"Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft"

Ein einfacher Bote begründete einen weltweiten Volkssport: Vor 2500 Jahren lief er der Legende nach von Athen nach Sparta und berichtete vom Sieg der Athener über die Perser. Eine Ausstellung zeigt nun die Geschichte des weltweit beliebten Laufes über 42,195 Kilometer.

Von Pete Smith Veröffentlicht:
Pheidippides gilt als Begründer des Marathon-Laufes. © Smith (2)

Pheidippides gilt als Begründer des Marathon-Laufes. © Smith (2)

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"Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft" - die Quintessenz natürlichen Fortkommens stammt vom tschechischen Laufwunder Emil Zatopek, der ironischerweise selbst als "tschechische Lokomotive" berühmt wurde. "Mensch läuft" - das ist tatsächlich die frühe Bestimmung des Erdenbürgers, wie eine aktuelle Wanderausstellung zum 2500-jährigen Jubiläum des Marathons anschaulich illustriert: Als Jäger, Boten und Kundschafter waren Läufer die vermutlich ersten Berufssportler in der Geschichte der Menschheit.

Eine vom Sportmuseum in Berlin konzipierte Ausstellung ist noch bis mindestens Ende des Jahres bei verschiedenen Marathonveranstaltungen in Deutschland und der Schweiz zu sehen. Mit der Exposition wird nicht nur ein rundes Jubiläum gefeiert, sondern die einzige olympische Disziplin geehrt, in der die Weltbesten regelmäßig neben Hobby- und Freizeitläufern an der Startlinie stehen.

Marathon ist zugleich ein Mythos und eine moderne Trendsportart. Allein in Deutschland finden Jahr für Jahr zwischen 150 und 200 Marathonläufe statt, die Zahl der Aktiven wird vom Deutschen Leichtathletikverband auf 100 000 geschätzt.

Eine Legende als Ursprung für den Marathonlauf

Marathon ist ein Teil der attischen Landschaft Diakria nordöstlich von Athen. Die Ebene von Marathon wurde berühmt durch den Sieg, den die Athener hier unter Führung des Miltiades 490 vor Christus über die Perser errangen. Wie Herodot, der Vater der Geschichtsschreibung, berichtet, sei ein Bote - Pheidippides oder auch Philippides - von Athen nach Sparta gesandt worden, um die frohe Botschaft zu verkünden. Mit dem Ruf "Nenikekamen!" ("Wir haben gesiegt!") auf den Lippen habe Pheidippides bei seiner Ankunft sein Leben ausgehaucht. Soweit die Legende.

1894 nahm der Landauer Sprachwissenschaftler Michel Bréal am Olympischen Kongress in Paris teil, der die ersten neuzeitlichen Spiele 1896 in Athen vorbereiten sollte. Bréal hatte eine Idee, die er dem Generalsekretär und späteren Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, Pierre de Coubertin, in einem Brief mitteilte: Was dieser davon halte, den legendären Lauf zu wiederholen in den Abmessungen von einst? Coubertin zögerte zunächst, stimmte dann aber zu.

Die Läuferdarstellungen auf griechischen Vasen stellen die Legende dar.

Marathon war offiziell ein Männersport

Als erster Gewinner trug sich der Grieche Spyridon Louis in die Annalen des Olympischen Marathons ein - er gewann den Lauf in einer Zeit von 2:58:50 Stunden. 40 Kilometer, so beschrieb es zumindest das offizielle Bulletin der Olympischen Spiele von Athen, betrug die Strecke von Marathon nach Athen. Exakt vermessen wurde sie jedoch erst anlässlich der Spiele von London 1908. Very british kam man dabei auf 26 Meilen und 385 Yards, was der heute noch üblichen Distanz von 42,195 Kilometern entspricht.

Marathon war fast ein Jahrhundert lang - offiziell - ein Männersport. Leichtathletische Wettbewerbe galten Anfang der 1900er Jahre als unweiblich und für Frauen zu gefährlich. Und doch waren Frauen von Anfang an dabei. So legte Stamatia Rovithi, Mutter von sieben Kindern, nach dem olympischen Marathon 1896 angeblich aus Begeisterung über den Sieg von Spyridon Louis dieselbe Strecke kurz darauf in fünfeinhalb Stunden zurück. 1966 gelang es Roberta Gibb als Mann verkleidet, den Boston Marathon mitzulaufen, indem sie den Startschuss in einem Gebüsch abwartete und sich dann unter die Läufer schmuggelte. Ein Jahr später meldete sich Katherine Switzer ebenfalls in Boston als K.V. Switzer an und lief den Marathon zu Ende. Erst 1971 wurde als erste Veranstaltung dieser Art der New York Marathon für Frauen geöffnet, 1974 folgte der Berlin Marathon, den Jutta von Haase in 3:22:01 Stunden gewann.

Heute werden überall auf der Welt Marathon-Veranstaltungen angeboten, darunter ungewöhnliche wie der Jungfrau-Marathon in den Schweizer Alpen, der Sahara-Marathon und der "Mauerlauf" auf der Chinesischen Mauer.

Der Marathon ist heute ein Massenphänomen, die Besten laufen inzwischen an die Schallgrenze von zwei Stunden heran. Derzeitige Weltrekordhalter sind die Britin Paula Radcliffe (2:15:25 Stunden) und der Äthiopier Haile Gebrselassi (2:03:59 Stunden). Die Siegerzeiten zeigen, dass die Frauen beim Marathon kaum noch langsamer sind als die Männer.


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