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Woran das Stoffwechselprodukt Squalen so alles Schuld sein soll

Bekommen alle gegen die Schweinegrippe Geimpften das Golfkriegssyndrom? Werden alle Geimpften bewusst vergiftet? Ist Impfen gar Völkermord? Pamphlete, die das behaupten, kursieren im Web. Viele Leser dürften solche Serienmails schon erhalten haben.

Von Michael Hubert Veröffentlicht:

Waren nach dem Golfkrieg urangehärtete Geschosse als Ursache des Golfkriegssyndroms en vogue, ist es heute Squalen in Impfstoffen, das dafür herhalten muss. E-Mails, die auf diesen vermeintlichen Zusammenhang hinweisen, zirkulieren wie eine Pandemie, auch die "Ärzte Zeitung" blieb nicht verschont. Die Substanz, um die es hier geht - Squalen - ist ein natürliches Produkt des endogenen Cholesterinstoffwechsels. Squalen ist zudem Hauptbestandteil vieler Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel wie etwa Lebertran, Fisch- und Olivenöl. Die Menge Squalen, die in einer Dosis Pandemie-Impfstoff enthalten ist, liege nicht höher als die durchschnittliche mit der Nahrung aufgenommene Menge. Hierauf weist das Paul-Ehrlich-Institut in einer Stellungnahme hin.

Anlass für die Squalen-Golfkriegssyndrom-Rundmails ist eine 2000 publizierte Studie mit Golfkriegsveteranen. Danach sollen bei 95 Prozent von 38 Veteranen mit Golfkriegssyndrom Antikörper gegen Squalen nachweisebar gewesen sein, jedoch bei keinem von zwölf gesunden Veteranen. Selbst das ansonsten pharma- und adjuvanzkritische "arznei telegramm" schreibt in einem Blitz-AT (13. November), dass die Studie erhebliche Mängel aufweise und unklar sei, was der eingesetzte Antikörpertest misst.

In einer zweiten kleinen Studie habe die Arbeitsgruppe im Übrigen ihre Ergebnisse nicht bestätigen können. Zudem spreche gegen die Hypothese Squalen/Golfkriegssyndrom, dass der als Ursache verdächtigte Anthrax-Impfstoff gar kein Squalen enthalten habe. Auf diesen Sachverhalt hat auch die US-Arzneimittelbehörde FDA hingewiesen. Das AT fasst zusammen: "Wir sehen keine Belege dafür, dass der in dem Schweinegrippe-Impfstoff Pandemrix® enthaltene Wirkverstärker Squalen das sogenannte Golfkriegssyndrom ausgelöst hat." Das AT bleibt sich ansonsten treu und weist erneut daraufhin, dass die Sicherheit des Impfstoffs nicht hinreichend belegt sei.

Um sich selbst einen Eindruck von der Glaubwürdigkeit solcher Thesen und der dahinter stehenden Personen zu machen, ist meist eine kurze Suche mit Google hilfreich. Schnell stößt man so auf die Homepage einer der Absender der Serienmails (www.praxis-sacher.de). Dort verlinkt sind eigene und andere Publikationen, zum Thema Impfen, aber auch zu Krebserkrankungen und HIV/Aids. So kann jeder Empfänger solcher Ketten-E-Mails vor dem Weiterleiten der Thesen an Freunde, Bekannte und Kollegen überlegen, ob er dies wirklich tun möchte. Ansonsten besteht immer die Gefahr, selbst in den Dunstkreis der Thesen auf der Homepage zu geraten.

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