Sachsen

Bereitschaftsdienst-Reform geht in die Verlängerung

Erst 2021 soll der Neuzuschnitt des Bereitschaftsdienstes in Sachsen abgeschlossen sein. Der Start der Praxen an zwölf Krankenhäusern holperte etwas, verspricht aber Entlastung von Notaufnahmen. Kritik erntet die Reform auf dem Land.

Von Sven Eichstädt Veröffentlicht: 29.10.2019, 14:45 Uhr
Bitte den richtigen Eingang wählen: Bereitschaftsdienstpraxis an einem Krankenhaus.

Bitte den richtigen Eingang wählen: Bereitschaftsdienstpraxis an einem Krankenhaus.

© Holger Hollemann

Leipzig. Die Umsetzung der Reform des Bereitschaftsdienstes durch die KV Sachsen wird länger dauern als geplant.

Die Einführung der neuen Strukturen solle voraussichtlich bis Ende März 2021 abgeschlossen sein, sagte Peter Raue, Vorsitzender der Bereitschaftsdienstkommission der KV Sachsen, der „Ärzte Zeitung“.

Ursprünglich sollte die Reform bis Ende 2020 vollendet sein. Die Reform war im Herbst 2017 von der Vertreterversammlung der KV Sachsen beschlossen worden und sieht einen Fahrdienst für Hausbesuche sowie die Einrichtung von Bereitschaftsdienstpraxen an Krankenhäusern vor.

Weitere Praxen bis 2021

Im vergangenen Jahr hatte die KV die Reform in fünf Pilotregionen getestet, nun folgte im Oktober die Eröffnung von Bereitschaftsdienstpraxen an zwölf Kliniken. Die weiteren Praxen sollen nun bis 2021 eingerichtet werden.

Die Eröffnung einer solchen Praxis im Diakonissenkrankenhaus in Leipzig nahm Sylvia Krug, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, zum Anlass, um über Erfahrungen mit der Reform zu berichten.

„Es holperte am Anfang“, sagte Krug. „Mal ist die Schwester nicht zum Dienst gekommen, mal funktionierte das Computersystem nicht, mal fehlte Verbandsmaterial.“ Sie sprach von Startschwierigkeiten an den unterschiedlichen Standorten, die dort jeweils schnell behoben würden. Ziel sei es, dass „möglichst wenige Patienten mit Schnupfen in der Notfallambulanz ankommen“.

Gemeinsamer Schalter im Diakonissenkrankenhaus

Im Diakonissenkrankenhaus, einer evangelischen Klinik der Regelversorgung mit 250 Betten, wurde in der Nähe des Eingangs ein gemeinsamer Schalter für die Notfallambulanz des Krankenhauses und die Bereitschaftspraxis der KV eingerichtet.

Während der Öffnungszeiten der Praxis, am Wochenende, an Feiertagen sowie an Brückentagen von 9 bis 19 Uhr, wird an dem Schalter entschieden, ob die Patienten durch die KV oder das Klinikum betreut werden.

Robert Stöhr, leitender Oberarzt in der Notaufnahme des Diakonissenkrankenhauses, berichtete, dass in den ersten vier Tagen der Öffnung der Bereitschaftsdienstpraxis der KV, dem verlängerten Wochenende vom 3. bis zum 6. Oktober, „kein Patient, der zu Fuß ins Krankenhaus gekommen war, an die Notaufnahme vermittelt“ worden sei: Alle seien durch die KV in der Bereitschaftspraxis versorgt worden.

Stöhr nannte die Zahl von 23 000 Patienten im Vorjahr in der Notaufnahme und erhofft sich eine Entlastung durch die neue KV-Praxis.

60 Prozent mit Behandlungsbedarf

Der Notfallmediziner sprach davon, dass generell rund 60 Prozent der Patienten, die zu einer Notaufnahme kämen, Behandlungsbedarf hätten und dass die meisten Patienten an den Wochenenden nach 9 Uhr sowie nach 16 Uhr erschienen.

Bereitschaftsdienstkommissionschef Raue sagte, es sei geplant, die Öffnungszeiten von 19 auf 20 Uhr zu verlängern und zudem mittwochs und freitags von 14 bis 19 Uhr zu öffnen. Im Klinikum St. Georg, einem Krankenhaus der Schwerpunktversorgung mit 1030 Betten, wurde ebenfalls im Oktober die zweite Bereitschaftspraxis der KV in Leipzig eröffnet – mit Öffnungszeiten wie derzeit am Diakonissenkrankenhaus. Dort gibt es auch einen Kinderarzt.

Für das Universitätsklinikum Leipzig, das Maximalversorgung und 1345 Betten vorhält, sind Öffnungszeiten von 8 bis 22 Uhr an Wochenenden, Feiertagen und Brückentagen angestrebt sowie mittwochs und freitags von 14 bis 22 Uhr und montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr.

Kritik aus ländlichen Regionen Sachsens

Neben der allgemeinmedizinischen Praxis soll es weitere in der HNO-Klinik und der Augenklinik geben. Wann die Praxen in der Uniklinik eröffnet werden sollen, konnte Raue noch nicht sagen.

Er schilderte, dass Krankenhäuser in Großstädten sich häufig aufgeschlossener gegenüber den Bestrebungen der KV zeigten, bei ihnen Bereitschaftsdienstpraxen zu eröffnen. „Sie erhoffen sich dadurch Entlastungen, während Kliniken auf dem Land ihre Patienten oft selbst in ihren Notaufnahmen behandeln wollen.“

Aus ländlichen Regionen Sachsens war zuletzt Kritik laut geworden an der Bereitschaftsdienstreform: Dass die Fahrten zu den Patienten zu lang seien und Patienten deshalb zu lange auf einen Hausbesuch warten müssten.

Dazu sagte Raue, dass „beim Bereitschaftsdienst im Unterschied zum Rettungsdienst keine Hilfsfrist“ existiere und ein Patient durchaus „auch mal zwei bis drei Stunden auf einen Hausbesuch warten“ müsse.

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