Befehlsempfänger eines verbrecherischen Systems

Sie waren keine Teufel oder Psychopathen. Aber Ärzte, die in der NS-Zeit zu Verbrechern wurden, haben sich ihre Verantwortung abnehmen lassen.

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24 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft gedenken Anfang Mai 1989 hohe Repräsentanten der Ärzteschaft der Opfer des Nationalsozialismus.

Berlin, im Mai 1989. Entsprechend einem Auftrag des 1987er Ärztetages hat die Bundesärztekammer eine Projektgruppe unter der Führung von Historikern beauftragt, die Rolle der Ärzte und der Mediziner in der Weimarer Zeit und im Nationalsozialmus aufzuarbeiten.

Erstmals in der Nachkriegsgeschichte befasst sich der Ärztetag 1989 in Berlin offiziell mit dem düstersten Kapitel der deutschen Medizin.

Aus heutiger Sicht wirken die damals dargelegten Fakten höchst unvollständig, teils verniedlichend, begleitet von schrägen Vergleichen.

So kommt der Medizinhistoriker Professor Richard Toellner aus Münster zu dem Schluss, die Ärzte hätten im Nationalsozialismus "das ganze Spektrum der Normalität in einer sozialen Gruppe" umfasst.

Anhand der Aussagen von Karl Brandt, dem Leibarzt Hitlers, der sich in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen für die Euthanasie-Aktion T4 verantworten musste, zeigt Toellner, dass Ärzte sich vom NS-Staat ihre Verantwortung hatten abnehmen lassen.

Die "Ärzte Zeitung" vom 5. Mai 1989 schreibt: "Aus den Erfahrungen der Ärzte im Dritten Reich leitete Toellner ab, Ärzte seien in der Gefahr, ihren Beruf und ihren Auftrag zu verraten."

Und weiter: "Dies sei der Fall, wenn sie sich zum Instrument machen ließen, ihre unteilbare Verantwortung abgeben, das Selbstbestimmungsrecht eines Kranken missachten und fremde oder eigene Interessen höher als das Wohl des Patienten ansiedeln."

1989 wurde ein erster Schritt unternommen, die besondere Rolle der Ärzte in der Nazidiktatur aufzuarbeiten. Die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung, aber auch die Kassenärztliche Vereinigung Berlin unter ihrem damaligen Vorsitzenden Dr. Manfred Richter-Reichhelm initiierten in der Folgezeit eine Fülle von Projekten, um Licht in die Vergangenheit zu bringen. (HL)

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