Politik und Verband

Unterschiedliche Wege zum Ziel mehr Amtsärzte in Bayern

Gleiche Bezahlung für gleiche Facharztqualifikationen fordern Vertreter des BVÖGD in Bayern. Landesgesundheitsminister Holetschek setzt andere Schwerpunkte.

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Gesundheitsminister Klaus Holetschek baut darauf, dass mehr junge Ärzte sich für den ÖGD begeistern, wenn sie diesen in der Ausbildung kennenlernen.

Gesundheitsminister Klaus Holetschek baut darauf, dass mehr junge Ärzte sich für den ÖGD begeistern, wenn sie diesen in der Ausbildung kennenlernen.

© Michaela Schäfer

München. „Wir brauchen ein neues Bewusstsein für den Wert und die Notwendigkeit des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für den Bevölkerungsschutz“, sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) anlässlich des 70-jährigen Bestehens des ÖGD Bayern in Nürnberg.

„Wir haben das Thema ÖGD wirklich vernachlässigt“, so der Minister. Durch die Pandemie sei seine Bedeutung in den Fokus gerückt. Bei der Modernisierung des ÖGD gehe es neben der angemessenen Vergütung der Beschäftigten auch um eine Qualitätssteigerung.

790 neue Stellen geschaffen

Er verwies auf erste Erfolge in Bayern bei der Umsetzung des Pakts für den ÖGD, den Bund und Länder im September 2020 beschlossen hatten: 237 neue Vollzeitstellen über alle Berufsgruppen des ÖGD sollten geschaffen werden – 403 neue und unbefristete Vollzeitstellen wurden es im Vorjahr, davon 258 in den staatlichen und kommunalen Gesundheitsämtern. Die Laufzeit des ÖGD-Pakts endet bisher im Jahr 2026. „Bis dahin wollen wir bayernweit 790 neue Stellen geschaffen haben“, so Holetschek.

Wo aber das Personal mittelfristig hernehmen? „Wir müssen junge Leute frühzeitig ansprechen, schon während der Ausbildung“, forderte er und ging damit auf eine zentrale Forderung des Berufsverbands ein – dieser spricht sich im Zuge der Neufassung der Approbationsordnung in Famulatur und PJ für Stationen in Gesundheitsämtern aus.

Als einen ersten Schritt sieht es der Minister an, dass über die ÖGD-Quote im Medizinstudium bislang 14 Plätze an Studierende vermittelt worden sind. Sie müssen sich verpflichten, nach dem Ende der Weiterbildung für zehn Jahre im ÖGD zu arbeiten. Einen weiteren Baustein sieht Holetschek in der Vernetzung der Universitäten über Brückenprofessuren.

BVÖGD für Tarifvertrag

Personal dürfte sich mittelfristig nur bei entsprechend attraktiven Verdienstmöglichkeiten gewinnen lassen. Holetschek ging darauf im Detail nicht ein, wohl aber Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). Es gehe um langfristige Perspektiven“, betonte er. Die Mittel aus dem Pakt würden nur kurzfristig helfen, personelle Engpässe abzubauen.

„Wir brauchen einen eigenständigen Tarifvertrag für die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD“, forderte Nießen und kritisierte gravierende Unterschiede in der Bezahlung zu Klinikärzten. „Gleiche Bezahlung für gleiche Facharztqualifikationen: Wenn wir diese nicht anbieten können, wird der ÖGD auch weiterhin im Wettbewerb um den Nachwuchs den Kürzeren ziehen“, so Nießen. (mic)

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