Versorgungszentren

Niedersachsen fördert RVZ statt MVZ

Medizinische Versorgungszentren sind in Niedersachsen beliebt. Nur in ländlichen Gegenden mangelt es an Gründern. Jetzt fördert das Land den Aufbau von „Regionalen Versorgungszentren“. Drei Kommunen haben bereits profitiert.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Vor allem Hausärzte sollen mit flexiblen Stellenzuschnitten angelockt werden: Birgit Honé, Ministerin für regionale Entwicklung in Niedersachsen.

Vor allem Hausärzte sollen mit flexiblen Stellenzuschnitten angelockt werden: Birgit Honé, Ministerin für regionale Entwicklung in Niedersachsen.

© Holger Hollemann / dpa

Hannover. Mit „Regionalen Versorgungszentren“ (RVZ) in Trägerschaft der Kommunen will das Land Niedersachsen die medizinische Versorgung auf dem Land verbessern. Die Einrichtungen werden nach Angaben des niedersächsischen Ministeriums für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung neben medizinischen Versorgungszentren auch Gesundheits- und Pflegeangebote, wie Pflegestützpunkte oder Sanitätshäuser und Praxen von Physiotherapeuten oder Hebammen umfassen.

Drei Förderbescheide verschickt

Das Land fördert die Einrichtungen mit jeweils 1,2 bis 1,35 Millionen Euro. Bisher haben RVZ an drei Standorten ihre Förderbescheide erhalten: in Nordenham an der Wesermündung, in Alfeld und in der Nähe von Cuxhaven, allesamt in strukturschwachen Gebieten. In diesem Jahr gehen die RVZ in die Aufbauphase.

Vor allem Hausärztinnen und Hausärzte sollen mit flexiblen Stellenzuschnitten angelockt werden. Ziel sei es, „mindestens einen freien Arztsitz zu besetzen“, erklärte Birgit Honé (SPD), Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, in einem Interview mit dem „Niedersächsischen Ärzteblatt“. Eine Konkurrenz zu den eingesessenen Praxen sei nicht zu befürchten, so die Ministerin.

Die Ärzte in den überlaufenen Hausarztpraxen der Regionen dürften eher froh sein, dass sie von RVZ-Kollegen unterstützt werden, meint Honé. MVZ sind in Niedersachsen ein Erfolgsmodell. Nach Bayern und Nordrhein wurden in Niedersachsen nach Angaben der KV Niedersachsen (KVN) bislang die meisten MVZ zugelassen.

Niedersachsenweit arbeiten 1565 Ärzte in 247 MVZ – das sind über zehn Prozent in der ambulanten Versorgung Tätigen. Der überwiegende Teil der MVZ-Gründer im Land sind Vertragsärzte. Die 130 Gründungen machen 53 Prozent aller MVZ aus. Die Krankenhäuser folgen mit 117 MVZ (47 Prozent). Die meisten Krankenhaus-MVZ gibt es nach Bayern in Niedersachsen, teilt die KVN mit.

MVZ vor allem in den Städten

Aber: MVZ, auch wenn sie nicht von Krankenhäusern geführt werden, wurden in Niedersachsen vor allem in städtischen Gebieten gegründet, sagt KVN-Pressesprecher Detlef Haffke. Obwohl Niedersachsen besonders viele MVZ hat, haben die Einrichtungen auf dem Land geringere „Strahlkraft“, wie Haffke sagt. Zur Gründung eines MVZ auf dem Lande können sich bisher offenbar nur die wenigsten Ärzte entschließen. Darum übernehmen nun an drei Standorten in Niedersachsen die Kommunen.

Standortkriterien sind nach Angaben des Ministeriums die Verteilung über das Flächenland, freie Hausarztsitze vor Ort, „eine überdurchschnittliche demografische Herausforderung vor Ort sowie die Möglichkeit, die Versorgungszentren über den ÖPNV oder Abrufdienste verkehrlich gut einzubinden.“ Wenn sich das Konzept bewährt, solle es landesweit ausgerollt werden. Derzeit sind zwei weitere Standorte in der Planung, teilt das Ministerium auf Anfrage mit.

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