Sachsen-Anhalt

Startschuss für 20 Studienanfänger aus der Landarztquote

Studienauftakt mit Sekt: Die ersten 20 Medizinstudierenden aus der Landarztquote haben in Sachsen-Anhalt mit ihrem Studium begonnen. Empfangen wurden sie von Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne und KV-Chef Dr. Burkhard John.

Von Petra Zieler Veröffentlicht:
Gwendolin Heinemann, Josefine Bernatzky und Sarah Adler (v.l.) freuen sich mit KV-Vorstand Dr. Burkhard John über die Chance, die sie mit der Landarztquote erhalten haben.

Gwendolin Heinemann, Josefine Bernatzky und Sarah Adler (v.l.) freuen sich mit KV-Vorstand Dr. Burkhard John über die Chance, die sie mit der Landarztquote erhalten haben.

© Petra Zieler

Magdeburg. Mit dem Wintersemester beginnt an Sachsen-Anhalts Unis eine neue Ära. Für die Bewerbung zum Medizinstudium zählt nicht mehr nur die Abiturnote, sondern vor allen Dingen soziale Kompetenz, berufliche Erfahrung und zu zehn Prozent auch die Note.

Jedenfalls dann, wenn sich die Bewerber verpflichten, nach Studium und Weiterbildung zehn Jahre in einer unterversorgten Region des Landes hausärztlich tätig zu sein. So hatte es der Landtag beschlossen.

„Nicht nur Einserkandidaten können gute Hausärzte werden“, zeigte sich Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Dienstag beim Empfang der 20 Medizinstudierenden überzeugt. Diese brennen darauf, endlich ihren großen Traum angehen zu können.

Da ist etwa Josefine Bernatzky, die an der Uni Halle studieren wird. „Gefühlt seit meinem zweiten Geburtstag wollte ich Ärztin werden.“ Als es 2016 mit dem Abiturdurchschnitt von 2,6 nicht reicht, wollte sie nicht aufgeben und begann eine Ausbildung zur MFA. „Als die Landarztquote kam, hat mein Chef gesagt, das ist deine Chance.“

16 „Landeskinder“ an Bord

Der Muldensteiner Hausarzt Dr. Detlef Fichtner setzt auf künftige Kollegen wie Josefine, die für den Beruf brennen. Und die sagt: „Ich habe es geschafft. Wahnsinn! Was soll jetzt noch passieren.“ 272 Frauen und Männer hatten sich auf die ersten 20Studienplätze beworben.

Knapp die Hälfte aller Bewerbungen kam aus Sachsen-Anhalt, die anderen aus dem übrigen Bundesgebiet, eine sogar aus Österreich. Den Zuschlag erhielten nach strengem Auswahlverfahren 13 Frauen und sieben Männer, darunter 16 „Landeskinder“. „Vier sind sogar Heimkehrer, die zuvor bereits in anderen Bundesländern gelernt und gearbeitet haben“, so Grimm-Benne.

Zu ihnen gehört auch Mathilde Möller, die an der Uniklinik Köln auf der Intensivstation gearbeitet hat. Auch für sie begann am Dienstag ein Weg, der, so Grimm-Benne, „von meinem Ministerium und der KV begleitet wird. Ich bin sehr froh, dass Sie in Sachsen-Anhalt einmal dort praktizieren werden, wo Hausärztinnen und -ärzte fehlen.“ Bereits heute sind 278 Hausarztstellen unbesetzt, prognostisch könnten bis 2032 weitere 260 Stellen dazu kommen.

Bestätigung für Landarztquote

„Wir brauchen Sie in Sachsen-Anhalt dringend, um Patienten in ländlichen Regionen weiterhin versorgen zu können“, sagte Sachsen-Anhalts KV-Chef Dr. Burkhard John.

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Das große Interesse zeige, dass „die Landarztquote der richtige Weg ist. Viele haben bereits in der Kranken- oder Altenpflege gearbeitet oder Praktika in Praxen und Krankenhäusern absolviert. Sie wissen, was es heißt, Patienten zu versorgen.“ 20 zusätzliche Hausärzte stehen für 20.000 bis 25.000 versorgte Patienten.

„Ein besonderer Tag“

„Heute ist ein besonderer Tag“, sagte Professor Thomas Frese, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin an der Uni Halle, wo sich jährlich 40 Studierende in die Klasse Allgemeinmedizin einschreiben. „Sie haben sich in einem harten Auswahlverfahren durchgesetzt und werden später in einem der komplexesten Fachgebiete arbeiten.“

Darauf freuen sich auch Sarah Adler, die bis dato im Rettungsdienst gearbeitet hat und damit auch künftig ein bisschen ihr monatliches Salär aufbessern möchte oder Sandra Kind. Weil es mit dem Medizinstudium nicht geklappt hatte, war die aus dem Harz stammende Kind zunächst auf Kunstgeschichte ausgewichen. Doch das war es nicht. „Ich wollte etwas Richtiges machen.“

Sie entschied sich, Assistentin in der Hausarztpraxis ihrer Mutter zu werden. „Ich habe mir überlegt, wie ich das Spektrum, beispielsweise durch Ernährungsberatung, erweitern kann. Dann kam die Landarztquote und ich hatte Glück.“

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