Multiple Sklerose

Telemedizin hat sich bei Corona bewährt

Das MS-Zentrum an der Uni Dresden greift während der Coronavirus-Pandemie verstärkt auf virtuelle Versorgungsmöglichkeiten zurück.

Von Sven Eichstädt Veröffentlicht: 22.06.2020, 15:48 Uhr
Telemedizin hat sich bei Corona bewährt

Viele MS-Patienten sind digital gut aufgestellt, so die Erfahrung der Ärzte am Uniklinikum Dresden.

© motortion / stock.adobe.com

Dresden. Das Universitätsklinikum Dresden versorgt während der Corona-Pandemie Patienten mit Multipler Sklerose (MS) verstärkt auf digitalem Weg.

„Eine große Gefahr für MS-Patienten während der Corona-Pandemie Gefahr besteht in einer Verschlechterung ihrer Versorgung“, sagt Professor Tjalf Ziemssen, Leiter des MS-Zentrums am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden. „Wir haben Patienten gesehen, die ihre symptomatischen Therapien abgebrochen hatten und die ihre Rehabilitation nicht durchführen konnten.“

Das habe zu einer „signifikanten Verschlechterung der neurologischen Befunde“ geführt. „Auch haben wir Patienten beobachtet, die aus Angst vor COVID-19 trotz signifikanter Krankheitsaktivität nicht behandelt wurden“, ergänzt Ziemssen.

„Während große Teile der Bevölkerung ja schon zu glauben scheinen, dass die COVID-19-Pandemie ausgestanden ist und bestimmte Vorsichtsmaßnahmen nicht mehr einzuhalten sind, machen wir unsere Patienten darauf aufmerksam, dass die getroffenen Maßnahmen wie Abstandsregel und Maskengebot sowie Kontaktbeschränkung weiterhin relevant sind“, erläutert der Mediziner. „Wir sehen, dass MS-Patienten das zum Glück sehr ernst nehmen.“

1000 Patienten im MS-Zentrum

Er berichtet davon, dass beim MS-Zentrum des Klinikums rund 1000 Patienten betreut würden, „von denen der Großteil durch uns primär versorgt wird“. Der überwiegende Teil der Patienten komme aus der näheren Umgebung von Dresden, „insbesondere Ostsachsen und das Erzgebirge sind gut vertreten“.

10 bis 20 Prozent der Patienten stammten aus anderen Bundesländern. „Insbesondere aus Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg haben wir Patienten, die regelmäßig zu uns kommen“, fügt Ziemssen an. „Während der Corona-Krise stellte dies ein Problem dar, da wir den Patienten jeweils eine Bescheinigung ausstellen mussten, dass sie eine Hotelübernachtung in Dresden buchen durften.“

Für März und April stellte Ziemssen fest, dass etwa fünf Prozent der Patienten ihre Termine abgesagt und weitere fünf Prozent ihre Termine verschoben hätten. „Problematisch stellte sich im März und April die Tatsache dar, dass unsere Neuroradiologen nur noch einen kleinen Teil der Kernspintomogramme durchführen konnten“, berichtet Ziemssen.

Das sei inzwischen „intensiv nachgeholt worden, sodass keine Rückstände mehr“ bestünden. „Wir haben dabei eindrückliche Fälle gesehen, dass Patienten, die ihr MRT nicht zeitnah bekommen konnten, deutliche Krankheitsaktivität aufgewiesen haben und somit auch ein Beispiel dafür sind, wie problematisch die Versorgung in dieser Zeit war.“

Digitales Patientenportal

Die digitale Versorgung gestaltet sich im MS-Zentrum des Klinikums so, dass einerseits die persönlichen Kontakte mit den Patienten bei den Konsultationen im Zentrum gepflegt würden. Andererseits würden durch Digitalisierung Prozesse für Ärzte und Patienten vereinfacht.

„Wenn Dinge wie das Anfordern von Rezepten und die Terminvereinbarung über unser digitales Patientenportal einfacher umzusetzen sind, dann wird dies damit abgewickelt“, erläutert Ziemssen. „Darüber hinaus können einfache Fragen über solche Medien mit deut-lich weniger Aufwand geklärt werden, als wenn eine persönliche Vorstellung erfolgen muss.“

Auch die Visualisierung des Therapieverlaufs und damit das Therapiemanagement würden mit Hilfe von digitalen Pools deutlich einfacher und förderten die Beteiligung des Patienten.

„Wir haben kürzlich eine Untersuchung hinsichtlich der Nutzung von modernen Medien und des Internets durch Patienten durchgeführt“, berichtet Ziemssen. Dabei sei eine sehr gute Durchdringung festgestellt worden.

„Probleme, Patienten im Heim zu kontaktieren“

„Wir hatten lediglich Probleme, Patienten in Heimen zu kontaktieren, da dort die Verfügbarkeit eines Mediums sowie des Internetanschlusses problematisch ist.“ Die Ärzte hätten bei Heimen das Pflegeteam kontaktiert, mit dem sie „ohnehin vielfach im Gespräch“ seien.

„Wir haben auch Erfahrung, bestimmte neurologische Defizite telemedizinisch festzustellen, wie wir es bereits im Schlaganfall-Netz bei uns regelmäßig durchführen“, ergänzt Ziemssen. „Einen wesentlichen Stellenwert nehmen natürlich die Anamnese des Patienten und die Besprechung des weiteren Prozederes ein, die sehr gut über die telemedizinischen Portale erfolgen kann.“

Es sei dann notwendig, dass etwa bestimmte Blutkontrollen heimatnah beim Hausarzt nachgeholt würden. „Das zeigt uns leider auch die Grenzen der Telemedizin, dass die Verabreichung von Therapien wie beispielsweise Infusionstherapien oder bestimmte Blutdiagnostik noch nicht darüber erfolgen können“, fügt Ziemssen an.

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