Politiker fordern

EU muss Verbraucher vor Klonfleisch schützen

Das Klonschaf Dolly war in den 90er Jahren eine Sensation. Heute wird die hochumstrittene Technik nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Tierzucht eingesetzt. Politiker befürchten, dass das Ergebnis auch auf deutschen Tellern landen könnte.

Veröffentlicht: 26.05.2015, 08:33 Uhr

BERLIN. Deutsche Politiker warnen parteiübergreifend vor zu laxen Regeln für den Umgang mit Klonfleisch in der Europäischen Union. "Der Verbraucher muss erkennen können, was er isst", sagte Unionsfraktionsvize Gitta Connemann (CDU) der Deutschen Presse-Agentur.

"Der Verbraucher will ein Steak vom Bauernhof, kein Klonfleisch aus dem Reagenzglas." Auch die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, sagte der dpa: "Wir brauchen keine geklonten Tiere für die Lebensmittelproduktion."

In einem auch mit den Stimmen der Linken verabschiedeten Antrag fordern Union, SPD und Grüne die Bundesregierung gemeinsam auf, sich auf EU-Ebene für ein dauerhaftes Verbot des Klonens von Tieren zur Produktion von Lebensmitteln einzusetzen.

Klontiere und deren Fleisch dürften auch nicht importiert werden. Sollte ein Verbot scheitern, fordern die Parlamentarier Kennzeichnungspflichten und Kontrollen.

Die EU-Kommission plant derzeit weniger weitreichende Regelungen. Demnach dürften Nachkommen von Klontieren und Zuchtmaterial weiterhin ohne Beschränkung und Kennzeichnung importiert werden.

Schleichender Einzug in die Lebensmittelwirtschaft befürchtet

Genau hier sehen die Parlamentarier eine gravierende Lücke: Denn weil das Klonen aufwändig und teuer sei, stellten gar nicht die Tiere selbst, sondern deren Sperma, Eizellen und Embryonen "das wirtschaftlich interessante Produkt der geklonten Tiere" dar.

Sie befürchten, dass Nachkommen von Klontieren vor allem auf diesem Weg "schleichend Einzug in die europäische Nutztierzucht und Lebensmittelwirtschaft halten".

Der Verbraucherorganisation Foodwatch zufolge gibt es schon heute Indizien für einen globalen Handel mit Zuchtmaterial geklonter Tiere.

Der Verein Testbiotech, der von unabhängiger Seite über die Risiken der Biotechnologie aufklären will, zeigt auf seiner Homepage Beispiele für den Online-Handel mit dem Sperma geklonter Rinder.

In welchem Umfang weltweit geklont wird, ist laut Testbiotech nicht bekannt. Nach Angaben der EU-Kommission aus dem Jahr 2013 hätten die USA, Kanada, Australien, Brasilien und Argentinien aber bestätigt, dass in ihrem Hoheitsgebiet Tiere geklont würden.

In der EU wird die Klontechnik nach Angaben der 28 Mitgliedstaaten derzeit nirgendwo in der Landwirtschaft oder Lebensmittelproduktion eingesetzt, heißt es in dem Antrag der Fraktionen.

"Die Bundesregierung kann jedoch nicht ausschließen, dass bereits Nachkommen von Klontieren Eingang in die deutsche Nutztierzucht und Lebensmittelproduktion gefunden haben."

70 Prozent der Bundesbürger lehnen Klonfleisch ab

Umfragen zeigen laut Connemann, dass knapp drei Viertel (71 Prozent) der Bundesbürger geklontes Fleisch ablehnen, auch aus ethischen Gründen. "Klonen bedeutet für Tiere Leid und Qual", sagte Connemann.

Rund 90 Prozent der eingesetzten geklonten Embryonen sterben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zufolge spätestens kurz nach der Geburt. Tiere, die überleben, altern laut Connemann schneller, haben Krankheiten oder Missbildungen.

Aus Sicht von Foodwatch können Kennzeichnungspflichten aber nicht wirksam vor dem Verzehr von Klonfleisch schützen.

Im Hackfleisch eines Hamburgers etwa seien so viele Fleischsorten vereint, dass dies praktisch kaum möglich sei, sagte Vize-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Er fordert deshalb ein umfassendes Importverbot. (dpa)

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