Steigende Eigenanteile

Viele Pflegebedürftige in Mecklenburg-Vorpommern sind finanziell überfordert

Die durchschnittliche Rente beträgt in Mecklenburg-Vorpommern 1200 Euro. Im Schnitt müssen Bewohner von Pflegeheimen aber 1400 Euro pro Monat für ihre Unterbringung aufbringen. Wie soll das gehen?

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Selbst wer für die Pflege gespart hat, ist im Ernstfall schnell überfordert. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Eigenanteile heute höher als die Durchschnittsrente.

Selbst wer für die Pflege gespart hat, ist im Ernstfall schnell überfordert. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Eigenanteile heute höher als die Durchschnittsrente.

© vegefox.com / stock.adobe.com

Schwerin. Die steigenden Eigenanteile in der Pflege belasten die Pflegebedürftigen in Mecklenburg-Vorpommern massiv und stehen mittlerweile in keinem Verhältnis mehr zur Durchschnittsrente. Die Landespolitiker sind alarmiert und fordern Lösungen auf Bundesebene. Die Opposition sieht aber auch Versäumnisse in der Landesregierung.

Im Landesdurchschnitt mussten Pflegebedürftige in Mecklenburg-Vorpommern am Stichtag erster Januar 2020 fast 1400 Euro monatlich aus eigener Tasche für die Unterbringung in einem Pflegeheim zahlen. Je nach Region und Einrichtung reicht die Spannweite von 900 bis 2000 Euro. Die durchschnittliche Rente im Nordosten beträgt aber nur rund 1200 Euro.

„Landesregierung hätte auf Deckelung drängen sollen“

Diese Zahlen von Oppositionspolitiker Torsten Koplin (Die Linke) nutzte seine Partei, um der Regierungskoalition Versäumnisse vorzuwerfen. „Zu lange ist nichts passiert und das muss sich die Landesregierung aus SPD und CDU anheften. Sie hat über Jahre zugesehen, wie sich die Eigenanteile stetig und teilweise um mehr als das Doppelte erhöhten.“

Die Landesregierung hätte nach Ansicht Koplins im Bund stärker auf eine Deckelung der Eigenanteile drängen müssen. Die gesetzliche Pflegeversicherung müsse in eine Pflegevollversicherung umgewandelt werden, aus der die pflegebedingten Kosten in vollem Umfang finanziert werden.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) verwies auf einen Beschluss der Sozialministerkonferenz von 2019 unter ihrem Vorsitz, die einen Beschlussvorschlag zur Finanzierung der Pflege gefasst hatte. Handlungsbedarf auf Bundesebene sieht sie noch immer. „Wir können nicht hinnehmen, dass immer mehr Menschen aufgrund einer eintretenden Pflegebedürftigkeit auf Sozialhilfe angewiesen sind“, sagte Drese im Schweriner Landtag.

Ministerin fordert große Reform der Pflegeversicherung

Auch sie forderte eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung. Diese müsse verhindern, dass Kostensteigerungen weiter die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen belasten. Als kurzfristige Maßnahme hält sie einen Bundeszuschuss aus Steuermitteln an den Ausgleichsfonds der sozialen Pflegeversicherung für sinnvoll.

Eine rasche Reform der Pflegeversicherung hatte auch das „Bündnis für gute Pflege“ gefordert. Der Zusammenschluss von 23 Organisationen will neben anderen Maßnahmen ebenfalls die Eigenanteile deckeln. (di)

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