Nordrhein

Ärzte-Plädoyer für Ehrenamt und Freiberuflichkeit

Nordrheins Kammer- und KV-Obere werben für Werte, für die es sich einzutreten lohnt – weil sie sie aktuell von verschiedenen Seiten bedroht sehen.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Kammer und KV Nordrhein wollen der ärztlichen Selbstverwaltung weiterhin ihren Stempel aufdrücken.

Kammer und KV Nordrhein wollen der ärztlichen Selbstverwaltung weiterhin ihren Stempel aufdrücken.

© Gina Sanders / stock.adobe.com

KÖLN. Ärzte, die sich in der Selbstverwaltung und in den Berufsverbänden engagieren, stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung, glaubt Bernd Zimmer, Vizepräsident der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo): Sie müssen Tag für Tag für die ärztliche Freiberuflichkeit eintreten und dem Nachwuchs ihre Bedeutung nahebringen.

„Wir müssen die Freiberuflichkeit auf allen Ebenen verteidigen, auf denen wir tätig sind, und junge Ärzte davon überzeugen, dass sie ein Wert ist, für den es sich einzutreten lohnt“, sagte Zimmer bei einer Benefiz-Veranstaltung anlässlich des 70. Geburtstages des Kölner Hausarztes Dr. Frieder Götz Hutterer. Hutterer engagiert sich seit Jahren in verschiedenen Gremien der ÄKNo und der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo).

Zimmer, der auch Vorsitzender des Verbandes Freier Berufe in Nordrhein-Westfalen ist, sieht von verschiedenen Seiten eine Bedrohung der Freiberuflichkeit. In der Europäischen Union gebe es Bestrebungen, den Wettbewerb durch die Zerschlagung des Selbstverwaltungs-Systems und des gekammerten Berufswesens zu erhöhen. Das wäre aus seiner Sicht kontraproduktiv, nicht nur im Gesundheitswesen. „In der Schweiz findet man unter 5000 Franken Streitwert keinen Anwalt mehr.“

Politischer Druck steigt

Auch in Deutschland nehme der politische Druck auf die ärztliche Selbstverwaltung und die Freiberuflichkeit zu. Ärzte müssten bereit sein, für beide zu kämpfen. „Sonst geht die Freiheit zugunsten der Bequemlichkeit verloren“, warnte er. Sorgen macht ihm die Frage, ob es gelingt, davon auch den Nachwuchs zu überzeugen.

Das Ehrenamt sei das Rückgrat des Gesundheitswesens, betonte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVNo, Dr. Carsten König. Die Arbeit von KVen und Kammern wäre ohne die ehrenamtliche Tätigkeit von Mitgliedern nicht vorstellbar. „Wir haben die Verpflichtung, dieses Engagement beizubehalten.“ Sonst wird der Staat diesen Part übernehmen, fürchtet er.

Mit dem Nachwuchs sieht es nach seiner Einschätzung dabei gar nicht so schlecht aus. So wolle sich jeder zweite 14-Jährige in Deutschland ehrenamtlich engagieren. „Sie wollen in der Gesellschaft mitarbeiten und ihre Motivation einbringen“, sagte König.

Engagierte Kollegen

Auch in der Ärzteschaft sieht er das Ehrenamt im Aufwind. „Ich habe das Gefühl, dass wir den Tiefpunkt hinter uns haben und sich wieder mehr Ärztinnen und Ärzte engagieren wollen.“ Bislang gebe es in Nordrhein keine Probleme, Kollegen für ehrenamtliche Tätigkeiten zu gewinnen, berichtete er. Darauf dürfe man sich aber nicht ausruhen. „Wir alle müssen uns bemühen und die jungen Kollegen überzeugen“, forderte König.

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