Glosse

Die Duftmarke: Telefon-Muffel

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Wir schreiben das Jahr 2035. Montag morgen, 9 Uhr, in einer ganz normalen Hausarztpraxis: herrlich, diese Ruhe. Kein Telefon, das mit seinem Dauerklingeln die MFA von der Arbeit abhält. Doch halt, plötzlich muckt das Gerät auf und läutet und läutet ... Wer mag das sein, der so penetrant die Idylle des Wochenanfangs stört? Und dann auch noch mit einem derart altertümlichen Apparat, der doch eigentlich längst sein trauriges Dasein als Staubfänger fristet.

Um Patienten wird es sich wohl kaum handeln. Wissen wir doch seit Kurzem, dass sich ein Großteil der Deutschen nicht traut, den Hörer in die Hand zu nehmen. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom haben schon mehr als ein Drittel aller Menschen wichtige Anrufe aufgeschoben, weil sie Angst haben, zu telefonieren. Arzttermine werden von den allermeisten am liebsten online vereinbart.

Wahrscheinlich sind es die ganz besonders Tapferen, die am frühen Morgen die Nummer einer Praxis wählen, sozusagen als Mutprobe: „Du hast dich tatsächlich überwunden!“, werden die Freunde mit ehrfürchtiger Bewunderung sagen. Was für ein Abenteuer! Und das allerbeste ist: Am anderen Ende der Leitung ist sogar jemand dran gegangen, „stellt euch das einmal vor!“

Noch größer ist das Erstaunen beim Praxispersonal. „Kolleginnen, was sagt ihr dazu, jemand wollte einen Termin vereinbaren. AM TELEFON!“ Erst großes Gelächter, dann plötzlich Panik: Ist vielleicht das Internet kaputt?

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