1. Preis Charity Award 2019

Ein Stück Lebensqualität für Kriegsopfer

Den ersten Preis der Charity Awards 2019 erhielt der Berliner Verein „placet – Plastisch-chirurgisches Centrum für Terroropfer“, der sich für Menschen einsetzt, die infolge von Terror, Krieg, Landminen und Folter entstellt wurden.

Veröffentlicht: 05.02.2020, 13:46 Uhr
Ein Stück Lebensqualität für Kriegsopfer

Zahnmedizinische Op für ein Kriegsopfer.

© placet e.V.

Ein Placet drückt gemeinhin ein Einverständnis aus, wörtlich übersetzt bedeutet der lateinische Begriff so viel wie „Es möge gefallen“. Die Mitarbeiter des Plastisch-chirurgischen Centrums für Terroropfer, kurz „placet“, verhelfen entstellten Opfern von Terror, Krieg und Folter zu einem Aussehen, das ihnen ein Leben in Würde ermöglicht. Für sein fast zwei Jahrzehnte währendes Engagement ist der Berliner Verein mit dem 1. Preis der von Springer Medizin vergebenen Charity Awards 2019 ausgezeichnet worden.

2001 – nach den Anschlägen vom 11. September stand die Welt noch unter Schock – fand sich eine Gruppe von Plastischen Chirurgen, Ärzten anderer Disziplinen, Juristen, Kaufleuten und Journalisten zusammen, um ein Zeichen zu setzen gegen den weltweiten Terror. Die ursprünglich an den Universitätskliniken Bergmannsheil in Bochum entwickelte und schließlich in Berlin umgesetzte Idee sah vor, Opfer von Bomben, Landminen, Schussverletzungen und Folter mit den Mitteln der plastisch-rekonstruktiven Chirurgie so weit wiederherzustellen, dass sie in der Lage sein würden, ein eigenständiges Leben zu führen. Die Idee sprach sich so schnell herum, dass die Vereinsmitglieder schon bald internationale Kooperationen knüpfen und bereits im Januar 2002 die ersten Patienten nach Berlin holen konnten.

Heute hat der Verein länderübergreifend mehr als 70 Mitglieder. Hilfsorganisationen wie das Friedensdorf International sowie private Initiativen vermitteln die Patienten an die Ärzte von „placet“.

Jene verschaffen sich mittels Anamnese und bildgebenden Verfahren zunächst einen Überblick darüber, wie sie den Betroffenen sinnvoll helfen können, und klären die Frage, ob eine Versorgung in ihrem Heimatland ausgeschlossen ist. Das nämlich ist Voraussetzung für eine Aufnahme in das Hilfeprogramm. Oftmals sind es nicht die medizinischen Herausforderungen, die den Mitarbeitern von „placet“ Kopfzerbrechen bereiten, sondern die bürokratischen Hürden, die es erschweren, einen Patienten nach Deutschland zu holen. Hinzu kommen Probleme bei der Informationsvermittlung und mitunter Sprachbarrieren.

Ein Stück Lebensqualität für Kriegsopfer

DRK-Klinikum Westend. Von den 50 Patienten, die der Verein placet bislang plastisch-chirurgisch versorgt hat, waren die Mehrzahl Kinder.

© placet e.V.

Ist ein Patient schließlich in Berlin angekommen, wird ihm oder ihr ein Pate zur Seite gestellt, der sich um alle Belange kümmert, mit dem Gast spazieren oder einkaufen geht, ihm Grundlagen deutscher Sprache vermittelt und ihm den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestaltet.

Dabei achtet der Verein penibel darauf, dass die emotionale Bindung zwischen Patient und Pate nicht zu eng wird. Gerade wenn es um Kinder und Heranwachsende geht, will man vermeiden, dass jene nach Ende der Behandlung womöglich nicht mehr heim wollen. Junge Patienten können für die Dauer der Behandlung von einem Familienmitglied begleitet werden.

Neben der medizinischen Versorgung trägt der Verein auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie für Flug- und Fahrtkosten.

Die eigentliche Therapie der Patienten findet schließlich im DRK-Klinikum Westend, im Helios Klinikum Emil von Behring und im Martin-Luther-Krankenhaus in Berlin statt, wo „placet“ eigenen Angaben nach ideale Bedingungen vorfindet, um Patienten auch mehrfach zu operieren und notfalls Kollegen anderer Disziplinen hinzuzuziehen. So können Restnarben beispielsweise mit Camouflage abgedeckt werden.

Wenn die Patienten schließlich nach Hause zurückkehren, sollen sie, so ein Wunsch der „placet“-Initiatoren, in ihren Heimatländern helfen, Vorurteile gegen westliche Helfer abzubauen und auf diese Weise zur Völkerverständigung beitragen.

In den vergangenen 18 Jahren haben die Mitarbeiter von „placet“ mehr als 50 Patienten – meist Kinder und Heranwachsende – nach Berlin geholt. Da deren Verletzungen in der Regel sehr komplex sind, müssen sie meist mehrmals operiert werden. Seit Januar 2002 haben die Berliner Chirurgen rund 500 Eingriffe vorgenommen. Die meisten ihrer Schützlinge stammen aus Afghanistan, dem Irak, Tschetschenien, Kenia, Angola, Mauretanien und Tadschikistan.

„Uns geht es gut hier“, sagte Professor Frank-Werner Peter von „placet“ bei der Preisverleihung in Berlin, „wir sind ein reiches Land. Ich denke, dass wir da etwas zurückgeben können“. (smi)

placet e.V – Plastisch-chirurgisches Centrum für Terroropfer e.V.

c/o Klinik am Wittenbergplatz, Plastische Chirurgie

Bayreuther Straße 36, 10789 Berlin

Telefon: 030 - 91909097, info@placet-berlin.de

Weitere Informationen: www.placet-berlin.de

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