Zusätzliche Abendsprechstunden für psychisch Kranke

Die AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK haben mit Medi und Psychotherapeuten ein neues Versorgungsangebot geschaffen. Schneller zur Psychotherapie lautet das Ziel.

Von Jürgen Stoschek Veröffentlicht:
Engagieren sich für eine bessere Versorgung von psychisch kranken Menschen in Baden-Württemberg (v.l.): Dr. Werner Baumgärtner (Medi), Dr. Christopher Hermann (AOK), Dr. Alessandro Cavicchioli (Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung) und Rolf Wachendorf (freie Liste der Psychotherapeuten).

Engagieren sich für eine bessere Versorgung von psychisch kranken Menschen in Baden-Württemberg (v.l.): Dr. Werner Baumgärtner (Medi), Dr. Christopher Hermann (AOK), Dr. Alessandro Cavicchioli (Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung) und Rolf Wachendorf (freie Liste der Psychotherapeuten).

© Marc Gilardone

STUTTGART. Gesetzlich Krankenversicherte mit einer psychischen Erkrankung haben oftmals mit langen Wartezeiten, mit ungenauen Diagnosen und eingeschränkten Therapieangeboten zu kämpfen. Sie müssen durchschnittlich fünf Monate auf einen Psychotherapie-Platz warten.

Mit einem neuen Versorgungsangebot wollen die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK nun die Wartezeiten für ihre Versicherten verkürzen und gezieltere Behandlungen ermöglichen.

Zusammen mit Medi Baden-Württemberg und zwei Psychotherapeutenverbänden haben die beiden Kassen einen Vertrag erarbeitet, der zu einer Verbesserung der Situation führen soll.

Das Gutachterverfahren entfällt

AOK-Versicherte, die am Haus- und Facharztprogramm ihrer Kasse teilnehmen, können das neue Angebot bereits seit 1. Juli nutzen. Für die Versicherten der Bosch BKK tritt die Vereinbarung ab Oktober in Kraft.

Das neue Versorgungsangebot sei ein weiterer "wichtiger Baustein in der Welt der leitliniengesteuerten Versorgung", sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, in Stuttgart.

Mit dem Vertrag werde das Problem einer unzureichenden Zusammenarbeit zwischen Haus- und Fachärzten und der sich daraus ergebenden mangelhaften Abstimmung von Therapien gelöst. Das sonst übliche Gutachterverfahren entfalle.

Von den landesweit etwa 400 teilnehmenden Psychotherapeuten werde sichergestellt, dass Patienten mit psychischen Erkrankungen innerhalb von spätestens zwei Wochen eine Therapie erhalten, erklärte Hermann.

Anders als im KV-System gebe es in dem neuen Vertrag, der die bestehenden Haus- und Facharztverträge ergänzt, für die teilnehmenden Praxen keine Abstaffelungen und keine Mengenbegrenzungen, betonte der Vorsitzende von Medi Baden-Württemberg, Dr. Werner Baumgärtner.

Zusätzliche Abendsprechstunden

Die Praxen könnten unbürokratisch neue Therapeuten einstellen und so ihre Behandlungskapazitäten erhöhen. "Das wird auch bezahlt und das gibt den Psychotherapeuten Planungssicherheit", sagte Baumgärtner.

Mit dem schnellen Beginn einer Einzel- oder Gruppenpsychotherapie werde der Chronifizierung psychischer Erkrankungen und der Entwicklung von Spätkomplikationen entgegengewirkt, betonte Diplom-Psychologe Rolf Wachendorf, Landesvorsitzender der freien Liste der Psychotherapeuten.

Schwerkranke könnten innerhalb von drei Tagen aufgenommen werden. Außerdem gebe es zusätzliche Abendsprechstunden.

Durch die bessere Zusammenarbeit mit den Hausärzten würden neue Überweisungsstrukturen geschaffen, sagte Wachendorf.

Der neue Vertrag biete den teilnehmenden Psychotherapeuten mehr Behandlungsoptionen, da auch Verfahren eingesetzt werden können, die im KV-System nicht bezahlt werden, ergänzte Dr. Alessandro Cavicchioli, Landesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung in Baden-Württemberg.

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