Von Pakistan nach Mainz

Arzt hilft Ärmsten und Obdachlosen

Vertrauen gewinnen - das muss der Arzt Gerhard Trabert nicht nur bei seinen Hilfseinsätzen in Pakistan oder Äthiopien. Auch bei der Versorgung von Obdachlosen in Mainz geht es nur über den vertrauensvollen Kontakt.

Von Sabine Schiner Veröffentlicht:
Professor Gerhard Trabert bei einem Hilfseinsatz in Pakistan für die Organisation Humedica.

Professor Gerhard Trabert bei einem Hilfseinsatz in Pakistan für die Organisation Humedica.

© Humedica

MAINZ. Im Thaddäusheim, einem Obdachlosenwohnheim in Mainz, kennen den Doktor alle. Das freut Professor Gerhard Trabert.

Der Arzt und Sozialpädagoge weiß, dass Menschen, die auf der Straße leben, am liebsten alles mit sich alleine ausmachen - Schmerzen auszuhalten gehört dazu. "Wenn Sie zu mir kommen, habe ich ihr Vertrauen gewonnen."

Krankheit macht arm, und Armut macht krank. "Das ist ein Teufelskreis", sagt Trabert. Er setzt sich seit 18 Jahren für Obdachlose ein. Er besucht sie mit seinem Arztmobil auf der Straße, bietet Sprechstunden an, hält Vorträge.

Die Begriffe "sozial schwach, illegal und bildungsfern" sind für ihn Unwörter, die er nie verwendet. "Wir sortieren die Menschen gerne in Schubladen ein und sprechen ihnen die Daseinsberechtigung ab."

Dagegen kämpft er. Wenn er Urlaub hat, reist er in Krisengebiete auf der ganzen Welt, um Menschen zu helfen. Er war in Haiti, Pakistan, Indonesien und kürzlich in Äthiopien, um dort Häftlinge zu behandeln.

Über den Vorschlag, doch mal Strandurlaub zu machen, kann er nur lächeln. "Es sind die Begegnungen mit den Menschen, die mir Kraft geben."

Viele ehemalige Soldaten

Trabert hat Sozialarbeit an der Hochschule RheinMain studiert, an der er heute Studenten ausbildet. Während seines Sozialdienstes in einer Klinik in Rüsselsheim war ihm aufgefallen, dass die psychosozialen Aspekte im Klinikalltag viel zu kurz kommen.

Er beschloss, Medizin zu studieren und untersuchte für seine Dissertation die gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen. "Obdachlosigkeit ist keine Krankheit", sagt Trabert.

Oft seien es biografische Brüche wie Tod, Trennung oder Verlust der Arbeit, die dazu führen, dass Menschen den Halt verlieren. Viele seiner Patienten sind auch ehemalige Fremdenlegionäre und Soldaten.

Die Menschen, um die er sich kümmert, erleben nur ganz selten ein Happy End. "Obdachlosigkeit - das ist chronischer Suizid", so Trabert.

Armut sei immer noch ein Randthema und werde von vielen Politikern ignoriert. Wer versucht zu helfen, müsse Grenzen akzeptieren und Frustrationen verkraften.

"Ehrlicher und authentischer Kontakt"

Er erzählt von einem Mann, der in einem Waldstück in einem Zelt lebte und kein Wort sprach. Trabert und seine Mitarbeiter besuchten ihn regelmäßig, brachten ihm zu essen und warme Decken.

Als es draußen immer kälter wurde, brach er sein Schweigen, ging mit Trabert ins Obdachlosenwohnheim und ließ sich helfen - bis er plötzlich verschwand. Trabert hat nie mehr etwas von ihm gehört.

"Ich bin da, wenn der Punkt kommt, an dem sie sich helfen lassen", beschreibt Trabert seine Hauptaufgabe. Warum er sich für diese Menschen einsetzt? "Man kommt sich sehr nahe, es ist ein ehrlicher und authentischer Kontakt", sagt Trabert.

Daraus schöpfe er Kraft. Ganz ähnlich sei dies auch bei seinen Auslandseinsätzen. In Äthiopien haben er und seine Kollegen für die beiden Organisationen Prison Fellowship ethiopia und Humedica im Oktober 1050 Häftlinge, Angehörige und Gefängniswärter medizinisch versorgt.

"Ambulanz ohne Grenzen" in Mainz geplant

In Mainz will er im Frühjahrsein integratives Versorgungsmodell ausbauen und eine "Ambulanz ohne Grenzen" für sozial benachteiligte Menschen aufbauen. Sechs Behandlungs- und Untersuchungsräume sind geplant.

Trabert steht in engem Kontakt mit Haus- und Fachärzten, Kliniken, Krankenkassen und Selbsthilfeeinrichtungen. "Es geht keinesfalls darum, den Kollegen die Patienten wegzunehmen", erklärt er.

Die Ambulanz soll ein niedrigschwelliges Angebot für Menschen sein, die nicht krankenversichert sind, oder für Menschen, die sich Medikamente nicht leisten können.

"Ich will kein Subsystem schaffen, sondern diese Menschen wieder ins Regelsystem zurückführen."

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