Uniklinik Schleswig-Holstein

„Zukunftspakt“ stellt Weichen für die kommenden Jahre

Schleswig-Holstein greift seinem Uniklinikum finanziell massiv unter die Arme. Das Haus soll endlich den Rücken frei bekommen für seine medizinischen Aufgaben.

Veröffentlicht: 13.11.2019, 15:05 Uhr

Kiel. Ein breiter politischer Schulterschluss der Landtagsparteien in Schleswig-Holstein führt zu einer massiven finanziellen Entlastung des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Der von Regierung und Opposition getragene „Zukunftspakt“ hat einen finanziellen Umfang von rund einer Milliarde Euro.

„Der Zukunftspakt ist ein Befreiungsschlag für das UKSH, der unseren jährlich 500 000 Patienten und 14 000 Mitarbeitern Verlässlichkeit gibt“, sagte UKSH-Vorstandschef Professor Jens Scholz.

Er verweist seit Jahren auf die Folgen des hohen Alt-Schuldenstands für den Maximalversorger mit den Standorten Kiel und Lübeck. Nun sieht er genauso wie Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) die Versorgung nachhaltig sichergestellt.

Alte Verpflichtungen von 341 Millionen Euro

Das Finanzierungskonzept sieht unter anderem vor, dass das Land alte Verpflichtungen des UKSH in Höhe von rund 341 Millionen Euro übernimmt – und das Klinikum damit von den hohen Zinszahlungen entlastet. Rund 400 Millionen Euro hatte das Land für Investitionen ohnehin zugesagt. Diese Zusage bleibt auch bestehen.

Die darüber hinaus erforderlichen jährlichen Investitionen werden deutlich aufgestockt. Die derzeit 23 Millionen Euro sollen bis 2026 auf 50 Millionen Euro zulegen. Hinzu kommen Maßnahmen in Höhe von 303 Millionen Euro, die im Einzelnen noch geprüft werden sollen – unter anderem für das Eltern-Kind-Zentrum, für das Zentrum für Integrative Psychiatrie und für Infrastruktursanierung.

Das Land verzichtet zudem auf die vom UKSH zugesagte Beteiligung in Höhe von 40 Millionen Euro an den Neubaukosten von Gebäuden für Forschung und Lehre.

Die neben Karin Prien an dem Konzept beteiligten Minister Dr. Heiner Garg (Gesundheit, FDP) und Monika Heinold (Finanzen, Grüne) sprachen von einem „starken Bekenntnis des Landes zum UKSH“. Auch die Oppositionsparteien SPD und SSW tragen das Konzept mit.

Im Fokus bleibt das Personal. Der größte Arbeitgeber im Land hat zugesagt, innerhalb zweier Jahre mit einem neuen Arbeitszeitmodell in die Pilotphase gehen zu wollen. Gesundheitsminister Garg erwartet davon neue Impulse für die Arbeitsbedingungen am Uniklinikum.

Ärzte von Routineaufgaben entlasten

Unterdessen ist nach vierjähriger Bauzeit das neue UKSH am Standort Lübeck eingeweiht worden. Wie am kürzlich neu eröffneten Kieler Standort sollen die Abläufe auch im neuen Lübecker Klinikum fächerübergreifend und weitgehend digitalisiert erfolgen.

Damit sollen Ärzte und Pflegekräfte von Routineaufgaben entlastet werden. Außerdem verspricht sich das UKSH mehr Komfort für die Patienten durch digitale Services wie etwa eine Navigations-App für das Gebäude und Self-Check-Ins. Patienten können im Bett per Tablet behandlungsbezogene Fragebögen oder ein Schmerztagebuch ausfüllen.

Das Klinikpersonal wird durch Bedside-Terminals bei den Visiten unterstützt.Im neuen Gebäude wird künftig die Arbeit von 20 Kliniken, die bislang über den Campus verstreut liegen, zentralisiert. Noch in diesem Monat ziehen 13 Kliniken und die interdisziplinäre Notaufnahme bei laufendem Betrieb um.

Während der Umzugsphase werden Patienten sowohl in den alten Häusern, als auch in dem Neubau behandelt. Die Gesamtkosten für den Neubau in der Hansestadt belaufen sich auf rund 247 Millionen Euro. Es stehen 246 Patientenzimmer zur Verfügung. Im neuen Operationsbereich finden sich über 20 Säle. (di)

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