Versorgung

MVZ-Provisorium in Schleswig-Holstein eröffnet

Die Gemeinde Erfde ist die dritte Kommune in Schleswig-Holstein, die die ärztliche Versorgung über eine MVZ-Tochtergesellschaft sichert und so junge Ärzte anlocken will.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 02.04.2020, 15:14 Uhr
Volker Dolenga, Dr. Holger Hamann und Uwe Braatz (v.l.) bilden das Ärzteteam im MVZ Erfde.

Volker Dolenga, Dr. Holger Hamann und Uwe Braatz (v.l.) bilden das Ärzteteam im MVZ Erfde.

© ©Ärztegenossenschaft Nord

Erfde. Eröffnung mitten in der Corona-Pandemie: Das MVZ Erfde hat am ersten April zwar wie geplant seinen Betrieb aufgenommen – jedoch unter anderen Vorzeichen als geplant. Angestellt sind drei Ärzte, die ihre Arztsitze aus ihren Einzelpraxen in das MVZ eingebracht haben und nun auf jüngere Kollegen hoffen.

Das Corona-Virus wirkte sich zur Eröffnung gleich doppelt aus: Die offizielle Einweihung musste abgesagt werden und der erwartete Patientenandrang war nicht ganz so groß wie erwartet. „Es gab sehr viele Anrufe. Dass nicht ganz so viele Patienten wie erwartet kamen, führen wir auf die Pandemie zurück“, sagte der kommissarische Geschäftsführer des MVZ, Jan Döring von der Ärztegenossenschaft Nord, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“.

Praktizieren trotz hohen Alters

Nach der Insel Pellworm und der Gemeinde Silberstedt ist die 2000-Einwohner-Gemeinde Erfde die dritte Kommune in Schleswig-Holstein, die die ärztliche Versorgung über eine MVZ-Tochtergesellschaft sichern will. Bei diesem Modell gründen Gemeinden eine gGmbH als hundertprozentige Tochtergesellschaft. Die GmbH erwirbt die dafür erforderlichen Arztsitze und stellt Ärzte für Tätigkeit im MVZ an.

In Erfde sind dies Volker Dolenga, Dr. Holger Hamann und Uwe Braatz. Dolenga und Braatz waren zuvor in Einzelpraxen in Erfde niedergelassen, Hamann im Nachbarort Stapel. Dort bleibt eine Zweigstelle des MVZ bestehen. Alle drei hatten zuvor ohne Ergebnis nach einem Nachfolger gesucht.

Die drei Ärzte befinden sich in einem Alter, in dem viele Kollegen nicht mehr arbeiten. Sie dagegen werden nach Einbringung ihrer Sitze in das MVZ noch drei Jahre als angestellte Ärzte weiterarbeiten.

In diesem Zeitraum sucht das MVZ nach jüngeren Kollegen, auch nach Ärzten in Weiterbildung. Als Vorteile für eine Tätigkeit in diesen größeren Einheiten führte Döring die Möglichkeit von Teilzeitarbeit, das Arbeiten im Team und unter einem Dach mit anderen Gesundheitsberufen an.

Kalkulation mit defizitärem Betrieb

In Erfde bezieht das MVZ zunächst Interimsräume in einem früheren „Schlecker“-Markt. Bis 2023 soll dann ein neues Gesundheitszentrum entstanden sein, das neben den Hausärzten auch Apotheke, Physiotherapie, Sanitätshaus, Pflegedienst und weiteren Gesundheitsanbietern Platz bietet. Die entsprechende Ausschreibung für den Bau läuft derzeit. Döring kalkuliert für die ersten Jahre des MVZ-Bestehens mit einem defizitären Betrieb. Mittelfristig geht er aber davon aus, dass das Gesundheitszentrum durch Mieteinnahmen und durch die KV-Umsätze ein positives Ergebnis erzielen wird.

In der Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg stehen die Lokalpolitiker einheitlich hinter dem Modell. Nach Auskunft Dörings wurden alle für das MVZ erforderlichen Beschlüsse einstimmig gefasst.

Vorbild für das Erfder Gesundheitszentrum ist das bundesweit bekannte Modell in Büsum, das inzwischen auch wirtschaftlich erfolgreich arbeitet. Im Unterschied zu den genannten Modellen handelt es sich in Büsum allerdings um eine kommunale Eigeneinrichtung, die auch von der KV bezuschusst wurde. Weitere kommunale Eigeneinrichtungen wird die KV Schleswig-Holstein nicht mehr fördern.

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