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Atomunfall-Vorsorge

Bundesamt für Strahlenschutz kauft 190 Millionen Jodtabletten

Das Bundesamt für Strahlenschutz stockt den Vorrat an Jodtabletten auf. Laut Medienberichten wurden dazu aktuell 50 Millionen Packungen bestellt.

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Noch am Netz: Das Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg.

Noch am Netz: Das Kernkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg.

© Fredrik von Erichsen/dpa

SALZGITTER. Sie sollen der Vorsorge gegen Schilddrüsenkrebs im Fall eines schweren Reaktorunfalls dienen: Jodtabletten. Nach einem Bericht des WDR hat dazu das Bundesinstitut für Strahlenschutz (Bfs) nun 50 Millionen Packungen mit rund 190 Millionen Jodtabletten neu bestellt. Lieferant soll dem Bericht zufolge der österreichische Pharmakonzern Gerot Lannach in der Steiermark sein. Mit der Bestellung wird der bisherige Bestand auf das vierfache erhöht.

Als Grund für die Großbestellung wurde seitens des Bfs angegeben, man habe aus Fukushima Lehren gezogen: Man müsse mit Reaktorunfällen der Stufe INES 7 rechnen sowie mit auch mehrtägigen Freisetzungen – und darauf vorbereitet sein.

Die acht INES Stufen

  • 0: Ereignis ohne oder mit gerinter sicherheitstechnischer Bedeutung
  • 1: Störung
  • 2: Störfall
  • 3: ernster Störfall
  • 4: Unfall
  • 5: ernster Unfall
  • 6: schwerer Unfall
  • 7: katastrophaler Unfall

Auch wenn Deutschland selbst aus der Atomkraftproduktion aussteige – 2022 soll das letzte Wert abgeschaltet werden – seien Risiken durch grenznahe Kernkraftwerke möglich. „Denken Sie an Belgien, an Frankreich, an die Schweiz, an Tschechien, Schweden. Und wenn da etwas passiert, müssen wir die deutsche Bevölkerung natürlich genauso schützen“, wird der Essener Strahlenbiologe Wolfgang Müller, ehemals Vorsitzender der Strahlenschutzkommission, in dem Bericht zitiert.

Vor knapp zwei Jahren hatten sich in der Region Aachen bereits Zehntausende Menschen mit Jodtabletten aus Angst vor einem Atomunfall bei einer Verteilaktion der Behörden versorgt.

Die Kosten für die Aufstockung der bundesweiten Jodtabletten-Vorräte liegen laut Bundesamt für Strahlenschutz bei 8,4 Mio. Euro (netto) und werden vom Bund getragen. Gelagert werden die 190 Millionen Tabletten dezentral. Dafür und für die eventuelle Verteilung sind die Bundesländer zuständig. (run)

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