lebensmitteln zu arbeiten, die sich auch an den Verbraucherpräferenzen orientieren müssten.

Als Beispiel dafür nannte sie die von ihrem Ministerium mit 1,5 Millionen Euro geförderten Entwicklung einer kalorienarmen Zuckerrübe. Die Reduktions- und Innovationsstrategie werde im Herbst 2019 auf ihre Wirksamkeit hin überprüft, kündigte Klöckner an.

In einem Punkt sieht sie allerdings gesetzgeberischen Handlungsbedarf: bei der Zuckerung von Babytees. Diese Zubereitungen sollen künftig keinen Zuckerzusatz mehr enthalten dürfen. (HL/ths)

Wir haben den Beitrag aktualisiert am 09.01.2019 um 15:06 Uhr.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Reduktion ohne Sanktionen?

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Kommentare
Iris Flöhrmann

Wunsch und Wirklichkeit

Die Umfrage mag ja repräsentativ sein, aber wie passen diese 1000 Bundesbürger zu der Gesamtbevölkerung und dem vermehrten Auftreten ernährungsabhängiger Krankheiten? Warum braucht es dann eine eine Strategie zur Reduktion von Energie, Zucker und Salz in industriell hergestellten Lebensmitteln, wenn alle doch schon so gesund essen?
Dem Einwand, dass es sich um Selbstauskunft und eventuell sozial erwünschte Antworten handelt, kann man nur zustimmen, wenn man sich regelmäßig professionell mit dem Essverhalten von Menschen beschäftigt. Dank Presse Funk und Fernsehen weiß man schon, wie man am Besten antwortet. Die regelmäßige Auswertung von Ernährungsprotokollen im Rahmen der Ernährungstherapie zeigen jedoch eine ganz andere Realität. Die passt eher mit der Aussage zusammen, dass Obst und Gemüse bei den Leibgerichten nur die hinteren Plätze belegt... Und wenn nur 28% täglich Fleisch essen, warum ist der Anteil vegetarischer Gerichte in Kantinen, Restaurants etc. so klein? Wie lassen sich die empörten Aufschreie erklären, wenn Krankenhäuser, Schulen oder Kantinen weniger und kleinere Fleischmengen anbieten wollen und generell 1x die Woche nur vegetarisch?
Wie wäre es, wenn man einfach mal Zeit und Geld investiert in gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen, die das endlich mal dauerhaft umsetzen, was tausende von Studien und Untersuchungen schon seit Jahrzehnten herausgefunden haben, und als Maßnahmen vorschlagen ?
Mahlzeitenangebote in öffentlichen Einrichtungen, die auf ernährungswissenschaftlichen Standards beruhen und mit natürlichen Lebensmitteln von geschultem Fach-Personal frisch hergestellt werden können, preislich angemessen sind und vor allem in Ruhe bei angenehmer Atmosphäre genossen. Gekoppelt mit vernünftigem und verbindlichem Haushaltunterricht für alle Schüler, der neutral über Verbraucher-, Lebensmittelrecht, gesunde Ernährung etc. informiert und praktisch erfahren lässt, wie man vernünftig einkauft und Essen zubereitet. Den Unterricht sollten dann bitte auch nur diejenigen durchführen, die über professionelle Grundausbildung in diesem Bereich verfügen und pädagogische Grundqualifikationen besitzen. Dann hätten wir vielleicht mal eine einheitlichere Linie, an der sich die Bevölkerung orientieren kann und nicht ständig zwischen selbsternannten und echten Experten, Verbraucherschützern etc. versuchen muss, zu unterscheiden und den richtigen Weg suchen. Weniger Zucker in Limonaden als gesetzliche Vorgabe schützt jedenfalls nicht vor selbsternannten Experten, die z.B. gerade die Empfehlungen der DGE, die bösen Kohlenhydrate, die Lebensmittelindustrie und Laktose verteufeln und im Gegenzug viel Obst und Kokosblütenzucker empfehlen...
Dipl.oec. troph Iris Flöhrmann, Diätassistentin

Dr. Horst Grünwoldt

Essen

Die attraktive Politikerin Julia Klöckner (CDU) wird uns jedenfalls als Landwirtschafts-Ministerin nicht vorschreiben, was wir essen sollen!
Seit mehr als 70 Jahren genießen wir Deutsche, -nach den Kriegs-Hungerjahren-, ein Nahrungs- und Speisen-Angebot, in Qualität und zu günstigen Preisen, wie noch nie zuvor in unserer Geschichte.
Seitdem ist das Problem der Volksernährung nicht der Mangel, sondern die Fehlernährung! Wie unser Negativorbild -die "Verbraucher"-Gesellschaft der USA-, essen viele von uns zu fettig und zu süß!! Und bewegen sich als Autofahrer-Nation auch noch zu wenig auf eigenen Beinen.
Wenn jetzt selbsternannte "Verbraucherschützer" uns vor zu hohem Konsum von tierischem Eiweiß warnen, und gleichzeitig ermahnen, Speisereste nicht wegzuwerfen, dann ist das zunächst "trendy" -wenn nicht blanke Zeitgeist-Ideologie.
Die individuelle Entscheidung darüber gehört natürlich zu unseren alltäglichen Grundfreiheiten, wie auch die Art, unseren Lebensmittel-Korb beim Einkauf zu füllen, zu verwerten und auch wieder zu entsorgen.

Trotz der neuzeitlichen Fachrichtungen Umwelt- und Ernährungs-"Medizin"(?), dürfte die Art und Weise unserer Ess-Kultur mit entscheidend für die Entstehung gesundheitlich relevanter Stoffwechsel-Krankheiten sein:
unkontrollierte Völlerei und "Frustfressen" bei jeder sich bietenden Gelegenheit, insbesondere auf der Straße beim Fastfood-Vertilgen; anstelle von auserwähltem und maßvollem Genießen bei Tisch, sowie der Einhaltung von "Mahlzeiten".
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock


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