Hobbyschriftsteller

Dr. Kraus‘ blutige Fantasie bleibt aufs Buch beschränkt

Seine ersten Schreibversuche waren nur für Freunde und Familie gedacht, inzwischen veröffentlicht der Hamburger Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie seine Romane bei einem namhaften Verlag.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 24.09.2018, 06:51 Uhr
Dr. Kraus‘ blutige Fantasie bleibt aufs Buch beschränkt

Arzt und Schriftsteller aus Leidenschaft: Dr. Christian Kraus.

© Dirk Schnack

HAMBURG. Ihre Freizeit verbringen Ärzte so vielfältig wie der Rest der Bevölkerung: Sport, Musik, Lesen – aber selbst schreiben? Für Dr. Christian Kraus ist das inzwischen selbstverständlich. Der in Hamburg niedergelassene Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist Schriftsteller. Gerade hat er sein zweites Buch, den Psychothriller "Töte, was Du liebst" herausgebracht, das dritte ist schon in der Pipeline.

Dass er mit seinen Büchern bei einem solch namhaften Verlag wie DroemerKnaur landen würde, war bei seinen ersten Versuchen nicht absehbar. Sein Erstling entstand aus dem Gefühl heraus, neben der Medizin noch etwas anderes machen zu wollen. Das ist zwölf Jahre her, Kraus befand sich in psychoanalytischer Ausbildung in Hamburg.

Steven King als Vorbild

Als er über die Jahreswende Leerlauf hatte, begann er mit einem Fantasy-Roman. "Ich lese selbst gerne Fantasy, mag Tolkien und George Martin", berichtet Kraus. Auch Steven King und Irvin Yalom zählen zu seinen Vorbildern. Nach 120 Seiten hatte er sein Debütwerk vollendet. Lesen sollten ihn nur Freunde und Familie, für die Öffentlichkeit war er nicht bestimmt. Wichtiger war ihm das Gefühl: "Das geht und macht richtig Spaß. Ich entwickele gern Figuren und Charaktere. Und bei Fantasy muss ich mich nicht an Fakten halten."

Aber er merkte auch, dass "Schreiben ein einsames Geschäft ist". Umso wichtiger ist Feedback. Ihn beschäftigt fortan die Frage, wie Verlage auf seine Schriftstellerei reagieren würden. Kraus schreibt einen Krimi-Plot über einen Serienmörder, lässt Wissen aus seiner Tätigkeit in der Forensik einfließen und findet es spannend, das Seelenleben des Täters auszuleuchten. Sein erstes für die Öffentlichkeit bestimmtes Buch schickt er an eine Reihe von Verlagen – und er muss lernen zu warten.

2010 kommt es tatsächlich zur Veröffentlichung durch einen kleinen Hamburger Verlag: "Davon hatte ich jahrelang geträumt." Es folgen Kraus erste Schritte in der Literaturszene, er macht Lesungen und lernt das Gefühl kennen, im Buchladen sein eigenes Werk zu entdecken. Das Ganze passiert neben seiner Etablierung als Mediziner. Die Schriftstellerei soll ein Hobby bleiben – rein wirtschaftlich muss es das auch. 2500 Exemplare verkaufen sich von seinem Krimi, bei Lesungen sitzt er einmal vor nur drei Zuhörern. "Es hat trotzdem großen Spaß gemacht", sagt er.

In den Folgejahren entsteht sein Psychothriller um die Rechtsmedizinerin Luise Kellermann. Während der Entstehung knüpft er Kontakt zu einem Literaturagenten, der den Thriller bei DroemerKnaur unterbringt. Vergangenen Monat erschien das Werk – und Kraus hat bereits die Zusage, dass auch sein nächstes Buch, an dem er längst arbeitet, im gleichen Verlag publiziert wird.

Auch als Kraus in Hamburg einen Kassenarztsitz übernimmt, bleibt er seinem Hobby treu. Morgens, wenn die Familie aus dem Haus ist, beschäftigt er sich gedanklich mit der Handlung und fängt dort auch manchmal an zu schreiben. Wenn er später mit der U-Bahn aus dem holsteinischen Großhansdorf in die Praxis am Hamburger Rothenbaum fährt, schreibt er weiter. "Ich kann mit Kopfhörern gut abschalten", sagt Kraus über seinen ungewöhnlichen Arbeitsort.

Positive Rückmeldung von Kollegen

Und wie reagieren Kollegen und Patienten auf die teils sehr blutige Fantasie? "Das hat mich zuerst tatsächlich viel beschäftigt, deshalb hatte ich auch lange überlegt, ob ich unter Pseudonym veröffentliche", sagt Kraus. Diese Bedenken hat er heute nicht mehr: "Ich stehe dazu. Schließlich ist alles erfunden. Und die Reaktionen, die ich von Kollegen erfahren habe, waren durchweg positiv."

Von seinen Patienten hat ihn bislang erst einer angesprochen – anders als erwartet. "Es ist aber gut, wenn dieses Thema zwischen mir und meinen Patienten keine große Rolle spielt." Das könnte sich ändern, wenn er im Frühjahr seine nächste Lesereise beginnt.

Ob nun wieder vor drei Zuhörern oder vor großen Massen: Kraus will auf jeden Fall der Medizin treu bleiben und nicht hauptberuflich schreiben: "Das kann ich mir für den ganzen Tag nicht vorstellen – und mein Beruf macht mir großen Spaß."

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