Anteil steigt

Immer mehr Senioren rauchen

Rauchen im Alter wird aus Sicht der Gesundheitswissenschaft ein immer drängenderes Problem. Auch wer in späteren Lebensjahren erst die Zigaretten aufgibt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes.

Veröffentlicht:
Auch ältere Raucher profitieren gesundheitlich davon, wenn sie ihr Laster aufgeben.

Auch ältere Raucher profitieren gesundheitlich davon, wenn sie ihr Laster aufgeben.

© Brett Mulcahy / fotolia.com

HEIDELBERG. Seit Jahren sinkt die Zahl der jungen Raucher – eine erfreuliche Entwicklung. Doch gleichzeitig gibt es immer mehr ältere Menschen, die Tabak konsumieren.

Bei den Männern ist der Raucheranteil in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen zwischen 2009 und 2017 um fast neun Prozent auf nahezu ein Viertel gewachsen, bei den Frauen sogar um knapp 80 Prozent auf 18,3 Prozent .

Für das Jahr 2017 weisen statistische Daten aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zum Beispiel für die Altersgruppe der 70 bis 74-Jährigen einen Raucheranteil von 11,6 Prozent aus (siehe nachfolgende Tabelle).

An dieser Stelle finden Sie Inhalte aus Datawrapper Um mit Inhalten aus Datawrapper zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir Ihre Zustimmung. Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte aus Sozialen Netzwerken und von anderen Anbietern angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Weitere Information dazu finden Sie hier.

Grund dafür, dass es immer mehr ältere Raucher gibt, ist schlicht die demografische Entwicklung. „Die gestiegenen Raucheranteile in den höheren Altersgruppen sind vor allem dadurch zu erklären ist, dass sich die Raucher der mittleren in höhere Altersgruppen verschieben“, sagt Ute Mons, Leiterin der Stabstelle Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Denn in höherem Alter fängt kaum jemand erst an, zu rauchen. Die hohe Zunahme bei den Frauen liege daran, dass vor den 1960er, 1970er Jahren Frauen nur ganz selten geraucht hätten, erklärt Mons.

Wer aufhört, senkt nicht nur sein kardiovaskuläres Risiko

Auch im Alter lohnt es sich, das Rauchen aufzugeben, betont die DKFZ-Expertin. Allein Kurzatmigkeit, Husten und Leistungsschwäche verbesserten sich schon nach wenigen Wochen.

„Verbannt ein 60-Jähriger die Kippen aus seinem Leben, ist sein Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko schon innerhalb von fünf bis zehn Jahren deutlich geringer“, sagt Mons. Nach 20 Jahren sei sein Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen gleich dem eines Nichtrauchers.

Und auch die Gefahr, an Krebs zu erkranken, nimmt ab: 10 bis 20 Jahre nach der letzten Zigarette sinke das Krebsrisiko deutlich, erläutert die Gesundheitswissenschaftlerin. Das Lungenkrebsrisiko halbiere sich binnen zehn Jahren.

Auch aus kardiologischer Sicht ist die Raucherentwöhnung ratsam. Ein Rauchstopp nach Bypass-Operationen, die in der Regel an älteren Patienten durchgeführt werden, verlängere die Lebenserwartung Studien zufolge um drei Jahre, sagt Professor Helmut Gohlke, Vorstand der Deutschen Herzstiftung. „Der Effekt des Aufhörens ist größer als der des Eingriffs.“

Aufhören fällt vielen sehr schwer

Da Nikotin ein sehr starker Suchtstoff ist, fällt ein Rauchstopp vielen langjährigen Tabak-Konsumenten sehr schwer. Nach Ansicht von Mons wird es Rauchern hierzulande nicht leicht gemacht, aufzuhören: „Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem noch Kino- und Außenwerbung sowie die Abgabe von Zigaretten bei Events erlaubt sind.“

Als Grund vermutet Mons die Macht der Tabaklobby. Zwar wird in Deutschland kaum Tabak angebaut, doch ist es einer der größten Tabakimporteure und größten Zigarettenexporteure, wie Mons sagt.

Der Kardiologe Gohlke pflichtet der DKFZ-Expertin bei. Im Bundestag und im Gesundheitsministerium sei das Engagement gegen Rauchen praktisch nicht vorhanden.

Vorschlag: Tabaksteuer erhöhen!

Ein erfolgversprechender Weg, um mehr Menschen zu Nichtrauchern zu machen, sei, die Preise für Zigaretten zu erhöhen, findet Mons. Nach der Erhöhung der Tabaksteuer im Jahr 2005 habe sich die Raucherzahl stark verringert und junge Menschen seien gar nicht erst auf Ideen gekommen, zur Zigarette zu greifen.

Mons plädiert für eine weitere deutliche Erhöhung: „Eine Steuererhöhung von zehn Prozent bringt einen Konsumrückgang um fünf Prozent.“ (dpa/lsw/ths)

Mehr zum Thema

Gesundheitliche Folgen von Vereinsamung

Psychotherapeuten begrüßen Aktionswoche gegen Einsamkeit

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Alternative Therapierichtungen

Homöopathie: Worüber gestritten wird – und was die Fakten zeigen

Lesetipps