Pandemie und Berufsrecht

Thüringer Ärztekammer ermittelt gegen Mitglieder

Seit Beginn der Pandemie hat die Thüringer Kammer 22 Hinweise auf ein mögliches berufliches Fehlverhalten ihrer Mitglieder erhalten.

Veröffentlicht:

Erfurt. Im Zusammenhang mit der Haltung von Ärzten zur Corona-Pandemie hat die Landesärztekammer Thüringen zwei berufsrechtliche Ermittlungsverfahren gegen Mediziner eingeleitet. Gegen zwölf Ärzte sind nach Angaben einer Kammersprecherin sogenannte Vorermittlungen aufgenommen worden. Dabei werde nach Anhaltspunkten gesucht, die auf einen Berufsrechtsverstoß schließen lassen, sodass in der Folge ein berufsrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet werden könne. Seit Beginn der Pandemie vor fast einem Jahr hat die Thüringer Kammer nach eigenen Angaben 22 Hinweise auf ein mögliches berufsrechtliches Fehlverhalten von Thüringer Medizinern erhalten. In der Landesärztekammer sind 13.000 Mediziner Mitglied, rund 9400 davon stehen im Beruf (Stand Ende 2019).

Die Vorwürfe beziehen sich hauptsächlich auf die Teilnahme an Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen, die Leugnung von Gefahren durch die Pandemie, die Ausstellung von Gefälligkeitsattesten zur Befreiung von der Maskenpflicht und unkollegiales Verhalten. So hatte die Kammer im Herbst ein Berufsrechtsverfahren gegen den Thüringer AfD-Bundestagsabgeordneten und Arzt Robby Schlund eingeleitet. Dieser hatte auf einer Corona-Demonstrationim vergangenen Sommer ein Plakat getragen, auf dem der Berliner Virologe Christian Drostens in Sträflingskleidung mit der Aufschrift „Schuldig“ zu sehen ist.

In einem Fall läuft laut Kammer parallel zum Berufsrechtsverfahren ein strafrechtliches Verfahren wegen des Ausstellens falscher Maskenatteste. Bei solchen Attesten seien Ärzte laut Berufsordnung zur Sorgfalt verpflichtet, betonte die Sprecherin. Eine Pauschalausstellung der Befreiung ohne konkrete ärztliche Expertise sei unzulässig. Ärzte seien zur gewissenhaften Berufsausübung auf Basis ihrer fachlichen Qualifikation nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft verpflichtet. Im Strafgesetzbuch ist das Ausstellen unrichtiger Gesundheitszeugnisse als Straftatbestand enthalten (§ 278). (zei)

Mehr zum Thema

Aktuelles Infektionsgeschehen

Die Corona-Lage in den Städten und Landkreisen

Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe Naturmedizin

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Dr. Claudia Vollbracht

© [M] Privat; Christoph Burgstedt / Getty Images / iStock

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Appell zur adjuvanten Vitamin-C-Therapie bei Krebs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pascoe
Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

© designer491 / Getty Images / iStockphoto

Long-COVID

Mit Vitamin C gegen schwere Langzeitfolgen

Anzeige | Pascoe Naturmedizin
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Blautöne wirken beruhigend: Im Wartezimmer des Kardiologen Dr. Nils Jonas aus Heitersheim sind Bilder der Malerin Gerlinde Dettling zu sehen.

© Dr. Nils Jonas

Gemälde, Skulpturen, Siebdrucke

Die Kunst der Praxis

Quo vadis? Im Bundestag steht eine Orientierungsdebatte zum Thema allgemeine Corona-Impfpflicht an.

© Kay Nietfeld/dpa

Update

Orientierungsdebatte

Bundestag klopft das Thema allgemeine Impfpflicht ab