Kontaktallergie

Wo Nickel im Alltag noch so steckt

Viele Menschen reagieren auf Nickel allergisch. Um die Betroffenen zu schützen, hat die Europäische Union eine Richtlinie erlassen - doch womöglich zu wenige Gegenstände im Visier, wie eine schwedische Untersuchung zeigt.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 02.06.2016, 05:02 Uhr
Eine Allergie ausgelöst durch einen Hosenknopf: Schwedische Forscher meinen, dass Nickel in mehr Alltagsdingen als gedacht steckt.

Eine Allergie ausgelöst durch einen Hosenknopf: Schwedische Forscher meinen, dass Nickel in mehr Alltagsdingen als gedacht steckt.

© CNRI / SPL / Ag. Focus

STOCKHOLM. Um die Nickelexposition ihrer Bürger und damit verbundene Kontaktallergien zu reduzieren, hat die Europäische Union 1994 eine Richtlinie (94/27/EG) erlassen.

Vollständig in Kraft getreten ist sie 2001. Gebrauchsgegenstände, die "unmittelbar und länger" mit Haut in Kontakt kommen, dürfen danach nicht mehr als 0,5 μg Nickel/ cm2/Woche freisetzen.

Als Beispiele nennt die Richtlinie Schmuck, Gehäuse und Bänder von Armbanduhren, Knöpfe, Nieten, Schnallen, Reißverschlüsse und Metallmarkierungen, sofern sie in Kleidung verwendet werden.

2014 hat die Europäische Chemikalienagentur definiert, was unter einem längeren Kontakt genau zu verstehen ist: potenziell mehr als zehn Minuten bei drei oder mehr Gelegenheiten innerhalb von zwei Wochen oder potenziell mehr als 30 Minuten bei einer oder mehr Gelegenheiten innerhalb von zwei Wochen.

Schwedische Mediziner: Deutlich mehr Alltagsgegenstände als in der Verordnung setzen Nickeln frei

Schwedische Umweltmediziner haben untersucht, welche Gegenstände des täglichen Gebrauchs, die in der Beispielsammlung der Richtlinie nicht berücksichtigt sind, ebenfalls Nickel freisetzen (Contact Dermatitis 2016, online 28. April).

Dazu gingen sie in einschlägige Läden, in denen Kurzwaren, Künstler- und Schreibbedarf, Accessoires und elektronische Geräte verkauft wurden. Dort nahmen sie Abstriche für einen Dimethylglyoximtest an den metallischen Flächen der jeweiligen Objekte vor, die mit der Haut in Berührung kommen würden.

Sicher positiv auf Nickel fiel der Test bei 62 (44 Prozent) der getesteten 141 Gegenstände aus, darunter Fingerhüte (1 von 3 getesteten positiv), Häkelnadeln (2 von 9), Stricknadeln (2 von 5), Nadeln (8 von 8), Pinsel (17 von 28), Schreibstifte (5 von 12), Laptops (13 von 13), Fitnessarmbänder (1 von 8), Computermäuse (1 von 8), Mobiltelefone (5 von 13), Handtaschen (2 von 20), Geldbörsen (2 von 10) und Regenschirme (3 von 4). Bei weiteren 13 (9 Prozent) der untersuchten Objekte, darunter vier Computermäuse, fiel der Test zweifelhaft, aber auch nicht sicher negativ aus.

Forderung: Mehr Gegenstände in EU-Verordnung aufnehmen

"Um die Sensibilisierung gegenüber Nickel in der europäischen Allgemeinbevölkerung weiter zu reduzieren, müssen mehr Artikel von der Nickelrichtlinie erfasst werden", fordern Evelina Ringborg vom Karolinska-Institut in Stockholm und ihre Mitarbeiterinnen.

Besonders irritiert zeigen sie sich von den Ergebnissen bei den elektronischen Geräten. Sie halten es für möglich, dass die relativ hohen Raten von Nickelallergien junger Menschen teilweise auf den Umgang mit solchen Geräten zurückgehen.

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Dr. med. dent. Joachim Hüttmann


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