Gesellschaft

Decken Ärzte die US-Folterknechte im Gefangenenlager Guantanamo?

Ärzte im Gefangenenlager Guantanamo sollen bei Folterungen weggesehen und deren Folgen verschleiert haben.

Veröffentlicht: 24.05.2011, 05:00 Uhr
Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba.

Häftlinge knien im Camp X-Ray auf dem US-Marinestützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba.

© dpa

FRANKFURT/MAIN (Smi). Schwere Vorwürfe gegen Ärzte und Psychologen erheben Vincent Iacopino von der Organisation Physicians for Human Rights und der Brigadegeneral im Ruhestand Stephen N. Xenakis in der aktuellen Medizin-Ausgabe der US-amerikanischen Public Library of Science ("PLoS Medicine" 8 (4): e1001027).

Iacopino und Xenakis haben neun Krankenakten von Häftlingen ausgewertet, die in Guantanamo einsitzen. Die Akten wurden ihnen von den Anwälten der Gefangenen zur Verfügung gestellt.

Alle neun Häftlinge versichern, dass sie im Lager Guantanamo Verhörmethoden unterzogen wurden, die sowohl nach der Definition der UN-Konvention gegen Folter als auch nach der milderen Definition der US-Regierung Foltermethoden darstellen.

Dazu zählen das simuliertes Ertränken, Schlafentzug, das Aussetzen extremer Temperaturen, Zwangshaltungen und erzwungene Nacktheit, aber auch schwere Schläge, die bis zur Bewusstlosigkeit und Knochenfrakturen führten, sexuelle Übergriffe, angedrohte Vergewaltigungen und Schein-Hinrichtungen.

Die betroffenen Guantanamo-Häftlinge wurden den Unterlagen zufolge mehrfach von Ärzten des Verteidigungsministeriums untersucht, etwa aufgrund von Hautausschlägen, Gewichtsverlust, Durchfall, Rückenschmerzen, Magengeschwüren oder Atemwegserkrankungen.

In mehreren Fällen wurden in den offiziellen Arzt-Berichten Verletzungen dokumentiert, die auf die von den Häftlingen geschilderten Folterungen zurückzuführen waren - Prellungen, Knochenbrüche, Fleischwunden -, ohne dass die naheliegende Ursache jedoch von den Ärzten protokolliert wurde.

Zudem berichteten Häftlinge, dass sie im Krankheitsfall medizinische Hilfe nur dann erhielten, wenn sie zuvor mit den Vernehmungsbeamten kooperierten.

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