Experiment: Weniger Vertrauen in gemischten Kiezen

Ein ungewöhnliches Briefexperiment zeigt, wie unterschiedlich die Gemeinschaft in Nachbarschaften funktioniert.

Veröffentlicht:

BERLIN (dpa). Je gemischter und ärmer der Kiez, umso kleiner ist die Solidarität unter den Bewohnern: Zu diesem Ergebnis kommt ein ungewöhnliches Briefexperiment, das Sozialforscher am Wissenschaftszentrum Berlin auf den Straßen der Hauptstadt vornahmen.

2000 frankierte und adressierte Briefe wurden dazu auf Gehwegen in diversen Berliner Kiezen verteilt, so als hätte sie jemand verloren.

"Wie viele würden von Passanten in den Briefkasten gesteckt und so ihr Ziel erreichen?", formulierte die Psychologin Susanne Veit die zentrale Frage.

Ein Teil der Briefe war mit fiktiven Absendern eines islamischen oder eines türkischen Kulturvereins an einen Empfänger mit türkischem Namen adressiert. Ein anderer Teil war mit einer christlichen oder neutralen Stiftung als Absender versehen und an einen fiktiven Empfänger mit deutschem Namen gerichtet.

Anlass zu Optimismus

Das Ergebnis: Insgesamt wurden fast zwei Drittel der Umschläge (63 Prozent) weitergeleitet. Briefe aus Multi-Kulti-Stadtvierteln wie Tiergarten oder Wedding erreichten jedoch seltener ihre Empfänger.

In ärmeren Gegenden der Stadt wie Kreuzberg oder dem Märkischen Viertel wurden weniger Briefe aufgehoben als in bessergestellten, im Ostteil der Stadt weniger als im Westen.

Keine Unterschiede zeigten sich bei der religiösen oder ethnischen Zuordnung der Briefe: Unabhängig davon, von wem sie stammten oder an wen sie gerichtet waren, wurden alle Schreiben gleichmäßig weitergeleitet.

Einzige Ausnahme: Im Osten Berlins landeten weniger Briefe mit dem Absender des islamischen Kulturvereins im Kasten. Fazit: Ethnische Vielfalt und schlechtere soziale Lage schränkten solidarisches Verhalten zwar ein.

Insgesamt gebe die Studie aber auch Anlass zu Optimismus: Ohne jeden privaten Eigennutz seien fast zwei Drittel der Briefe eingeworfen worden. "Auf die lose Gemeinschaft in Nachbarschaften ist insofern Verlass."

Studie: http://tinyurl.com/blsa776

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Daten der Barmer

Fast jeder zehnte Niedersachse leidet unter Asthma

143. MB-Hauptversammlung

Marburger Bund stellt sich geschlossen gegen Rechts

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview zum 128. Deutschen Ärztetag

StäKo-Vorsitzender Herrmann: „Unsere Weiterbildungen sind überladen“

Lesetipps
Dr. Sonja Mathes sprach sich bei der Hauptversammlung des Marburger Bundes dafür aus, die Kolleginnen und Kollegen dabei zu unterstützen, die bald obligatorische Zeiterfassung für Ärzte an Unikliniken konsequent einzufordern.

© Rolf Schulten für die Ärzte Zeitung

143. Hauptversammlung des Marburger Bundes

MB-Delegierte: Elektronische Zeiterfassung an Unikliniken muss durchgesetzt werden

Dr. Andreas Botzlar, 2. Vorsitzender des Marburger Bundes

© Porträt: Rolf Schulten | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

Podcast „ÄrzteTag vor Ort“

Klinikärzte in der Primärversorgung – kann das gehen, Herr Dr. Botzlar?