Alterserkrankungen

Kirchen eröffnen Woche für das Leben zum Thema „Leben mit Demenz“

„Leben mit Demenz“ ist das Thema der gerade eröffneten Woche für das Leben. Die Kirchen wollen unter anderem mit Vorurteilen gegen die Erkrankung aufräumen.

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Miteinander statt Ausgrenzung! Das fordern die deutschen Kirchen mit Blick auf demente Menschen im Rahmen der „Woche für das Leben“.

Miteinander statt Ausgrenzung! Das fordern die deutschen Kirchen mit Blick auf demente Menschen im Rahmen der „Woche für das Leben“.

© Ocskay Bence / Fotolia

Leipzig. Die Sorge um demente Menschen und ihre Angehörigen steht im Mittelpunkt der diesjährigen ökumenischen „Woche für das Leben“. Die beiden großen Kirchen eröffneten sie am Wochenende in Leipzig. Die bundesweite Aktion läuft bis zum 7. Mai unter dem Leitwort „Mittendrin. Leben mit Demenz“.

In vielen Veranstaltungen wollen die Kirchen auf die Situation von dementen Menschen und deren Angehörigen aufmerksam machen und einen menschenwürdigen Umgang mit der Krankheit fördern.

Beim Auftaktgottesdienst in der evangelischen Nikolaikirche sagte der Vize-Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, die Würde eines Menschen hänge nicht von seiner Gesundheit, seinen geistigen Fähigkeiten oder seiner Fähigkeit zur Selbstbestimmung ab. „Gott ist der Garant der Würde des Menschen“, betonte der Osnabrücker Bischof.

Teilhabe am Leben auch für Menschen mit Demenz!

Auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen müssten am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Deshalb unterstützten die Kirchen die „Nationale Demenzstrategie“ der Bundesregierung, in der sich seit 2020 viele Akteure engagieren.

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus, betonte, ein Mensch könne seine Erinnerungen oder sogar seine Persönlichkeit verlieren. Gott werde diesen Menschen „auch dann, dann erst recht“ nicht verloren geben, so die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen.

Bei einer Podiumsdiskussion forderte der frühere SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Franz Müntefering mehr niedrigschwellige und „lebenspraktische“ Hilfen für demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen. So müsse es mehr als die bislang 400 bis 500 „lokalen Allianzen“ geben, die Selbsthilfegruppen oder Sozialberatung anbieten.

Anregungen von außen sind wichtig

Der ehemalige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisation wandte sich überdies dagegen, demente Menschen nur als Fälle zu betrachten. Sie seien einzigartige Individuen „wie Menschen ohne Demenz auch“.

Der Gerontologe und Psychologe Andreas Kruse betonte, dass Menschen mit Demenz in besonderem Maße auf Anregungen von außen angewiesen seien, um ihre Funktionen und Fertigkeiten länger zu erhalten. Dazu könnten Rituale wie Beten und Singen von Kirchenliedern gehören. „Der Glaube geht mit der Diagnose einer Demenz nicht verloren“, sagte Kruse, der f

rüher dem Deutschen Ethikrat angehörte. Auch könnten Glaubensgespräche mit Angehörigen ein wichtiges Angebot sein, um das Zusammenleben mit dementen Menschen zu bewältigen. In dieser Hinsicht hätten die Kirchengemeinden eine wichtige Aufgabe.

„Menschen mit Demenz können nichts mehr? Das ist falsch!“

Als Begründung für die Ängste vor Demenz nannte die Studienleiterin der Katholischen Akademie in Freiburg, Verena Wetzstein, die „Provokation“ dieser Krankheit in einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen nach seiner Leistungsfähigkeit bemesse. Dem widerspreche aber die biblische Botschaft, dass jeder Mensch ein Ebenbild Gottes sei, und die im Grundgesetz festgeschriebene Unantastbarkeit der Menschenwürde.

Die Psycho-Gerontologin und Theologin Sabine Tschainer-Zangl sagte dem Portal domradio.de, über Demenz gebe es weiterhin viele falsche Vorstellungen. Als Beispiel nannte sie das „schlimme Vorurteil“, dass ein demenzkranker Mensch „gar nichts mehr“ könne. Dies sei falsch, und jede Demenz verlaufe individuell. (KNA)

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