Impfpflicht?

ÖGD in Brandenburg fürchtet Imageschaden

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POTSDAM. Wer soll eine Impfpflicht umsetzen, wenn sie denn tatsächlich kommt? Diese Frage treibt den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) in Brandenburg um.

Die Brandenburger Vize-Chefin des Berufsverbands der Ärzte im ÖGD (BVÖGD) Dr. Kristina Böhm fürchtet, dass diese Aufgabe auf die Gesundheitsämter zurückfallen könnte. „Ich bin überzeugt, dass die Impfpflicht nicht auf die niedergelassenen Kinderärzte umgelegt werden kann“, sagte sie der „Ärzte Zeitung“.

Sie warnt aber davor, dass es auch für die Außenwirkung der Gesundheitsämter nachteilig wäre, wenn sie Pflichtimpfungen vornehmen müssten. Ganz abgesehen davon, sei es rein praktisch unmöglich, jemanden gegen seinen Willen zu impfen.

Windpocken in Brandenburg

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In Brandenburg ist die bundesweite Debatte um eine Impfpflicht durch einen Windpocken-Fall an einer Waldorfschule in Kleinmachnow aufgeflammt – auch wenn es bei der diskutierten Impfpflicht vor allem um die Masern-Impfung geht.

Das Gesundheitsamt Potsdam-Mittelmark hatte unter großer medialer Aufmerksamkeit 66 Schüler, die keinen vollständigen Impfschutz vorwiesen, für zehn Tage vom Schulbesuch ausgeschlossen. Auch an der Evangelischen Grundschule Kleinmachnow wurde zehn Kindern vorübergehend der Schulbesuch verwehrt.

In einer Kita in Stahnsdorf wurden zwölf Kinder vorübergehend ohne Nachweis über den Impfschutz abgewiesen. Weitere 64 Kinder wurden in einer Grundschule in Bad Belzig Ende März bis zum 7. April nach Hause geschickt.

Das Gesundheitsamt begründet die Maßnahmen mit dem Infektionsschutzgesetz und verweist auf die Gefahren, die mit Windpocken verbunden sind. Es sei zudem damit zu rechnen, dass weitere Erkrankungsfälle bekannt werden.

Eigentlich gute Durchimpfungsraten

Bis zum 3. April hat das Landesgesundheitsministerium in Brandenburg in diesem Jahr 155 Windpockenfälle registriert. Das Ministerium hat das Vorgehen des Gesundheitsamtes Potsdam-Mittelmark als gesetzlich begründet verteidigt.

Dass gerade in Brandenburg so viele Impflücken auftreten, scheint im Widerspruch zu guten Durchimpfungsraten in dem Bundesland zu stehen.

Während nach RKI-Daten mehr als 95,2 Prozent der Kinder in Brandenburg bei der Schuleingangsuntersuchung 2016 die zweite Masernimpfung erhalten hatten, wiesen nur 90,1 Prozent einen vollständigen Varizellen-Impfschutz auf.

Doch auch mit dieser Quote liegt Brandenburg gemeinsam mit Rheinland-Pfalz bundesweit an zweiter Stelle hinter Mecklenburg-Vorpommern. Die für den Herdenschutz als nötig erachteten 95 Prozent erreicht kein Bundesland. (ami)

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