Gesellschaft

Berliner Krisendienst ist oft der letzte Rettungsanker

Immer wenn es Nacht wird in Berlin, kommen die Rastlosen nicht zur Ruhe. Dann herrscht beim im Berliner Krisendienst Hochbetrieb.

Von Daniela Noack Veröffentlicht:

BERLIN. Nachts laufen beim Berliner Krisendienstes die Drähte heiß. Am anderen Ende der Leitung: Menschen mit Angstzuständen, Selbstmordabsichten oder besorgte Angehörige. Chronisch psychisch Kranke rufen sogar regelmäßig an, wenn sie in der Nacht Panik bekommen. Dann ist oft die "Telefonberatung" des Krisendienstes gefragt.

"Wir sind auch ein Angebot für chronisch psychisch Kranke", sagt Beraterin Angela Hofmeister. Etwa die Hälfte aller Personen, die den Krisendienst kontaktieren, gehören dazu. Neben der medizinischen Betreuung durch ihren Arzt brauchen sie im Krisenfall jemanden, der ihnen zuhört, sie beruhigt und hilft, Konflikte zu klären. So kann oftmals eine Klinikeinweisung vermieden werden.

Beim Berliner Krisendienst bündeln sechs psychosoziale Träger ihre Ressourcen. "Europaweit ein einzigartiges Modell", erklärt Hofmeister. Die Hilfe wird gut angenommen: 32 560 Kontakte gab es im Jahr 2000. Im Jahr 2009 waren es schon 53 270.

Zur Hauptberatungszeit zwischen 16 und 24 Uhr können Betroffene auch zu einem der neun Standorte kommen. Von Mitternacht bis acht Uhr morgens hat ein zentraler Notdienst geöffnet: Oftmals Menschen mit Beziehungsproblemen, Arbeitslosigkeit, oder Schulden. Manche haben schon tagelang nichts mehr gegessen. Andere konnten die Wohnung nicht mehr bezahlen und stehen plötzlich auf der Straße.

Der Krisendienst mit seinen rund 250 Mitarbeitern - Sozialpädagogen, Psychologen und Psychotherapeuten - sei "eine gute Ergänzung zum Sozialpsychiatrischen Dienst", findet Wilfried Steinhauer. Er ist einer von 30 "Hintergrundärzten". Seit acht Jahren begleitet und berät er die Mitarbeiter des Dienstes. Die Krisendienstmitarbeiter vermitteln die Hilfesuchenden nach ersten Gesprächen an die Schuldner-, Paar- oder Aidsberatung weiter. "Die Vernetzung mit einer Vielzahl von anderen professionellen Einrichtungen hilft, eine erneute Krise zu vermeiden", hat Steinhauer festgestellt. Er lobt die Zusammenarbeit mit Polizei und Feuerwehr und die "Lösungsstrategien in den oft existenziellen oder gar lebensbedrohlichen Situationen".

Mitarbeiter machen im Krisenfall auch Hausbesuche oder unterstützen Angehörige nach einem Todesfall oder einem schweren Unglück. Was Steinhauer nach all den Jahren immer noch am meisten unter die Haut geht? Die Einsamkeit der alten Menschen, die oft zu bescheiden sind, um Hilfe zu bitten.

www.berliner-krisendienst.de

Mehr zum Thema

BÄK-Brief an Merkel und Scholz

Ärzte drängen auf allgemeine Corona-Impfpflicht

Report vorgelegt

Barmer warnt vor einem prekären Pflegenotstand

Corona-Impfungen bei Unter-12-Jährigen

BVKJ-Chef Fischbach: „Kinder sollen jetzt den Blutzoll zahlen“

Das könnte Sie auch interessieren
Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

© Tania Soares | EyeEm

Corona und Depression

Johanniskraut: Eine vorteilhafte Option bei einer Depression

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

© koto-feja, LordRunar | iStock

So wirkt Johanniskraut

Johanniskraut kann mehr als bisher angenommen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

© ChristianChan | iStock

Depressionen behandeln

Faktencheck: Johanniskrautextrakt vs. Citalopram

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Corona-Impfung in einer kommunal organisierten Impfstelle im thüringischen Jena. Die Ärztekammer in Thüringen dringt auf eine generelle Impfpflicht, auch die BÄK hält dies angesichts der aktuellen Lage für geboten.

© Martin Schutt / dpa

BÄK-Brief an Merkel und Scholz

Ärzte drängen auf allgemeine Corona-Impfpflicht

Auch in Deutschland sollen bald Corona-Impfungen der 5- bis 11-Jährigen möglich sein.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Impfungen bei Unter-12-Jährigen

BVKJ-Chef Fischbach: „Kinder sollen jetzt den Blutzoll zahlen“

Mit Spritzen kennen sich die Zahnärzte auf jeden Fall gut aus.

© auremar / stock.adobe.com

Bereitschaft signalisiert

Zahnärzte wollen beim Impfen gegen COVID-19 unterstützen