Weihnachtspostämter

Der Nikolaus antwortet in Blindenschrift

Briefe an die deutschen Weihnachtspostämter drehen sich oft um Puppen, Lego oder PC-Spiele. Doch Kinder wünschen sich auch mehr Zeit mit Mama, Frieden in der Welt oder dass ein geflüchtetes Kind bleiben darf. Aus dem Saarland antwortet der Nikolaus auch in Brailleschrift.

Von Birgit Reichert Veröffentlicht: 24.12.2018, 06:55 Uhr
Der Weihnachtsmann kann jetzt auch Brailleschrift.

Der Weihnachtsmann kann jetzt auch Brailleschrift.

© Roman Milert/ Fotolia

HIMMELSTADT. Zwischen Himmelpfort und St. Nikolaus türmt sich die Post an das Christkind & Co: Deutschlands Kinder haben die sieben Weihnachtspostämter erneut mit Hunderttausenden Briefen überschüttet.

Wunschzettel, Bilder und aufgeschriebene Gedanken werden zum Beispiel im bayerischen Himmelstadt beantwortet. Ehrenamtliche Helfer des Christkinds schicken ein persönliches Anschreiben sowie eine Weihnachtsgeschichte zurück. Besonders aufwendige, ans Herz gehende Zuschriften erhalten sogar eine mehrzeilige handschriftliche Antwort.

Inhaltlich drehten sich die Briefe an das Himmelstädter Christkind natürlich vor allem um Geschenkwünsche. „Lego, Playmobil, Anna und Elsa, Paw Petrol – alle Spielsachen, die in der Werbung zu finden sind, die sind auch auf unseren Wunschzetteln“, sagte Rosemarie Schotte, Leiterin der Filiale in Himmelstadt. Viele wünschten sich aber auch Frieden in der Familie und in der Welt, dass arme Kinder auch Geschenke bekommen und dass Eltern nicht streiten.

Glitzer und selbstgemalte Bilder

Auch in den Briefen an das Christkind in Engelskirchen bei Köln wünschen sich Kinder häufig Gutes für andere. Auf etwa jedem zweiten Wunschzettel stehen Bitten um Freundschaften und mehr Zeit füreinander, erzählt Britta Töllner von der Deutschen Post. Auch Gesundheit und Frieden stehen ganz oben auf der Liste. Danach kommen Spielsachen.

„Ein Junge wünscht sich, dass ein Flüchtlingskind in seiner Klasse sein Freund bleiben kann und nicht abgeschoben wird“, sagte Töllner. „Wenn wir sie öffnen, fällt viel Glitzer heraus, und wir finden wunderschöne selbstgemalte Bilder und Zeichnungen.“ Auch Lustiges steht auf den Wunschzetteln: Ein Siebenjähriger erhofft sich vom Christkind ein Auto – und für seinen Papa ein Glas Bier.

Briefe auch aus Amerika und China

Nicht nur Post aus Deutschland müssen die Helfer beantworten. Eine Herausforderung seien zum Beispiel die Briefe aus Amerika, Frankreich und China, sagt Manuela Verges vom örtlichen Heimatverein in Himmelsberg (Thüringen). Manche Kinder hätten gar keine Wünsche, sondern brächten ihre Vorfreude auf Weihnachten zum Ausdruck. Im brandenburgischen Himmelpfort stehen derweil bei den Kindern Gesellschaftsspiele und Bücher besonders hoch im Kurs.

Einen besonderen Service bietet das Postamt St. Nikolaus im Saarland: Auch sehbehinderte und blinde Kinder können dort an den Nikolaus schreiben: Er antwortet seit Neuestem auch in der ertastbaren Brailleschrift, wie der Vorsitzende des Festausschusses St. Nikolaus, Peter Gerecke, der Deutschen Presse-Agentur sagte.

 Dieses Jahr seien schon sechs Antwortbriefe in Blindenschrift verschickt worden. Ansonsten werden Kinderbriefe im saarländischen St. Nikolaus auch in Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch, Polnisch, Russisch und Chinesisch beantwortet: Bislang waren es in diesem Jahr bereits mehr als insgesamt 20.000 Briefe.

Auf die Idee mit Antworten in Braille sei man gekommen, nachdem die Landesschule für Blinde und Sehbehinderte im rheinland-pfälzischen Neuwied im vergangenen Jahr „an den Nikolaus“ geschrieben hatte, sagte Gerecke. Man holte sich Hilfe bei der Louis-Braille-Schule in Lebach, die einen Brief „vom Nikolaus“ in Punktmustern entwarf. Und: „Seit diesem Jahr antwortet der Nikolaus auch so richtig in Brailleschrift.“

In dem 840-Einwohner-Ort St. Nikolaus werden seit mehr als 50 Jahren Wünsche, Bilder und Gedichte beantwortet. Nach Angaben der Deutschen Post ist es das älteste Nikolauspostamt in Deutschland. Das nahe der französischen Grenze gelegene St. Nikolaus ist den Organisatoren zufolge bundesweit der einzige Ort mit diesem Namen. Am 24. Dezember schließt das Nikolauspostamt für dieses Jahr. (dpa)

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