Neue Leitlinie für Kinder

Zöliakiediagnostik ohne Biopsie?

Die Zöliakiediagnostik bei Kindern wurde in einer aktuellen Leitlinienfassung weiter reduziert. Der Pädiater Professor Stefan Wirth, Wuppertal, erklärte, unter welchen Umständen man jetzt auf eine invasive Diagnostik verzichten kann.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 19.07.2020, 11:08 Uhr
Zöliakiediagnostik ohne Biopsie?

Bauchweh – Auch eine Zöliakie muss immer wieder einmal ausgeschlossen werden.

© somenski / stock.adobe.com

Berlin. Eine wichtige Neuerung in der Zöliakiediagnostik bei Kindern hat Professor Stefan Wirth vom Helios Universitätsklinikum Wuppertal beim Pädiatrie Update vorgestellt. Nach der soeben aktualisierten Leitlinie der ESPGHAN (European Society for Paediatric Gastroenterology, Hepatology and Nutrition) kann auf eine Duodenalbiopsie verzichtet werden, wenn folgende Voraussetzungen gegeben sind:

  • Anti-TG (Transglutaminase)-IgA mehr als zehnfach über der Normgrenze,
  • Endomysium-Antikörper (EMA)-Titer positiv in einer zweiten, getrennt abgenommenen Blutprobe.

„Wenn beides zutrifft“, so Wirth, „kann die Zöliakie als bestätigt betrachtet werden.“ Eine Bestimmung der Humanen Leukozyten-Antigene HLA DQ2 und DQ8, wie noch in der Leitlinie von 2012 gefordert, sei unter diesen Umständen nicht erforderlich, genauso wenig wie eine histologische Untersuchung (J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2020; 70(1):141-156 ). Der Grund sind die laut Wirth „sehr hohen positiven prädiktiven Werte der TGA-IgA-Antikörper“. Bei mehr als zehnfach erhöhten Titern liege dieser Wert über 99 Prozent. Eine zusätzliche HLA-Bestimmung konnte das Resultat nicht verbessern, sodass man sich in der neuen Leitlinienversion letztlich für die vereinfachte Empfehlung entschieden habe.

Eltern in die Entscheidung einbeziehen!

Ein IgA-Mangel sollte bei Zöliakieverdacht in jedem Fall durch Bestimmung des Gesamt-IgA ausgeschlossen werden. In die Entscheidung für oder wider eine diagnostische Biopsie sollten die Eltern und, sofern angemessen, auch der Patient nach entsprechender Information mit einbezogen werden.

Zwischen symptomatischen und asymptomatischen Patienten (Risikopatienten) werde diesbezüglich kein Unterschied mehr gemacht: „Beide Gruppen“, so Wirth, „unterliegen den gleichen Kriterien zur Vermeidung einer Dünndarmbiopsie!“

Das Resümee des Experten: „In klaren Fällen ist es sicherlich sinnvoll, auf die invasive Diagnostik zu verzichten.“ Dagegen solle man „im Zweifelsfall lieber eine Dünndarmbiopsie durchführen, da die Diagnose Zöliakie für eine lebenslange Diät verantwortlich ist“.

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