Niedersachsen

Kreis Northeim startet telemedizinische Notfallversorgung

Erst im Landkreis Goslar, jetzt auch im Kreis Northeim: Niedersachsen forciert den Feldversuch mit virtuell am Einsatzort zugeschalteten „Telenotärzten“.

Christian BenekerVon Christian Beneker Veröffentlicht:
Im Einsatz für den Notfall: Im niedersächsischen Projekt „Telenotarzt“ könnte in Zukunft so manche Fahrt mit dem Notarztwagen entfallen. Notfallsanitäter nehmen stattdessen vom Patienten aus über gesicherte Datenleitungen Kontakt zu den Ärzten auf.

Im Einsatz für den Notfall: Im niedersächsischen Projekt „Telenotarzt“ könnte in Zukunft so manche Fahrt mit dem Notarztwagen entfallen. Notfallsanitäter nehmen stattdessen vom Patienten aus über gesicherte Datenleitungen Kontakt zu den Ärzten auf.

© Jörg Hüttenhölscher / stock.adobe.com

Northeim. Der Niedersächsische Landkreis Northeim hat zum 1. Juli das Projekt „Telenotarzt“ gestartet. Dabei werden die Notärzte im Einsatz bei Bedarf über gesicherte Datenleitungen mit den Notfallsanitätern beim Patienten verbunden. Lange Anfahrtswege der Notärzte können so entfallen. Damit wird sichergestellt, dass die ärztliche Expertise nur dann eingesetzt wird, wenn sie auch gebraucht wird.

Beispielsweise können Schmerzmittel durch die Notärzte per Video-Chat verordnet und vom Sanitäter angewendet werden. Acht der 20 Notärztinnen und Notärzte des Landkreises haben sich für den Tele-Einsatz fortgebildet und mit der Software vertraut gemacht, teilt der Landkreis mit.

Im Sommer sollen alle Notfallmedizinerinnen und -mediziner des Landkreises im Einsatz sein und von der Telemedizinischen Leitstelle des Landkreises aus agieren können.

Keine hohen Anlaufkosten

Wegen des Einsatzes bereits vorhandener Technik, seien keine hohen Anfangsinvestitionen in das System erforderlich, so der Landkreis. Während andere Tele-Notarztsysteme Investitionen von mehr als 30.000 Euro je Rettungswagen erforderten, müsse der Landkreis Northeim weniger als 2.000 Euro je Fahrzeug ausgeben. Zudem sei das System nicht ans Fahrzeug gebunden, sondern bereits in der Wohnung der Patienten einsetzbar.

Bereits im Frühjahr startete ein entsprechendes Projekt im Landkreis Goslar. „Die ersten Erfahrungen sind überaus positiv“, erklärt Maximilian Strache, Sprecher des Landkreises. Selbst ältere Patienten hätten das System trotz anfänglicher Skepsis sehr gut angenommen. Bei den seither weit über 1000 Einsätzen habe sich der Notarzt nur in fünf Fällen selber auf den Weg zum Patienten machen müssen.

„Und das hatte keine medizinischen Gründe“, so Strache. „In unserem weitläufigen Landkreis gibt es immer noch Stellen, wo die Internetverbindung brüchig ist und der Kontakt zwischen Notarzt und Sanitäter gestört war. Da mussten die Notärzte selber los.“

Perspektivisch landesweit

Das Pilotprojekt ist auf zwei Jahre angelegt und soll Zahlen liefern, inwieweit die Telenotärzte die Versorgung sinnvoll unterstützen können. Außerdem soll für ganz Niedersachsen exemplarisch geklärt werden, wie viele Einwohner ein tele-notfallmedizinisches Zentrum gesichert versorgen kann.

Bei gutem Erfolg könnte das System landesweit eingesetzt werden. Derzeit sind 35 Rettungs- und Notarztwagen in die Notfallbereitschaft und -versorgung für rund 270.000 Menschen eingebunden. (cben)

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