Wunderknolle auf Wanderschaft

Kluges, Kurioses und Kultiges rund um die weltweit verbreitete Knollenfrucht schildert die Wanderausstellung "Kartoffelwelt - Karriere einer Knolle". Die Infos zu Anbau und Genuss sind dabei mit amüsanten Details gewürzt.

Angela MisslbeckVon Angela Misslbeck Veröffentlicht:
Die Ausstellung zeigt viele in Europa unbekannte Kartoffelsorten.

Die Ausstellung zeigt viele in Europa unbekannte Kartoffelsorten.

© Foto: ami

Exotisch und exklusiv: Diese Eigenschaften würde heute wohl keiner mehr der Kartoffel zuschreiben, ist sie doch viele Tage im Jahr auf vielen Tellern der Welt zu finden. Doch nach ihrer Ankunft in Europa im 16. Jahrhundert wuchs die Kartoffel lange Zeit nur in botanischen und Gärten von Fürstenhöfen. Beliebt war sie wegen ihrer Blüte, die vielfach mit Orchideenblüten verglichen wurde. Erst im 19. Jahrhundert wurde die Knollenfrucht in Europa das Grundnahrungsmittel, das sie bis heute in vielen Teilen der Welt ist. Als "Arme-Leute-Essen" verbreitete sie sich während der Industrialisierung zügig. 1884 war Deutschland das wichtigste Land in der Kartoffelerzeugung.

Von der Kirche als Aphrodisiakum verteufelt

Auch ein Hauch Revolutionäres hängt ihr an. Denn die ersten Kartoffelbauern, die um 1650 auf deutschem Gebiet mit dem Anbau begannen, führten keine Zehnt-Steuer auf ihre Erträge ab. Die Kartoffel war wegen ihrer Unbekanntheit in den Zehntregistern nicht verzeichnet. Sogar als Teufelszeug war die Knolle verschrien. Man schrieb ihr im 18. Jahrhundert eine aphrodisierende Wirkung zu. Das gefiel den Geistlichen gar nicht.

All diesen Widrigkeiten zum Trotz hat sich die Kartoffel nicht nur auf deutschen Tischen durchgesetzt. Sie ist nach Reis, Weizen und Mais heute das viertwichtigste Nahrungsmittel weltweit. 50 Kilogramm werden pro Kopf und Jahr verbraucht. Während der Konsum in den Industriestaaten rückläufig ist, steigt er in den Entwicklungsländern. Neben der Nahrungsgrundlage gibt die Kartoffel inzwischen aber auch den Rohstoff für weitere Produkte ab. So zeigt die Ausstellung unter anderem Essbesteck und Einkaufsbeutel auf Kartoffelbasis. Kaum zu glauben, wo die Knolle überall drinsteckt: Antibiotika und Zahnpasta, Tapetenkleister und Papier, Kleb- und Kunststoffe sind nur einige Beispiele.

Ihre Stärke steckt auch in Antibiotika und Kleister

Das Geheimnis der Kartoffel ist ihre Stärke. Die Kartoffelstärke macht nicht nur satt. Sie taugt auch zur Produktion zahlreicher Materialien. Mit einem Anteil von 15 Prozent am Gewicht der Knolle ist sie der wichtigste Inhaltsstoff. Erstaunlich: Die harte Erdfrucht besteht zu 80 Prozent aus Wasser. Der Rest sind Eiweiß, Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und etwas Zucker und Fett. Die Ausstellung informiert auch über diese inneren Werte. "Mit einer 200-Gramm-Portion Pellkartoffeln können wir fast die Hälfte unseres täglichen Kalium- und Vitamin-C-Bedarfs decken", heißt es auf einer der bebilderten Informationstafeln.

Es müssen aber nicht immer Pellkartoffeln sein. Kartoffelsalate, Gnocchi, Püree, Klöße oder Kartoffelbrot gibt es in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen frisch oder vorbereitet. Und bei der Verdauung des reichhaltigen Knollenmahls hilft ein Kartoffelschnaps. Wem all diese Zubereitungs-Varianten schon zu bekannt sind, dem bleiben noch viele verschiedene Sorten zu entdecken, die den europäischen Markt erst langsam erobern.

In ihrer Heimat in den südamerikanischen Anden hat die Knolle viele Formen und Farben. Mal ist sie kugelrund und wohlgeformt, mal langgezogen, mal verzweigt. Ihre Formen standen Pate für Kultgefäße der Indios, die die Ausstellung zeigt. Von hellem Gelbgrün über Orange und leuchtendem Rot bis zu lilafarbenem Fruchtfleisch und schwarzer Schale bildet die Kartoffel das komplette Farbspektrum ab. Durchgefärbte Knollenfrüchte enthalten Anthocyane, sekundäre Pflanzenstoffe, die auch in Preiselbeeren oder Rotkohl vorkommen und als gesundheitsfördernd gelten. Und die Süßkartoffel ist gar keine Kartoffel.

Diese und weitere interessante und informative Geschichten rund um die Kartoffel erzählt die Wanderausstellung auf zahlreichen, unterhaltsamen Schautafeln und mit einigen Anschauungsobjekten in Schaukästen.

Informationen

Die Ausstellung tourt 2008 und 2009 weiter durch Deutschland (Infos: www.gtz.de/de/themen/laendliche-entwicklung/22224.htm). Außerdem sind im Internet der Katalog und Informationen rund um die Kartoffel verfügbar.

Mehr zum Thema

Krebsprävention durch Kommunikation

Zu Krebs halten sich Mythen und Irrtümer hartnäckig – Aufklärung tut not

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe

Gastrointestinale Tumoren

Magen-Darm-Krebs: Wirklich immer früher?

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe
Das könnte Sie auch interessieren
Welche Rolle spielt Zink?

© Tondone | AdobeStock

Immunsystem unterstützen:

Welche Rolle spielt Zink?

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Impf- und Zinkstatus im Blick

© Wörwag Pharma | KI-generiert

Bei Risikogruppen:

Impf- und Zinkstatus im Blick

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

© artemidovna | AdobeStock

Ernährungsfallen:

Wann die Zinkversorgung knapp werden könnte

Anzeige | Wörwag Pharma GmbH & Co. KG
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Multimodaler Ansatz zur Regeneration der Darmbarriere

© Steffen Kögler / stock.adobe.com

Reizdarmsyndrom und Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Multimodaler Ansatz zur Regeneration der Darmbarriere

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Detailansicht eines Windrades: Bringt eine ökologisch nachhaltige Geldanlage auch gute Rendite? Anleger sollten auf jeden Fall genau hinschauen.

© Himmelssturm / stock.adobe.com

Verantwortungsbewusstes Investment

„Nachhaltig – das heißt nicht, weniger Rendite bei der Geldanlage!“

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein älterer Mann muss stark husten und hält eine Hand auf seine Brust.

© Getty Images

Infektionsmanagement

Keuchhusten: Was bei der Behandlung Erwachsener wichtig ist

Junge Frau im Rollstuhl

© Julia Zavalishina / stock.adobe.com

Interview

Was eine gute Reha beim Post-COVID-Syndrom ausmacht